Darum gehts
- Osterreiseverkehr: Vor dem Gotthard-Tunnel 11 Kilometer Stau, 2 Stunden Wartezeit
- Spritpreise in der Schweiz stark gestiegen, Diesel kostet durchschnittlich 2.16 Franken
- Italien bietet günstigstes Bleifrei 95 für 1.69 Franken, 15 Rappen weniger als Schweiz
Schweizerinnen und Schweizer ziehts über Ostern in den Süden, endlich wieder mal ans Meer! Oder nach Deutschland und Österreich, zum Kurzbesuch bei der Verwandtschaft. Ein Vorgeschmack auf die österliche Reise-Euphorie war das vergangene Wochenende. Auf einer Länge von bis zu 11 Kilometern staute sich der Verkehr in Richtung Süden vor dem Gotthard-Tunnel. Die Wartezeit: zwei Stunden.
Das nervt nicht nur die Reisenden. Sondern schlägt sich auch im Spritverbrauch von Autos, Töffs oder Campern nieder. Und geht bei den Preisen, die wegen des Iran-Kriegs so hoch sind wie seit Jahren nicht mehr, so richtig ins Geld.
Bloss: Wie kommt man am günstigsten an sein Reiseziel? Soll man seinen Tank in der Schweiz noch einmal auffüllen? Oder doch besser mit dem letzten Tropfen über die Grenze fahren, weils dort günstiger ist? Blick hat sich beim TCS erkundigt und liefert die Übersicht.
Schweiz
In der Schweiz haben die Preise seit Kriegsausbruch zünftig angezogen. Eine aktuelle Auswertung des Benzinradars des TCS zeigt, dass Bleifrei 95 seit Anfang März um 11 Prozent teurer geworden ist. Aktuell kostet der Liter an Schweizer Tankstellen im Schnitt 1.84 Franken. Noch eindrücklicher ist der Anstieg beim Diesel, er hat sich um 22 Prozent verteuert. Der Liter Diesel sprudelt im Schnitt für 2.16 Franken durch den Zapfhahn.
Deutschland
Seit Tagen prägen die Spritpreise die Schlagzeilen der deutschen Medien. Neu dürfen Tankstellen die Preise an den Zapfsäulen nur noch einmal täglich anpassen. So will die Politik Auswüchse bei der Preisgestaltung verhindern. Zudem fahren viele Deutsche vermehrt über die Grenze, um zu tanken. In die Schweiz, aber vor allem nach Polen, wo der Most deutlich günstiger ist. Polen überlegt sich deshalb, für Deutsche einen höheren Literpreis zu verrechnen, wie verschiedene Medien berichtet haben.
Der Liter Bleifrei kostet in Deutschland im Schnitt 1.98 Franken, also 14 Rappen mehr als in der Schweiz. Den Liter Diesel gibts für 2.11 Franken – 5 Rappen günstiger als bei uns.
Frankreich
Auch in Frankreich ist die Aufregung um die gestiegenen Spritpreise um einiges grösser als in der Schweiz. So waren Anfang Woche alleine 800 Tankstellen von Total Energies ausverkauft. Der Grund: Viele Französinnen und Franzosen haben aus Angst vor noch grösseren Preiserhöhungen vollgetankt. Die Spritkonzerne sind nicht mehr nachgekommen mit ihren Lieferungen.
Der Liter Bleifrei 95 kostet in Frankreich durchschnittlich 1.86 Franken, leicht teurer als in der Schweiz. Der Liter Diesel 2.05 Franken, also 11 Rappen weniger als bei uns.
Österreich
Österreich versucht den Spritpreis mit Steuersenkungen zu drücken. Wien hat eine befristete Senkung der Mineralölsteuer um 5 Cent je Liter angekündigt – und will zugleich überhöhte Margen der Tankstellenbetreiber begrenzen. Am Dienstag beriet das Parlament bis in die Nacht hinein über den Vorschlag. Dann die Einigung: Die Preise sinken sogar um 10 Cent pro Liter. Die sogenannte Spritpreisbremse gilt ab morgen Donnerstag.
Der Liter Bleifrei 95 kostet in Österreich im Schnitt 1.72 Franken, das sind immerhin 12 Rappen weniger als in der Schweiz. Der Liter Diesel kostet 2.04 Franken, ist also 12 Rappen billiger als bei uns.
Italien
In Italien hat die Regierung von Giorgia Meloni (49) Anfang Woche unerwartet die Preise für Diesel und Benzin um 25 Cent pro Liter gesenkt – per Notdekret. Transportunternehmen bekommen zudem Steuergutschriften. Offizieller Grund für die Massnahme ist der Iran-Krieg. Politkenner gehen aber davon aus, dass Meloni die Preise aus taktischen Gründen gesenkt hat – um eine bevorstehende Abstimmung über eine Justizreform durchzubringen.
Der Liter Bleifrei 95 kostet in Italien durchschnittlich 1.69 Franken, also stolze 15 Rappen weniger als in der Schweiz. Den Liter Diesel gibts für 1.98 Franken, das sind ganze 18 Rappen weniger als bei uns.
Fazit
Dieselfahrer tanken besser im Ausland voll. Er ist in allen Nachbarländern günstiger als in der Schweiz. Wer Bleifrei 95 braucht, der fährt bei uns besser als in Deutschland und Frankreich – im Gegensatz zu letztem Jahr, als auch dort das Benzin noch deutlich billiger war. In Italien oder Österreich ist der Benzinpreis an den Tankstellen aber weiterhin tiefer. Generell gilt: Die Preise vor Ort im Auge behalten – und vergleichen. Doch Achtung! Der Umweg zu einer günstigeren Tankstelle lohnt sich nicht immer.
TCS-Sprecher Marco Wölfli schwört auf die sogenannte 5er-Regel. Die lautet so: «Damit sich der Weg zu einer billigeren Tankstelle lohnt, sollte der Umweg höchstens 5 Kilometer betragen und der Benzinpreis mindestens 5 Rappen tiefer liegen», sagt er zu Blick. Und fügt an: «Zudem empfiehlt es sich, rund 50 Liter zu tanken.» Der zusätzliche Weg zahlt sich also erst aus, wenn der Tank schon fast leer ist.