Krieg statt Knast
Kreml will russische Straftäter zu Fronteinsatz verurteilen

Moskau verschärft die Rekrutierung: Russische Richter sollen künftig Kriminelle direkt in den Kriegseinsatz schicken. Damit reagiert der Kreml auf 1,4 Millionen Verluste und die Flucht potenzieller Rekruten.
Kommentieren
1/5
Der russischen Armee gehen die Soldaten aus.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Russland will künftig Straftäter statt ins Gefängnis direkt an die Front schicken
  • Rund 1,4 Millionen Soldaten als Gefallene oder Verletzte gezählt
  • Ukraine warnt: Russland rekrutiert bis zu 50'000 nordkoreanische Soldaten
Pauline-Bouillon-Ringier-Autorenprofil.jpg
Pauline BouillonRedaktorin News Desk

Kreml-Chef Wladimir Putin (73) gehen die Soldaten aus. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 flüchten potenzielle russische Rekruten. Gleichzeitig hat Russland massive Verluste zu beklagen: Inzwischen ist die Rede von rund 1,4 Millionen Ausfällen (Gefallenen und Verletzten), was die freiwillige Rekrutierung erheblich erschwert. 

Der neueste Trick des Kremls: Russische Richter sollen Kriminelle künftig direkt an die Front schicken dürfen, wie die «Moscow Times» berichtet.

Wie sieht das neue Modell aus?

Das neue Modell trifft Straftäter hart: Richter sollen sie künftig direkt zum Kriegseinsatz verdonnern – statt sie ins Gefängnis zu stecken. Die Kriegsstrafe soll abhängig von der Schwere der Tat und persönlichen Voraussetzungen wie Gesundheit und Militärerfahrung bemessen werden.

Um die eigenen Reihen aufzufüllen, wird die Rekrutierung auf Schwerverbrecher (etwa aus den Bereichen Bandenkriminalität, Schmuggel oder Drogenhandel) ausgeweitet. Ausgenommen von Kriegseinsätzen bleiben nur Verurteilte wegen Terrorismus, Hochverrat, Sabotage oder Sexualdelikten an Minderjährigen, berichtet die «Moscow Times». 

Rekrutierung von Gefängnisinsassen

Bereits im Sommer 2022 begann die Rekrutierung in russischen Gefängnissen. «Nach sechs Monaten geht man nach Hause und wird begnadigt. Man hat fünf Minuten Zeit, sich zu entscheiden», sagte der damalige Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin (1961–2023). Die Rekrutierung wurde später auf andere Länder ausgeweitet.

Die Häftlinge sind Teil der Militäreinheiten Sturm-Z und Sturm-V, die zum grössten Teil aus Insassen bestehen. Sie werden innerhalb weniger Tage dürftig ausgebildet, bevor es an die Front geht.

Kanonenfutter aus dem Ausland

Erst im August warnte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48) davor, dass Russland 30'000 bis 50'000 nordkoreanische Soldaten rekrutieren soll. Marcel Berni, Strategieexperte der Militärakademie (MILAK), erklärte Blick im Interview, dass diese Menge an Soldaten zwar spürbar, aber nicht entscheidend sei.

Nicht nur Nordkoreaner werden von Russland angeworben. 2024 berichtete Blick, wie Russland Soldaten aus Nepal, Indien und einigen afrikanischen Ländern unter falschen Versprechungen rekrutiert. 

Ein kenianischer Mann reiste nach Russland, da ihm ein Job als Wachmann versprochen worden war. Trotz der Warnung einer Beamtin vor dem Abflug brach er auf. Statt im Sicherheitsdienst landete er an der Front in der Ostukraine – und musste durch einen Fluss voller Leichen waten.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen