Rede zum 250-Jahr-Jubiläum der USA
Darum beschwört Trump eine neue Gefahr in den USA herauf

Amerika ist 250 Jahre alt – und keinesfalls sicher vor einer der ältesten Gefahren, die das Land in seiner Geschichte immer wieder heimgesucht hat. Das machte Donald Trump bei seiner Jubiläumsansprache klar. Die wahre Gefahr für die USA aber verkennt er noch immer.
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Trump nutzt seine 38-minütige Rede, um die USA auf eine alte Gefahr einzuschwören, die dem Land erneut droht.
Foto: Imago

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Waren es die 107-, 104- und 101-jährigen Kriegsveteranen, die er auf der Bühne um sich scharte? Oder waren es die nach seiner Zählweise doch 150'000 Amerikaner, die ihm bei seiner Rede kurz vor Mitternacht (Ortszeit) in Washington, D. C. zujubelten? Wie dem auch sei: Der 80-jährige Donald Trump wirkte bei seiner Ansprache zum 250. Geburtstag der USA so fit und jugendlich wie lange nicht mehr.

In 38 Minuten packte er Dutzende Anekdoten aus der kriegerischen Vergangenheit des Landes, viel Lob und Preis an die militärischen Helden – und eine explizite Warnung an seine Mitbürger. Eine alte Gefahr mache sich breit im Land, warnte der US-Präsident. Eine Gefahr, die Amerika schon einmal nach dem Leben getrachtet habe. Und die man jetzt umso energischer bekämpfen müsse.

Die Gefahr, die dem Geburtstagskind nach seiner Freiheit trachtet: der Kommunismus. «Wir wollen keine Kommunisten in unserem Land!», rief Trump in der Nacht auf Sonntag der Menge zu. Bereits vergangene Woche warnte er in einer Ansprache vor christlichen Konservativen davor, dass «Kommunisten die Demokratische Partei übernehmen» und «unseren Lebensstil zerstören wollen».

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Donald Trump wirkte bei seinem Auftritt an Amerikas 250. Geburtstag frisch und fit.
Foto: keystone-sda.ch

Belege für den Vormarsch der radikalen Ideologie sieht Trump etwa in der Wahl des selbst ernannten Sozialisten Zohran Mamdani (34) zum Bürgermeister von New York City oder im steigenden Einfluss der linken Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez (36), die sich den Einstieg ins Rennen ums Weisse Haus 2028 überlegt. Kandidaten des sozialistischen Flügels der Demokraten gewinnen derzeit auffällig viele Vorwahlen und prägen die Debatten innerhalb der Partei. 

Putin und Pistolen

Neben den auf die Bühne geladenen Ü-100-Veteranen aus Amerikas grossen Kriegen des vergangenen Jahrhunderts sagte Trump: «Wir haben den Kommunismus nicht in all diesen Schlachten bekämpft, damit er hier in Amerika wieder seinen wüsten Kopf recken kann.»

Mehrfach unterstrich er seinen jahrelangen Kampf für das Recht jedes Amerikaners, eine Waffe zu tragen. Zuweilen wirkte die Kombination aus Kommunismus-Verteuflung und Aufruf zum stolzen Tragen des eigenen Schusseisens wie eine Anstachelung zur Gewalt gegen die kommunistische Bedrohung, die sich laut Trump «wie ein Krebs» im amerikanischen Volkskörper festsetze.

Die Angstmacherei vor der linksextremen Unterwanderung der USA ist keinesfalls neu. Die «Red Scare», die «rote Angst», schwappte bereits im vergangenen Jahrhundert in zwei grossen Wellen über das Land hinweg: nach der Oktoberrevolution in Russland 1917 und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Kalte Krieg mit der Sowjetunion begann.

Die USA fürchteten sich durchaus zurecht vor sowjetischer Spionage. Dass man sogenannt «un-American activities», also sämtliche verdächtigen Tätigkeiten, von Amtes wegen verfolgte und Künstlerinnen, Musiker und sogar Lehrpersonen wegen des geringsten Verdachts auf kommunistische Tendenzen überwachte: im Nachhinein betrachtet eine Überreaktion.

Nichtsdestotrotz will Trump jetzt eine neue Welle der «roten Angst» durch das mächtigste Land der Welt schicken. Pünktlich zum Auftakt des Zwischenwahl-Wahlkampfs vor den Midterms im November, wie die Plattform Axios konstatiert. 

Ganz nüchtern betrachtet wäre etwas mehr amerikanische Vorsicht vor der einstmaligen Heimat des Kommunismus aber angebracht. Drüben in Moskau heckt man bereits Pläne aus, wie man die anstehenden Midterms beeinflussen und den Westen weiter schwächen könnte, warnen etwa die Experten der US-Denkfabrik Brennan Center

Was den USA wirklich droht

Wladimir Putin (73), der sein Land nicht ideologisch, aber methodisch durchaus im Stil der kommunistischen Schwerverbrecher Lenin und Stalin regiert, hat mit seinen Troll-Armeen und Desinformationskampagnen bereits in den vergangenen US-Wahlperioden kräftig mitgemischt. Das haben die amerikanischen Geheimdienste belegt.

Trump aber meint nicht Putin und dessen Schergen, wenn er vor der «kommunistischen Gefahr» warnt. Ganz im Gegenteil. Fast 90 Minuten lang liess er sich an Amerikas 250. Geburtstag am Telefon vom Moskauer Kriegsherrn am Telefon einseifen. Putin habe dem US-Präsidenten erzählt, wie es «wirklich laufe» an der Front, teilte der Kreml mit.

Und: Trump habe über die «enormen wirtschaftlichen Möglichkeiten» einer russisch-amerikanischen Zusammenarbeit gesprochen. Amerika muss sich auch nach seinem 250. Geburtstag in Acht nehmen. Wahrlich weniger vor der «roten Gefahr», die Trump propagiert, sondern mehr vor dem roten Teppich, den er dem geschicktesten Unterwanderer unserer Zeit – Putin – freihändig ausbreitet.

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