Darum gehts
- Zwei Kinder in Portugal auf Landstrasse ausgesetzt, Eltern festgenommen
- 500 Kilometer Reise endete mit Fund nahe Alcácer do Sal
- Kinder nun in französischer Botschaft, Übergabe an Angehörige geplant
«Als ich den Inhalt ihrer Rucksäcke sah, wusste ich sofort, dass sie ausgesetzt wurden», sagte Artur Quintas gegenüber dem «Correio da Manhã». Gemeinsam mit seiner Frau entdeckte er am Dienstagabend zwei weinende Kinder auf einer heissen Landstrasse in Portugal.
Die Geschichte wirft viele Fragen auf und die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Woher kommen die Kinder und was machten sie völlig alleine an dieser Strasse? Blick zeigt, was bis jetzt über den Fall bekannt ist.
15 Tage zurück (Frankreich)
Laut einem Bericht von «Le Parisien» hatte die Mutter ihre beiden Kinder (3, 5) bereits vor gut zwei Wochen mitgenommen. Ein weiteres Kind (16) liess sie zurück. Die Kinder sind französische Staatsangehörige und stammen aus der Region Colmar im Osten von Frankreich.
Grossmutter meldete das Verschwinden
Zuerst meldete die Grossmutter mütterlicherseits das Verschwinden der Kinder. Etwas später reichte auch der leibliche Vater eine Anzeige bei den Behörden ein wegen Kindesentführung. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP teilte der Colmarer Staatsanwalt Jean Richert mit, der Vater verstehe «genauso wenig wie alle anderen».
Portugal – 11. Mai
Am 11. Mai trafen die beiden Kinder gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater in Portugal ein. Eingereist waren sie über Braganća, nahe der spanischen Grenze. Das wissen die Behörden laut «Correio da Manhã», weil ihnen ein Foto des Familienautos beim Grenzübertritt vorliegt.
Reise durch Portugal
Was folgte, war eine 500 Kilometer lange Reise durch Portugal, die an dem Ort Alcácer do Sal endete. Dort wohnte die Familie in einem Hotel – etwa 20 Kilometer von der Landstrasse entfernt, auf der die Kinder gefunden wurden.
Portugal – 19. Mai
Gegen 19 Uhr fand das Ehepaar Quintas die beiden Jungen auf der Nationalstrasse 253 zwischen Alcácer do Sal und Comporta. Laut dem älteren Jungen liessen Mutter und Stiefvater sie allein im Wald zurück. In ihren Rucksäcken wurden Wechselkleidung und Proviant gefunden. Einige Stunden später übergab das Ehepaar Quintas die Kinder in die Obhut der portugiesischen Polizei. Die Beamten brachten sie wiederum ins Spital von Setùbal.
Portugal – 20. Mai
Am Mittwochmorgen wurden die Geschwister im Spital untersucht. Trotz einiger Prellungen an den Beinen befinden sich die beiden laut den Ärzten in einem guten gesundheitlichen Zustand. Zudem haben die toxikologischen Tests ergeben, dass die Kinder nicht unter Drogen gesetzt wurden.
Portugal – 21. Mai
Am Donnerstag wurden die 41-jährige Mutter und der Stiefvater der Kinder von der portugiesischen Nationalgarde in Fátima aufgespürt. Ein Passant hatte sie laut dem portugiesischen Portal RTP auf der Terrasse eines Cafés entdeckt. Beide wurden festgenommen.
Wie geht es weiter?
Wie «Die Zeit» berichtet, befinden sich die beiden Jungs inzwischen in der französischen Botschaft in Lissabon. Später sollen sie zu Angehörigen nach Frankreich kommen.
Auch hat die portugiesische Sicherheitspolizei noch nicht offiziell bestätigt, dass die Kinder ausgesetzt wurden. «Derzeit steht noch alles zur Debatte», teilte Major João Gaspar am Donnerstag gegenüber AFP mit.