Darum gehts
- Studie: Schlafstörungen könnten Jahre vor Alzheimer-Diagnose erste Warnsignale sein
- Schlafstörungen tragen aktiv zum Ausbruch und Fortschreiten von Hirnerkrankungen bei
- In der Schweiz leiden laut BAG etwa 161'100 Menschen an Demenz
Wer nicht gut schläft, tut dies oft als Folge von Stress ab. Doch Schlafstörungen sollten nicht unterschätzt werden. Chronischer Schlafmangel oder Störungen beim Tiefschlaf verringern nicht nur Konzentration und Leistung im Alltag, sondern können auch gesundheitliche Probleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern.
Eine Studie der University of Kentucky zeigt nun: Mangelnder Tiefschlaf kann sogar ein Warnsignal für eine Alzheimer-Erkrankung sein – und das bereits einige Jahre vor der Diagnose.
Schlafstörungen treten Jahrzehnte vorher auf
Veröffentlicht wurde die Studie in der Fachzeitschrift «Nature». Darin erklären die Forschenden, dass Stoffwechsel- und Schlafstörungen zu den frühesten körperlichen Veränderungen bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer zählen. Die Alzheimer-Erkrankung wiederum sei die häufigste Ursache für Demenz.
«Schlafunterbrechungen, reduzierter Tiefschlaf und veränderte Schlafzyklen werden bereits Jahrzehnte vor dem kognitiven Verfall beobachtet», schreiben die Studienautoren. Diese Erkenntnisse zeigten nun: Schlafstörungen seien nicht nur Folgeerscheinungen, sondern könnten aktiv zum Ausbruch und Fortschreiten der von Hirnkrankheiten beitragen.
Neue Hoffnung für Behandlungen
Bereits eine Studie der Universität Toronto stelle 2024 fest: Im Schlafverhalten können Warnzeichen für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson erkannt werden. Wird die REM-Schlaf-Phase, also die Zeit, in der wir träumen, gestört, trete ein 80 bis 100 Prozent höheres Risiko auf, später an einer Hirnstörung zu erkranken. Signale dafür könnten etwa ständiges Herumtreten oder Um-sich-Schlagen in dieser Schlafphase sein.
Die Forschenden der University of Kentucky schreiben in ihrem Fazit, dass ein gezieltes Beeinflussen des Schlaf- und Kreislaufverhaltens «vielversprechend sein könnte, um die Hirnfunktion zu erhalten und das Fortschreiten von Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit zu verzögern».
Aktuell sind in der Schweiz gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) etwa 161'100 Menschen an Demenz erkrankt. Alzheimer Schweiz rät dazu, auf Warnsignale zu achten. Beobachtet man solche Symptome an sich selbst oder anderen, sollte man einen Arzt zur Abklärung aufsuchen und sich falls nötig über Therapiemöglichkeiten beraten lassen.
Gedächtnisprobleme
Eine Demenz kündigt sich schleichend an. Die ersten Warnsignale zeigen sich besonders bei der Gedächtnisleistung. Das kann sich darin äussern, dass wichtige Termine oder Namen vergessen werden. Zunehmend hat man bei einer beginnenden Demenz Schwierigkeiten, sich an kürzlich geschehene Ereignisse zu erinnern oder einem Gesprächsverlauf zu folgen.
Schwierigkeiten beim Planen und Alltagstätigkeiten
Auch die Konzentrationsfähigkeit über längere Zeiträume nimmt ab. Vorausschauendes Planen wird schwierig und auch gewohnte Dinge wie das Kochen nach bekannten Rezepten, Rechenleistungen oder das Ankleiden fallen zunehmend schwer. Zudem werden Alltagsgegenstände oft an ungewöhnliche Orte verlegt oder ihre Funktion wird vergessen.
Orientierungsprobleme
Ob Orte oder Zeitabstände – es fällt bei beginnender Demenz zunehmend schwer, sich an diese korrekt zu erinnern und diese zuzuordnen. Dabei können Wochentage oder die Jahreszeit entfallen, während selbst das eigene Zuhause nicht mehr verortet werden kann.
Wahrnehmungsstörungen
Auch die Wahrnehmungsfähigkeit wird eingeschränkt. Räumliches Sehen, korrektes Zuordnen von Bekanntem oder das Erkennen von Farben und Kontrasten wird immer schwieriger.
Schwierigkeiten mit der Sprache
Im Gespräch finden Betroffene zunehmend immer weniger die richtigen Worte oder verwenden unpassende Füllwörter. Die Kommunikation wird unzusammenhängend oder unverständlich.
Veränderungen in Verhalten und Persönlichkeit
Ohne erkennbaren Grund verändert sich die Stimmung ins Extreme – Gefühle wie Misstrauen, Unbehagen oder Hilflosigkeit nehmen deutlich und plötzlich zu. Auch das Urteilsvermögen verändert sich auffällig. Zusätzlich ziehen sich Betroffene selbst zurück, da sie durch ihre eigenen Veränderungen verunsichert sind.