Darum gehts
Donald Trump (79) hält viele Karten in der Hand, sein Gegenspieler – ein Mullah-General – nur noch eine. «Uno, du verlierst», ruft der Iraner. Trump schaut verdutzt von seiner vollen Hand auf: «Du hast nur eine Karte, ich habe alle!», entgegnet der US-Präsident.
Das jüngste KI-Video aus der digitalen Bastelstube der iranischen Propaganda-Abteilung bringt die Situation im Nahen Osten präzise auf den Punkt: Trump hält tatsächlich viele Karten in der Hand. Nur versteht er das Spiel nicht, auf das er sich vor genau drei Monaten eingelassen hat. Seine Gegenspieler setzen inmitten des tödlichen Stillstands auf eine neue Taktik, um die USA zu demütigen – und sie bringen ein neues Gesetz auf den Tisch, das Trump höchstpersönlich gefährlich werden könnte.
Diese Woche liessen die iranischen Unterhändler um Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf (64) kurzerhand verlauten, Verhandlungen gebe es nur noch gegen Cash. Eingefrorene Vermögen in der Höhe von zwölf Milliarden Dollar sollen die USA jetzt freigeben, über die nächsten 60 Tage dann noch einmal zwölf Milliarden. Sonst werde man sich mit niemandem an einen Tisch setzen.
Eine solche Forderung stellt nur, wer sich seiner Sache überaus sicher ist. Es zeigt: Nach drei Monaten Krieg ist der Iran nicht nur militärisch nach wie vor stark (laut US-Quellen besitzen die Mullahs noch immer rund 70 Prozent ihrer Raketen), sondern verhandlungstechnisch so abgebrüht wie eh und je.
Diese drei Gründe machen Frieden fast unmöglich
Einen Teil des Geldes wollen die Mullahs für das Kopfgeld von 50 Millionen Euro zur Seite legen, das Teheran laut einem eben aufgelegten Gesetz auf Trump und seinen israelischen Amtskollegen Benjamin Netanyahu (76) aussetzen will. Während Trump sich zu Hause um Kopf und Kragen redet und in seiner Rage auch mal Verbündete wie das Sultanat Oman vor die Hunde wirft («wenn sie nicht spuren, jagen wir sie halt in die Luft»), demontiert das Mullah-Regime den Commander-in-Chief in Übersee täglich aufs Neue mit zunehmenden provokanten Nadelstichen.
Die Verlängerung des Waffenstillstands, der diese Woche von allen Kriegsparteien mehrfach gebrochen worden ist, schien noch vor wenigen Tagen ein realistisches Szenario. Inzwischen aber scheint auch diese Chance geplatzt. Der Iran verbaut die Aussicht auf eine lange Kampfpause mit seinen Cash-Forderungen. Trump scheint zu sehr mit seinem Ballsaal und der Neugestaltung des Reflexionspools in Washington beschäftigt, um sich ernsthaft um das Iran-Schlamassel zu kümmern.
So viel Zuversicht Exponenten wie US-Aussenminister Marco Rubio (55) auch versprühen: Für den neutralen Beobachter bleibt weiter unklar, wie der Krieg im Nahen Osten in vernünftiger Frist zu einem Ende kommen könnte. Allein diese drei Probleme machen eine rasche Lösung unmöglich:
- Unklare Gesprächskanäle: Drei Monate nach der Tötung von Ayatollah Ali Chamenei (†86) bleibt unklar, wer im Iran wirklich das Sagen hat. Ayatollah Modschtaba Chamenei (57) hatte seit seiner Ernennung keinen einzigen öffentlichen Auftritt. Ob er überhaupt zu Entscheiden in der Lage ist oder ob letztlich doch die Revolutionsgardisten die Zügel in der Hand halten: Wer weiss?
- Nukleare No-Gos: Bezüglich der 440 Kilogramm angereicherten Urans sind sich die Kriegsparteien keinen Schritt nähergekommen. Zudem dürften sich iranische Strategen ernsthaft überlegen, ob man den einst von Ayatollah Ali Chamenei festgelegten Grundsatz, nie eine Atombombe bauen zu wollen, hinterfragen sollte. Das Beispiel der Ukraine zeigt, wie teuer einen der Nichtbesitz (beziehungsweise die Aufgabe) von Atomwaffen zu stehen kommen kann.
- Vertrauensverlust: Dieselben Strategen in Teheran dürften äusserst vorsichtig sein damit, den US-Amerikanern auch nur ein Minimum an Vertrauen entgegenzubringen. Die beiden Länder steckten mitten in Verhandlungen, als die USA Ende Februar aus heiterem Himmel attackierten. Trumps Zickzack-Kommunikation und seine rhetorischen Ausraster («Heute werden wir eine ganze Zivilisation auslöschen») geben wenig Anlass, die US-Führung beim Wort zu nehmen.
Lesetipp für Trump
Es scheint zusehends so, als würde der Iran die unrühmliche Liste der amerikanischen «Forever Wars» ergänzen: Vietnam, Somalia, Afghanistan … Iran. Die USA griffen an, doch der Griff nach dem Sieg klappte nicht. Anders als in Saigon, Mogadischu oder Kabul aber können sich die USA am Persischen Golf nicht einfach unverrichteter Dinge aus dem Staub machen und darauf hoffen, dass das dicke Gras der Geschichte rasch über die erniedrigenden Kapitel wachsen würde. Denn: Solange die Mullahs die Strasse von Hormus kontrollieren, bleibt die Weltwirtschaft in iranischer Geiselhaft.
Für Trump wird die Lage zusehends ungemütlich. Die US-Zwischenwahlen rücken näher, der Ölpreis fällt nicht, dafür aber die Chancen der Republikaner, die Midterms ohne groben Rückschlag zu überstehen. Es ist zum Verzweifeln. Und genau das schwächt Trumps Position zusätzlich. «Das Schlimmste, was du bei einem Deal machen kannst, ist, verzweifelt zu wirken», steht in seinem Bestseller «The Art of the Deal» auf Seite 63.
Trumps aussichtslose Lage hat diese Woche sogar den konservativen Kommentator der «Financial Times» zum Ratschlag verleitet: «Vielleicht sollte Donald Trump sein Buch mal lesen.»