Darum gehts
- Frankreichs Unruhen: 2000 Läden verwüstet, 1800 verhaftet
- Paul Amar sieht jüdische Ziele in Marseille; Belege gibt es nicht
- In Paris wurde eine Synagoge durchsucht, der Bezug ist unklar
Frankreich erlebt ein Wochenende der Gewalt. Von Lille bis Marseille gehen rund 500'000 Menschen auf die Strasse, manche Quellen sprechen von fast 800'000. Auslöser sind ein Schüleraufstand und die steigenden Lebenshaltungskosten.
Rund 2000 Geschäfte werden verwüstet oder geplündert, öffentliche Gebäude brennen. Hunderte Menschen werden verletzt, darunter 150 Polizisten. Mindestens 1800 Randalierer werden festgenommen.
«Sie hatten die Adressen»
Journalist und Moderator Paul Amar (76) äussert sich auf dem Sender CNews zu den Ausschreitungen. Die Täter hätten sich vorbereitet, sagt er: «Sie hatten die Adressen der Präfekturen. Sie hatten die Adressen etlicher jüdischer Geschäftsleute.» Zu Marseille erhebt er einen konkreten Vorwurf: «In einer Strasse von Marseille wurden sämtliche Geschäfte in jüdischem Besitz angezündet. Die von Muslimen geführten Geschäfte wurden nicht angezündet.»
Bestätigt ist das nicht. Der SPCJ, die französische Organisation für die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaft, teilt mit, dass unter den zahllosen zerstörten Geschäften auch solche jüdischer Eigentümer sind. Einen Beleg für eine gezielte antisemitische Auswahl sieht sie derzeit nicht. Bruno Benjamin, Präsident des CRIF-Regionalverbands Marseille-Provence, sagt, es habe in der Stadt am Samstag keine Angriffe auf Synagogen oder jüdische Personen gegeben. Er fordert den Ausnahmezustand und den Einsatz der Armee.
Angriff auf Synagoge in Paris
Anders sieht es in Paris aus. Dort dringen in der Nacht auf Sonntag Unbekannte in die Synagoge Ohalei Yaakov im 19. Arrondissement ein. Gebetbücher und Tefillin liegen auf dem Boden, auch das Büro des Rabbiners wird durchsucht. Die Torarollen bleiben unbeschädigt, vermisst wird nichts. Ein Mitglied des Gemeindevorstands spricht von einem versuchten Diebstahl. Die Gemeinde prüft, ob es einen Zusammenhang mit den Unruhen gibt.