Darum gehts
- Neue Epstein-Dokumente werfen Fragen zu seinem Tod im August 2019 auf
- Rechtsmediziner Baden glaubt trotz Suizid-Befund an Mord wegen Halsfrakturen
- Epsteins Bruder bleibt skeptisch, Todesursache wurde erst nach 5 Tagen festgelegt
Der Tod von Jeffrey Epstein (1953–2019) gibt weiterhin Rätsel auf. Dokumente, die im Rahmen des «Epstein Files Transparency Act» veröffentlicht wurden, könnten jetzt noch einmal ein neues Licht auf die Umstände seines Ablebens im August 2019 werden.
Epstein wurde am Morgen des 10. August 2019 tot in seiner Zelle im Metropolitan Correctional Center in Manhattan gefunden. Damals wartete er auf seinen Prozess wegen schwerer Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und Menschenhandels. Die offizielle Todesursache lautete «Suizid durch Erhängen». Doch diese Version wird seit jeher von vielen angezweifelt.
Rechtsmediziner glaubt nicht an Suizid
Michael Baden (91), ein renommierter Rechtsmediziner, der von Epsteins Bruder Mark (71) beauftragt wurde, war bei der Autopsie anwesend und hält bis heute an seiner Überzeugung fest, dass Epstein ermordet wurde. «Noch nie habe ich in meinen 25 Jahren als Gerichtsmediziner in New York City drei Halsfrakturen bei einem Suizid durch Erhängen gesehen», sagte Baden in einem Interview mit« Business Insider».
Gerichtsmedizinerin Kristin Roman, die die Autopsie leitete, äussert sich hingegen zurückhaltender. In den neu veröffentlichten Vernehmungsprotokollen erklärt sie, dass ihre anfängliche Einstufung von Epsteins Todesursache als «laufende Untersuchungen» lediglich Ausdruck ihrer Sorgfaltspflicht gewesen sei. «Wäre er eine weniger prominente Person gewesen, die niemand umbringen wollte, hätte ich es wahrscheinlich am Tag der Autopsie als Erhängen eingestuft», sagt sie. Später stimmte sie jedoch der offiziellen Version des New Yorker Büros des Gerichtsmediziners zu, dass Epstein Suizid begangen habe.
«Hätte ungleichmässige Frakturen verursacht»
So oder so: Die neuen Dokumente werfen Fragen auf. Rechtsmediziner Baden verweist auf drei Frakturen an Epsteins Hals, die er eher mit Strangulation als mit Erhängen in Verbindung bringt. Roman widerspricht: Sie erklärt, dass die Frakturen des Zungenbeins und des Schildknorpels mit einem Erhängen vereinbar seien – da sie an Stellen aufgetreten seien, wo das Zungenbein gegen die Wirbelsäule gedrückt worden sei. «Manuelle Strangulation hätte ungleichmässige Frakturen verursacht», so Roman weiter.
Ein anderer Streitpunkt: die Schlinge, mit der Epstein sich angeblich erhängt haben soll. Laut Roman wurde eine Schlinge aus einem Bettlaken neben seiner Leiche gefunden. Baden wiederum behauptet, während der Autopsie keine Schlinge gesehen zu haben. Spätere Fotos der Schlinge und anderer Stoffstreifen in der Zelle hätten ihn genauso wenig überzeugt. Baden argumentiert, dass die Strangulationsspuren an Epsteins Hals nicht zu den Schlingen passen.
Mark Epstein, der Bruder des Verstorbenen, bleibt ebenso skeptisch. Nach der Veröffentlichung der Vernehmungsprotokolle erklärte er gegenüber «Business Insider»: «Entweder lügen sie, sie sind inkompetent oder sie irren sich.» Auch Ghislaine Maxwell (64), Epsteins ehemalige Vertraute, sowie mehrere seiner Opfer glauben nicht an die Suizid-Theorie.
Roman war nicht in der Zelle
Die Umstände von Epsteins Tod haben seit 2019 zahlreiche Verschwörungstheorien befeuert. Die Tatsache, dass in der Sterbeurkunde zunächst weder «Mord» noch «Selbstmord» angegeben wurde, haben zusätzlich zur Spekulation beigetragen. Erst fünf Tage nach der Autopsie erklärte die leitende Gerichtsmedizinerin Barbara Sampson damals, Epstein sei durch Suizid gestorben. Sie selbst war jedoch nicht bei der Autopsie anwesend.
Pikant: Kristin Roman hat ihre Einschätzung trotz beschränkter Möglichkeiten getroffen. Sie durfte die Zelle nicht persönlich besichtigen, sondern musste sich mit Fotos der Szene begnügen. Auch Gespräche mit den Justizvollzugsbeamten wurden ihr untersagt. Diese Einschränkungen hätten ihre Feststellungen jedoch nicht beeinflusst, so Roman. «Es wäre eher der Vollständigkeit halber gewesen als ein entscheidender Faktor für die Feststellung», sagte sie 2022.