Schock-Leaks aus Russen-Armee
Putin ist drauf und dran, den Ukraine-Krieg zu verlieren

Kiew investiert massiv in seine Roboter-Truppen. Währenddessen schaut Moskau wehrlos zu, wie seine Industrie in Flammen aufgeht. Jetzt ist sogar Putins Siegesparade am 9. Mai gefährdet.
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Kampfroboter sollen in absehbarer Zeit rund ein Drittel der ukrainischen Front-Soldaten ersetzen.
Foto: AFP

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Manch ein Held welkt im Schatten. Nur wenige blühen auf, wenn das Rampenlicht nicht länger auf sie fällt. Die Ukraine gehört zu ihnen. In den zwei Monaten seit dem Ausbruch des Iran-Krieges hat sie den Spiess im Überlebenskampf gegen die russischen Angreifer umgedreht – trotz Schatten-Dasein.

Die vermeintlich zweitstärkste Armee der Welt ist bei weitem nicht geschlagen. Seit Jahren aber sieht es zum ersten Mal so aus, als bringe die Ukraine ihre Peiniger in ernsthafte Bedrängnis. Das liegt nicht nur an Kiews neuer Kriegsstrategie. Das liegt auch an neuen Enthüllungen über die Zustände in Wladimir Putins (73) Streitkräften, die selbst hartgesottene Patrioten in Russland erzittern lassen.

Erzittern tun in Putins Riesenreich derweil nicht nur die Kriegsbeobachter, sondern regelmässig auch die überlebenswichtigen Öl- und Gasanlagen. Allein im März hat die Ukraine mit ihren Raketen und Drohnen mehr als 7300 Ziele in Russland getroffen. Das sind fast 1500 erfolgreiche Angriffe mehr, als die Russen auf die Ukraine verübt haben.

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Wladimir Putin hat derzeit wenig zu lachen.
Foto: Getty Images

Kein Wunder, dass man in Moskau laut der Russland-Expertin Alexandra Prokopenko jetzt auch Angst hat, die für den «Siegestag» am 9. Mai angesetzte Militärparade wie geplant durchzuführen. Prokopenko schreibt auf X, die Parade werde ohne Militärfahrzeuge stattfinden und nur eine knappe Stunde dauern. Eine Schmach für den Kriegsfanatiker Putin.

Ex-CIA-Chef wagt optimistische Prognose

Kommt hinzu: Die Langstreckenangriffe der Ukrainer erschweren es Russland zusehends, sein Öl zu verkaufen und damit seinen Krieg zu finanzieren. Das russische Haushaltsbudget weist für die ersten drei Monate des laufenden Jahres ein Minus von 47 Milliarden Franken aus – laut den offiziellen russischen Quellen! Eine Katastrophe für Moskau.

Ebenfalls gibt es neue Produkte aus den ukrainischen Kriegslabors, die nach und nach auf dem Schlachtfeld eingesetzt werden. Dieses Jahr will Präsident Wolodimir Selenski (48) 50'000 neue sogenannte UGVs (Unmanned Ground Vehicles) an die Front schicken, von reinen Transportgefährten bis hin zu autonom funktionierenden Selbstschussanlagen. 330 Millionen Dollar hat die Ukraine in diesem Jahr bereits in ihre Entwicklung investiert.

Jüngst ist der Dritten Sturmbrigade die Eroberung einer russischen Stellung einzig und allein mit dem Einsatz von UGVs und Drohnen gelungen. Roboter umzingelten die Stellung. Eine Lautsprecherdrohne forderte die umstellten Russen zur Aufgabe auf. Ein Transportgefährt führte sie ab. Alles, ohne dass auch nur ein Ukrainer sich hätte in Gefahr begeben müssen.

«Russland», urteilte Ex-CIA-Chef David Petraeus (73) mit Blick auf die Roboter-Kriegsführung der Ukraine, «hat in diesem Krieg nicht länger die Oberhand.»

Das Ziel der Roboter-Initiative: Menschenleben schonen. Die Ukraine hat – genau wie Russland – ein Rekrutierungsproblem. Fast 200'000 Deserteure haben ihre Truppen verlassen. Geschätzte zwei Millionen Männer verstecken sich vor den Rekrutierungsoffizieren. Dank des zunehmenden Einsatzes von Robotern braucht die Ukraine bald rund ein Drittel weniger Männer an der Front.

1180 Russen sind am Montag getötet oder verwundet worden

Roboter haben auch die Russen. Einen schonenden Umgang mit ihren menschlichen Ressourcen aber pflegen sie trotzdem nicht. Laut ukrainischen Angaben sind seit Kriegsbeginn vor vier Jahren mehr als 1,3 Millionen Russen gefallen oder verwundet worden. Allein am Montag haben die Ukrainer 1180 Russen getötet oder verwundet. Geleakte Telefongespräche zwischen russischen Soldaten und ihren Angehörigen zeigen jetzt: Putins Offiziere lassen Verwundete oft ohne medizinische Versorgung in den Frontgräben zurück. Sie sollen dort schwer verletzt «die Stellung halten».

Aufgrund des Soldatenmangels schickt Putin inzwischen auch gut ausgebildete Panzer-Spezialisten als Infanteristen in den fast sicheren Tod.

Die Ukraine vermeldet derweil rekordhohe Anfragen bei ihrer Hotline «Ich will leben». Diese liess Kiew einrichten, um kampfmüden Russen eine einfache Möglichkeit zu bieten, sich zu ergeben. Rund 90 russische Soldaten tun das jede Woche.

Um die prekäre Lage an der Front zu überdecken, hat Moskau zuletzt die Nutzung der beliebten Plattform Telegram massiv eingeschränkt. Ersetzt wird sie durch das staatlich überwachte Tool «MAX»: ein Zensur-Instrument erster postsowjetischer Güte.

Ex-Putin-Freund macht gemeinsame Sache mit Kiew

Auch analog gehen dem Scheinriesen Putin nach und nach die Freunde aus. Während er sich in Moskau mit dem Besuch des Mullah-Aussenministers Abbas Araghtschi (63) begnügen muss, schickt der Kreml-Herrscher seinen Verteidigungsminister Andrey Beloussow (67) nach Pjöngjang zur Einweihung eines neuen Militärmuseums. Der Iran und Nordkorea: nicht jene mächtigen Freunde, von denen man in Moskau eigentlich träumt.

Die Ukraine ihrerseits macht sich bei verschiedenen Partnern immer beliebter – wenn auch nicht beim einstigen Hauptpartner, den USA. Neue Waffen-Produktionsdeals gibt’s mit einer ganzen Handvoll Ländern. Zuletzt unterzeichnete Selenski Verteidigungsdeals mit Saudi-Arabien, Polen, Norwegen und Deutschland. Und sogar der einstige Putin-Freund Ilham Aliyev (64), Präsident von Aserbaidschan, will jetzt gemeinsam mit Kiew Waffen bauen. Ein Schlag ins Gesicht von Putin.

Nicht alles ist jedoch rosig am Frühlingshimmel über der Ukraine. Im Donbass tobt der Krieg heftig. Im Süden, wo die Russen zuletzt einstecken mussten, nahm die Anzahl russischer Angriffe in der vergangenen Woche um 60 Prozent zu. Noch immer sterben täglich Zivilisten und Kinder im russischen Raketenhagel. Die Zeiten aber, in denen manch einer Kiew abschrieb, sind vorbei.

Kurz vor Anbruch der Hauptkampfsaison in Osteuropa gibt es gut begründete Hoffnung, dass Putin irgendwann einbrechen wird und die ukrainischen Bedingungen für einen vorläufigen Frieden akzeptieren muss.

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