Ausgebrannte Autos, verkohlte Velos und eingeschlagene Glasfenster von Banken, Luxus-Modegeschäften und sogar einfachen Lebensmittelläden. Am Samstag eskalierte eine Grossdemonstration in Paris – erst am frühen Sonntagmorgen kehrte allmählich wieder Ruhe ein. Bei den Ausschreitungen in Paris kam es laut Polizeiangaben zu einer Rekordzahl von 855 Festnahmen. Die Polizei meldete zudem 13 verletzte Polizisten und zwei verletzte Feuerwehrmitarbeiter.
Wer protestierte am 17. Oktober in Paris?
Der Grossprotest am vergangenen Samstag stand in Zusammenhang mit den Schülerprotesten, die in ganz Frankreich bereits seit Ende September stattfinden. Wie die französische Zeitung «Le Monde» berichtet, zielte die Demonstrationen am Samstag darauf ab, unterschiedliche Gruppierungen zu mobilisieren und neuen Schwung in die Proteste zu bringen.
Während bei den Schülerprotesten Missstände im Bildungssystem im Zentrum standen, ging es am 17. Oktober im Kern um steigende Lebenskosten, auch die Inflation im Land und steigende Spritpreise wurden bei den Protesten beklagt. Die Beteiligung war enorm: Landesweit marschierten laut dem Innenministerium 550'000 Menschen, laut der Gewerkschaft CGT waren es gut 800'000 Teilnehmer. In Paris selbst waren es laut den Angaben der Pariser Polizei 110'000 Teilnehmer.
Wie kam es zu den Ausschreitungen in Paris?
Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, kippte die Stimmung am späteren Nachmittag. Dies, als zahlreiche Gruppen von Randalierern eintrafen und sich von den friedlichen Demonstranten abspalteten. Im Anschluss zogen durch das rechte Seine-Ufer und verbreiteten Chaos. Die Polizei sprach von mehreren hundert bis über tausend Personen, «deren einziges Ziel es war, die Unruhen auszunutzen und zu plündern».
Sowohl der Ministerpräsident Sébastian Lecornu (40) als auch der Innenminister Laurent Nuñez (62) schrieben einen Teil der Gewalt «radikalen linksextremen Gruppen» zu. Später hätten sich jedoch auch weitere Gruppen an den Plünderungen beteiligt.
Wo waren die Ausschreitungen besonders schlimm?
Hotspot der Ausschreitungen in Paris war laut der «Frankfurter Allgemeine» das Viertel zwischen dem Ost- und Nordbahnhof. Nachdem die Krawalle am Sonntagmorgen grossteils verstummt waren, zeigte sich das Ausmass der Zerstörung. «Le Parisien» berichtet von Strassen, an der kein einziges Geschäft von den Angriffen und Plündereien verschont blieb.
Insbesondere die Place de la République trug Spuren der gewaltvollen Auseinandersetzungen zwischen den Chaoten und der Polizei davon: «Heute Morgen lag hier ein Teppich aus Wurfgeschossen: Steine, Gasgranaten, Eisenstücke» gab ein Wachmann gegenüber der Zeitung an. Im achten Arrondissement wurden hauptsächlich Luxusboutiquen zum Ziel von Einbrüchen – in einem Geschäft von Céline wurden sämtliche Lederwarenstücke ausgeräumt.
Wer räumt das alles auf?
Auf den Strassen blieben haufenweise ausgebrannte Autos, verkohlte Barrikaden und Glassplitter von eingeschlagenen Schaufenstern zurück. Auch verstreute Waren aus den geplünderten Läden, wie Lebensmittel oder Tabakgüter vermüllten die Strassen.
Bereits um 3 Uhr morgens begannen 1000 Reinigungskräfte der Stadt mit den Aufräumarbeiten. Gegenüber «Le Parisien» gab der Leiter der städtischen Mitarbeiter, Emmanuel Grégoire, an, dass die Arbeiten voraussichtlich mehrere Tage dauern werden.
Wie reagiert die Politik auf die Ausschreitungen?
Präsident Emmanuel Macron (48) verurteilte die Zerstörungen am Sonntagabend in einer Fernsehansprache scharf. Gleichzeitig betonte er, dass er für die friedlichen Proteste der Schüler und Studenten Verständnis habe. Er gab an, dass neue Demonstrationen aufgrund der aktuellen Lage notfalls auch verboten werden können.
Der französische Innenminister Laurent Nuñez reichte seinerseits am Sonntag ein Rücktrittsangebot vor. Dies, nachdem Macron ihn angewiesen hatte, neue Einsatzmethoden gegen Randalierer umzusetzen und Versäumnisse der Polizei – in Zusammenhang mit dem vergangenen Wochenende – transparent aufzuarbeiten. Macron lehnte sein Gesuch jedoch mit Verweis auf die «notwendige Kontinuität bei der Führung der Sicherheitskräfte» ab.