Darum gehts
- Fünf Taucher starben in einer Höhle beim Vaavu-Atoll, Malediven
- Leichenbergung schwierig: Höhlentiefe 55 Meter, nur eine Leiche geborgen
- Höhle 260 Meter lang, sandiger Boden verschlechtert Sicht, extreme Gefahr
Es ist der Horror aller Taucherinnen und Taucher. Du bist unter Wasser, du verlierst die Orientierung, dir geht die Luft aus oder du siehst deine Gruppe nicht mehr. Im offenen Meer hat man dann wenigstens die Möglichkeit, aufzutauchen. In einer Höhle muss man erst mal aus dieser rauskommen. Genau das schafften fünf Taucherinnen und Taucher aus Italien nicht und starben. Zwei der Leichen hält das Meer noch immer in ihrem nassen Grab gefangen.
Lange war gar nicht klar, wo sich die besagte Höhle genau befindet und wie diese aufgebaut ist. Eine Analyse der Höhle zeigt jetzt, was die Bergung so schwierig macht und warum es wohl überhaupt zum Drama gekommen ist. Weiter zeichnet sich immer mehr ab, dass bei dem Unterfangen schwerwiegende Fehler begangen wurden.
Die Tiefe
Das besagte Riff auf den Malediven fällt von 3 bis auf etwa 200 Meter ab. Der Eingang der Höhle befindet sich auf einer Tiefe von 55 Metern – was extrem tief ist für normale Taucherinnen und Taucher. Beim normalen Tauchen gilt auf den Malediven eine maximale Tiefe von 30 Metern. Für tiefere Tauchgänge braucht es weitere Kurse und Ausbildungen. Insbesondere fürs Höhlentauchen sind professionelle Schulungen essenziell, wie Tauchlehrer Beat Müller (73) bereits vergangene Woche erklärte.
Der Aufbau
Grafiken der Höhle zeigen, wie diese aufgebaut ist. Sie besteht aus insgesamt drei Kammern und ist, nach aktuellem Wissensstand, rund 260 Meter lang. Ausserdem sieht es so aus, als hätte die Höhle zwei Ein- und Ausgänge. Zwischen den Kammern befinden sich sogenannte Engpässe. Wie breit diese sind, ist schwer zu sagen. Für im Höhlentauchen Ungeübte aber sicherlich sehr schmal. Die Leiche von Tauchlehrer Gianluca Benedetti (†43) konnte bereits letzte Woche geborgen werden. Er wurde beim Eingang der Höhle aufgefunden.
Die anderen Toten werden in der dritten Kammer vermutet. Die Bergung der Leichen gilt als extrem gefährlich. Am vergangenen Samstag kam ein erfahrener Militärtaucher bei einem ersten Bergungsversuch ums Leben. Am Dienstag konnten dann zwei weitere Tote geborgen werden. Um wen es sich handelt, ist noch nicht bekannt.
Die Beschaffenheit
Auf den erstellten Bildern der Höhle ist «sandiger Boden» vermerkt. Warum das ein wichtiger Faktor ist, erklärte Tauchexperte Müller ebenfalls. Sand, Schlamm und Dreck beeinträchtigen die Sicht. Und in einer Höhle, in der die Sicht sowieso schon schlecht ist, kann das fatal sein. «Wenn zum Beispiel aufgewirbelter Dreck oder Sand die Sicht trübt, schwimmen Ungeübte meist da hin, wo das Wasser noch klar ist, und das ist dann leider tiefer in die Höhle hinein», sagte er.
Weitere Faktoren
Bei Höhlentauchgängen müssen Führungsleinen gelegt werden, damit man wieder den richtigen Weg hinaus findet. Das nicht zu machen, wäre ein grober Fehler. Auch die Strömung und das Equipment können entscheidende Faktoren sein. «Wenn man mit der Strömung hineingeht, hat man dann vielleicht ein Problem auf dem Rückweg», sagte Müller auch schon im Gespräch mit Blick.
Für Tauchgänge in solchen Tiefen braucht es spezielle Ausrüstung und mehr als nur eine Standard-Tauchflasche. Berichten zufolge soll die Gruppe aber mit simplem Equipment getaucht sein. In einer solchen Tiefe herrscht ein extremer Druck. Diesem muss man die Atemluft anpassen – das heisst, das Gasgemisch in den Druckluftflaschen muss verändert werden. Ein klassisches Gasgemisch, das bei Tauchgängen in weniger tiefen Gewässern verwendet wird, enthält einen grösseren Stickstoff-Anteil. Unter hohem Druck wirkt Stickstoff wie ein Betäubungsmittel, was ab einer Tiefe von etwa 30 Metern zu Rauschzuständen, Koordinationsverlust und Panik führen kann.