Darum gehts
- Das «einsamste Haus der Welt» steht auf Elliðaey, Island
- Gebaut wurde es vom Jagdverein: Ohne Strom, dafür mit Sauna aus Regenwasser
- Elliðaey misst knapp 0,5 Quadratkilometer, nächster Ort Heimaey ist 12 Kilometer entfernt
Das kleine weisse Haus auf einem grünen Hang mitten im Atlantik ist eines der bekanntesten Fotomotive Islands. Es gibt keine Strassen, keine Nachbarhäuser und keine Spuren moderner Zivilisation in der Umgebung. Nur steile Klippen, das Meer und den endlosen Himmel. Aufgrund seiner Abgeschiedenheit wird es seit Jahren als «das einsamste Haus der Welt» bezeichnet, und sein Schicksal ist Gegenstand zahlreicher Mythen geworden.
Viele halten es für einen privaten Rückzugsort eines Milliardärs, der sich auf das Ende der Welt vorbereitet. Andere behaupten, das Haus sei der isländischen Sängerin Björk geschenkt worden. Die Wahrheit ist jedoch weitaus einfacher.
Auf einsamer Insel
Das Haus befindet sich auf der kleinen Insel Elliðaey, einer der Inseln des Westmänner-Archipels vor der Südküste Islands. Es handelt sich um ein Vulkangebiet, das aus etwa 15 durch vulkanische Aktivität entstandenen Inseln besteht. Elliðaey ist die drittgrösste Insel des Archipels, ihre Fläche beträgt jedoch nur knapp einen halben Quadratkilometer. Die nächstgelegene Ortschaft, die Stadt Heimaey, ist in Luftlinie etwa 12 Kilometer entfernt.
Es gibt auf der Insel keinen richtigen Hafen. Die Küste ist von steilen Klippen umgeben, und starke Meeresströmungen sowie wechselhaftes Wetter erschweren den Zugang zusätzlich. Heute lebt niemand dauerhaft auf der Insel.
Björk-Verwechslung
Eine der am weitesten verbreiteten Geschichten besagt, dass die isländische Regierung Björk die Insel als Anerkennung für ihre Verdienste um das Land geschenkt habe. Diese Geschichte basiert auf einem tatsächlichen Ereignis.
Im Jahr 2000 erklärte der damalige isländische Ministerpräsident David Oddsson, er werde der Sängerin möglicherweise erlauben, sich auf einer Insel niederzulassen, da sie international zur Förderung Islands beigetragen habe.
Das Problem ist jedoch, dass er von einer anderen Insel mit demselben Namen sprach – Elliðaey in der Breidafjordur-Bucht im Westen Islands. Diese Insel hat nichts mit dem kleinen Haus zu tun, das auf den vielen Fotos im Internet zu sehen ist.
Menschen lebten auf Elliðaey
Eine weitere beliebte Theorie besagt, das Haus sei von einer wohlhabenden Person erbaut worden, die sich vor der Zivilisation verstecken oder auf eine Katastrophe vorbereiten wollte. Doch auch diese Geschichte basiert auf keinerlei Quellen. Tatsächlich lebten über Jahrhunderte hinweg Menschen auf Elliðaey.
Es gab weder Geschäfte noch Ärzte, und es gab auch keine einfache Möglichkeit, die Insel zu verlassen. Die Bewohner mussten selbst für alles sorgen, was sie zum Überleben brauchten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Einwohnerzahl zu sinken, und in den 1930er-Jahren verliessen die letzten fünf Einwohner die Insel und zogen aufs Festland. Elliðaey blieb somit ohne ständige Bevölkerung.
Umständliche Anfahrt
Das heutige Haus wurde 1953 erbaut. Es wurde vom örtlichen Jagdverein errichtet. Es ist weder an das Stromnetz noch an die Wasserversorgung oder die Kanalisation angeschlossen. Die Toilette befindet sich ausserhalb des Hauses. Nach Berichten von Besuchern ist die Innenausstattung jedoch überraschend gemütlich – mit Holzmöbeln, einem Esstisch und einer Sitzecke am Ofen.
Für einen Besuch im Jagdhaus ist eine Genehmigung erforderlich. Touristen können an nur einer Stelle auf der Insel anlegen, und der Aufstieg zum Haus führt über einen steilen Pfad, der an einigen Stellen zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen erfordert.
Dieser Artikel ist zuerst auf blic.rs erschienen. Die serbische Newsplattform gehört wie Blick zu Ringier.