Darum gehts
- Experte warnt vor Energiekrise wegen Blockade der Strasse von Hormus
- Öl- und Gasexporte halbiert, Inflation und Instabilität drohen weltweit
- IEA: März schwierig, April könnte doppelt so hohe Verluste bringen
Die Welt steuert auf einen «schwarzen April» zu – zumindest wenn es nach Energieexperte Fatih Birol (68) geht. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) schlägt im Interview mit der französischen Zeitung «Le Figaro» Alarm: Der Krieg im Golf habe eine der wichtigsten Lebensadern der Weltwirtschaft blockiert – die Strasse von Hormus. Und Birol scheint es ernst zu meinen: Bereits im März sprach er in der «FAZ» von einer historischen Energiesicherheitskrise und nannte sie die «grösste Bedrohung in Geschichte der Menschheit».
Über diese Meerenge läuft normalerweise ein grosser Teil des globalen Öl- und Gasexports. Doch seit Wochen ist der Verkehr massiv eingeschränkt. Die Folgen sind laut Birol dramatisch. Bereits der März sei «sehr schwierig» gewesen – doch der April könne deutlich schlimmer werden. Bleibt die Meerenge weiter geschlossen, könnte die Welt laut IEA doppelt so viel Öl und raffinierte Produkte verlieren wie im Vormonat.
Inflation, Schulden und wirtschaftliche Instabilität
Birol spricht von einem historischen Schock: Noch nie habe es eine derart massive Störung der Energieversorgung gegeben – schlimmer als die Ölkrisen von 1973, 1979 und die Energiekrise von 2022 zusammen. Besonders gefährlich sei, dass gleich mehrere Märkte gleichzeitig betroffen seien: Öl, Gas und sogar Lebensmittel. Denn steigende Energiepreise treiben auch die Dünger-, Transport- und Lebensmittelkosten in die Höhe.
Die Folgen drohen weltweit spürbar zu werden. Europa, Japan und Australien müssten mit hohen Preisen rechnen, so Birol. Noch härter treffe es jedoch Entwicklungs- und Schwellenländer, warnt der Energiechef. Für sie könnten explodierende Energie- und Lebensmittelpreise Inflation, Schulden und wirtschaftliche Instabilität auslösen.
Birol warnt vor langfristigen Folgen
Zwar haben westliche Staaten bereits begonnen, strategische Ölreserven freizugeben, um den Markt zu stabilisieren. Doch für Birol ist klar: Das lindert nur die Symptome. Die eigentliche Lösung liege einzig darin, die Strasse von Hormus wieder zu öffnen.
Gleichzeitig sieht der IEA-Chef auch eine langfristige Folge der Krise: Wie schon nach den Ölkrisen der 1970er-Jahre könnte der Schock eine neue Energiewende beschleunigen – mit mehr erneuerbaren Energien, längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke und einem schnelleren Umstieg auf Elektroautos. Doch bis diese Veränderungen greifen, droht der Welt zunächst ein energiepolitisch eisiger Frühling.