Darum gehts
- In Frankreich eskalieren die Proteste, auch in Mailand kommt es zu Ausschreitungen
- Viele Leser verurteilen die Gewalt und fordern ein hartes Durchgreifen
- Andere machen auch die Politik für die Eskalation verantwortlich
Frankreich kommt nicht zur Ruhe: Was als Protest gegen soziale und wirtschaftliche Missstände begann, ist am Wochenende in mehreren Städten eskaliert. In Paris kam es zu schweren Ausschreitungen, Plünderungen und brennenden Autos. Auch Rathäuser wurden angegriffen. In Limoges ging das Rathaus in Flammen auf und stürzte teilweise ein. Hunderte Einsatzkräfte wurden verletzt, mehr als 1800 Menschen festgenommen. Auch im italienischen Mailand schlug eine zunächst friedliche Kundgebung gegen steigende Preise und tiefe Löhne in Gewalt um.
Gewalt sorgt für Unmut
Die Bilder der Ausschreitungen werfen Fragen auf: Wo endet legitimer Protest, wo beginnt blinde Zerstörungswut? Und wie viel Verständnis kann es für Menschen geben, die aus Unzufriedenheit auf die Strasse gehen, wenn Unbeteiligte und ihre Geschäfte unter der Gewalt leiden? In der Blick-Community gehen die Meinungen auseinander. Viele Leserinnen und Leser verurteilen die Krawalle scharf, andere sehen die Ursachen auch in der Politik.
Für Leserin Sarah Keller haben die Ausschreitungen längst nichts mehr mit legitimen Protesten zu tun. Sie schreibt: «Das sind ja längst keine Demos und Protestierende mehr, denen es um irgendwas geht. Das ist eine schiere Entladung von Gewalt, reine Machtdemonstration, für die es gar keine Legitimation gibt und schon gar keine Gründe.»
Abbas Arnold Schumacher kritisiert, dass Unbeteiligte unter der Gewalt leiden. «Wie immer bei so Demos, sie arten aus!» Er kritisiert, dass die Krawalle die eigentlichen Anliegen der Demonstrierenden in den Hintergrund drängten. «Was haben die zerstörten Geschäfte mit der Demo zu tun? Die sind jetzt die Leidtragenden und müssen nun die falsche Politik ausbaden!», schreibt er.
Forderung nach hartem Durchgreifen
Einigen Lesern geht das Vorgehen der Randalierer so weit, dass sie einen noch härteren Einsatz der Sicherheitskräfte fordern. Domenico Gravino hält sogar den Einsatz der Armee für notwendig: «Sorry, egal welcher Staat aufgrund wirtschaftlicher Probleme solches erdulden muss, ist gemäss diesen Vorkommnissen genötigt, die Armee einzusetzen! Solche Krawalle ähneln wirklich einem Bürgerkrieg, somit muss mit sehr harter Hand vorgegangen werden!»
Sepp Müller fordert ebenfalls ein entschlossenes Eingreifen. Für ihn ist die Grenze zum Protest längst überschritten: «Wann wird die Nationalgarde eingesetzt? Hier wird nicht protestiert, sondern das Eigentum Unschuldiger und das Erbe der gesamten Nation zerstört. Die öffentliche Sicherheit ist bedroht!»
Kritik an der Politik
Andere Leserinnen und Leser richten den Blick über die Ausschreitungen hinaus und machen auch die Politik für die angespannte Lage verantwortlich. Moni Fehlmann sieht die Ursachen im Umgang der Regierung mit den Anliegen der Bevölkerung. Sie schreibt: «Frankreich brennt lichterloh in den Flammen der Revolution. Das passiert, wenn die Regierung endlose Kriege finanziert, dem Kapital dient und auf die Forderungen ihres eigenen Volkes mit Polizeigewalt statt mit politischen Veränderungen reagiert.»
Auch Ferdinand Blumentritt kritisiert die politischen Prioritäten: «Wenn für Löhne, Renten, Schulen und die Senkung der Lebenshaltungskosten angeblich kein Geld da ist, aber für internationale Milliardenpakete immer neue Mittel gefunden werden, stimmt etwas mit den Prioritäten nicht.» Die Entwicklungen in Frankreich seien auch für andere Länder ein Warnsignal: «Die Bürger fragen sich zunehmend, wer eigentlich zuerst kommt: die eigene Bevölkerung oder die immer neuen Forderungen aus dem Ausland. Frankreich könnte ein Vorgeschmack auf das sein, was auch Deutschland noch bevorsteht.»