Es waren krasse Bilder: In der Nacht auf Sonntag wurde Frankreich von einer Welle der Gewalt erschüttert. Ein Rathaus stürzte ein, Geschäfte wurden geplündert und Autos brannten komplett aus. Das Land steht unter Schock.
Am Sonntagabend kommt es in Paris erneut zu Sachbeschädigungen und Angriffen auf Polizeiautos. Bis um Mitternacht meldet die Polizei auf X 108 Verhaftungen. Sie schreibt von «zerstreuten Gruppen junger Gelegenheitskrimineller», die versuchten, Geschäfte zu plündern. Die ganz grossen Krawalle bleiben aber anders als am Samstag aus.
Spezialeinheit wieder im Einsatz
Auf dem berühmten Place de la République hatten sich bereits am Sonntagnachmittag Dutzende Menschen versammelt. Sie reagierten auf Aufrufe in den sozialen Netzwerken, die dazu aufforderten, «die Bewegung fortzusetzen».
Aufgrund der zunehmenden Spannungen wurde auch die CRS 8, eine auf die Bekämpfung städtischer Gewalt spezialisierte Polizeieinheit, zur Verstärkung auf den Platz entsandt.
Brennende Barrikaden
Auch in anderen Teilen der französischen Hauptstadt kam es zu Zwischenfällen. Im Bereich des Canal Saint-Martin hielten sich Gruppen junger Demonstranten auf, die zuvor von der Place de la République gekommen waren. Die Feuerwehr musste dort mehrfach wegen Bränden ausrücken.
In Marseille drehten am Sonntagabend erneut Plünderer ihre Runden. Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt.
Macron fordert «ein Exempel»
In der Nacht auf Sonntag war es in vielen französischen Städten zu den schwersten Ausschreitungen seit Jahren gekommen. Die Krawallmacher richteten riesige Zerstörung an. In der Ortschaft Limoges setzten sie das Rathaus in Brand. Es stürzte ein. In Mülhausen wurde eine 17-Jährige so schwer am linken Auge verletzt, dass sie es trotz einer Notoperation dauerhaft verlor.
Angesichts der anhaltenden Unruhen hat sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (48) am Sonntagabend um 20 Uhr an die Bevölkerung gerichtet. «Nichts rechtfertigt, was geschehen ist», so Macron. «Heute Abend empfinden wir Scham und Wut.»
Es sei zu «beispielloser Gewalt gegen die Polizei gekommen», betonte der Präsident. Für Macron müsse die Justiz «ein Exempel statuieren» und die Täter müssten «bezahlen». Er habe seine Regierung aufgefordert, sicherzustellen, dass so etwas «nie wieder vorkommt».