Schimmel, Stress und Suizide auf der USS Abraham Lincoln
Trumps Schiffbruch in Nahost hat verheerende Folgen

Nach einer Rekordfahrt ist der gigantische Flugzeugträger USS Abraham Lincoln am Anschlag. Der Koloss mit über 5000 Soldaten muss dringend ersetzt werden. Die unerwartete Schwäche an der Nahost-Front zwingt Donald Trump zum Umdenken.
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Seit über 250 Tagen auf See: Die USS Abraham Lincoln hat dringend eine Überholung nötig.
Foto: AP

Darum gehts

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Guido FelderAusland-Redaktor

Die mächtigste Armee der Welt offenbart im Iran-Einsatz unerwartet neue Schwächen. Es ist nicht nur die ausgehende Munition, die der US-Navy zu schaffen macht. Auch der atomgetriebene Flugzeugträger USS Abraham Lincoln, von dem aus die Kampfjets zum Einsatz im Iran abheben, ist am Anschlag. Schimmel, Stress und Suizidversuche: Der Koloss muss eiligst abgezogen werden.

Wenn Trumps Super-Armee müde wird, freut das die gegnerischen Grossmächte. Daher bleibt für die USA nichts anderes übrig, als ihre Strategie zu überdenken.

Der 6,8 Milliarden Dollar teure Flugzeugträger USS Abraham Lincoln zeigt drastisch die Überlastung der amerikanischen Super-Armee:

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Auf der USS Abraham Lincoln haben rund 80 Jets Platz.
Foto: Imago
  • Dauereinsatz: Das Schiff stach im November 2025 in See. Statt nach den üblichen sechs Monaten wieder heimzukehren, wurde der Einsatz wegen der Eskalation im Nahen Osten auf inzwischen neun Monate verlängert. Über 250 Tage hat das Schiff keinen Hafen mehr angelaufen – Rekord für ein amerikanisches Kriegsschiff.

  • Kollaps der Infrastruktur: Es soll laut Berichten von Militärmedien nicht nur an frischen Lebensmitteln und Hygieneartikeln fehlen. Berichtet wird auch von Schimmel in den Duschen, defekten Sanitäranlagen, Wasserverschmutzung und fehlendem Warmwasser. Laut dem demokratischen Abgeordneten Mike Levin (47) wird den Soldaten teilweise nur gerade «eine halbe Tasse Reis und zwei Tortillas» serviert.

  • Suizidgefahr: Die zermürbenden Schichten ohne Landgang führen bei den über 5000 Soldaten zu psychischen Problemen. Mehrere Soldaten mussten zurückgehalten werden, damit sie nicht über Bord sprangen. Anfang August musste einer nach einem Suizidversuch sogar aus dem Wasser gerettet werden. Die Angehörigen sind besorgt.

Verteidigungsminister Pete Hegseth (46) bezeichnet die Schilderungen ohne weitere Erklärungen zwar als «völlig falsch dargestellt». Doch im Kongress regt sich Widerstand. Mehrere Demokraten fordern Aufklärung. Senator Richard Blumenthal (80) zeigt sich «ernsthaft besorgt». Um der Lincoln-Besatzung endlich Ruhe zu gönnen, wird jetzt eiligst die USS George Washington in den Nahen Osten kommandiert.

Die Krise an Bord der USS Abraham Lincoln zeigt einmal mehr, dass sich US-Präsident Donald Trump (80) im Iran-Krieg verkalkuliert hat. Auch beim Waffenarsenal blamiert sich die Supermacht Amerika: Ein Grossteil der teuren Hightechraketen, mit denen auch Billig-Drohnen neutralisiert wurden, ist verschossen. Um das Lager wieder aufzufüllen, dauert es Jahre.

Gegner wartet auf die Gelegenheit

Wenn die stärkste Armee der Welt plötzlich müde wird, motiviert das die Grossmächte, die bisher im Schatten der USA gestanden sind. So sagt Philipp Adorf, USA-Experte an der Universität Bonn, gegenüber Blick: «Russland kann den Engpass unmittelbar ausnutzen.» Wegen fehlender Unterstützung der Amerikaner wachse für Moskau der Anreiz, in der Ukraine Städte und kritische Infrastruktur noch intensiver anzugreifen. Schon seit Tagen nimmt die russische Armee die Ukraine unter Dauer-Fernbeschuss. Den Ukrainern gelingt es wegen der fehlenden US-Abwehrraketen kaum noch, die russischen Geschosse vom Himmel zu holen.

Mit der Abnutzung des US-Militärs fehlen den Amerikanern auch Kräfte, um China von einer möglichen Invasion in Taiwan abzuschrecken. Denn sobald das amerikanische Raketenarsenal genügend ausgedünnt und die Marine längerfristig geschwächt ist, sinkt für die chinesische Führung das Risiko für einen Angriff auf den vorgelagerten Inselstaat.

Einen Abbruch der Übung, also einen Rückzug aus dem Nahen Osten, kann sich Trump kaum leisten. Nicht nur, weil es eine Blamage und ein Eingeständnis einer Niederlage wäre. Sondern auch darum, weil er seine Partner Israel und die Golfstaaten, die ebenfalls in den Krieg hineingezogen worden sind, nicht allein lassen kann.

Jets starten auf dem massiven Flugzeugträger
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USS Abraham Lincoln:Jets starten auf dem massiven Flugzeugträger

Trump krebst zurück

Was dann? Die Schwächen an der Front zwingen das Weisse Haus im Krieg mit dem Iran zu einer neuen Strategie. Erst noch hatte Trump den «grössten Schlag seit dem Zweiten Weltkrieg» gegen den Iran angekündigt. Wohl wegen der fehlenden Schlagkraft schraubt er seine Kriegsrhetorik jetzt zurück. Er spricht nur noch drohend davon, den Gegner strategisch abschnüren und wirtschaftlich ausbluten zu lassen. Wie er das machen will, ist ungewiss.

Gewiss ist aber, dass Europa unter der kopflosen Militärführung leidet. Wolfgang Richter vom Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik sagt gegenüber Blick: «Die USA werden ihren strategischen Schwerpunkt auf den ostasiatisch-pazifischen Raum verlagern.» Was das bedeute, sei klar: «Die Europäer werden durch den Abzug von US-Truppen mehr Eigenverantwortung für die Verteidigung schultern müssen. Dieser Prozess wird in Europa von bisher nicht vorstellbaren Rüstungsausgaben untermauert», sagt Richter. 

Es fehlt an Strategie

Das Schwächeln der Amerikaner im Iran-Krieg hängt laut Wolfgang Richter vor allem mit ihrem «Mangel an strategischem Weitblick» zusammen. «Ein Regierungswechsel lässt sich nicht herbeibomben, dazu wäre ein grossangelegter Angriff zu Lande erforderlich», meint Richter. Statt auf Maximalzielen zu beharren, hätten die USA begrenzte, aber realistische Kriegsziele formulieren müssen.

Gewiss ist auch: Die US-Army bleibt weiterhin die stärkste Armee der Welt. Der amerikanische Einsatz im Iran offenbart jedoch die schmerzhafte Grenze zwischen reinem Zerstörungspotenzial und Ausdauer. Adorf: «Militärische Macht bemisst sich nicht nur daran, einen Krieg beginnen zu können. Sie bemisst sich auch daran, ihn durchhalten und zugleich weitere Gegner abschrecken zu können.»

Genau daran wachsen nun Zweifel.

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