Darum gehts
- Hunderte Kenianer wurden mit falschen Jobversprechen nach Russland gelockt.
- Ein Überlebender floh nach Kriegsverletzung zur kenianischen Botschaft.
- Russland bietet bis zu 8000 Franken und Grundstücke für Rekruten.
Hunderte Kenianer wurden unter falschen Versprechungen nach Russland gelockt und landeten dann als «Kanonenfutter» an der Front. Zwei Überlebende schildern nun im Gespräch mit «Focus», was sie durchmachen mussten.
Einem der Männer wurde ursprünglich ein lukrativer Wachmann-Job angeboten, der ihm ein Gehalt von 210'000 Rubel (rund 2300 Franken) versprach. Er entschied sich die Stelle, die ihm über eine Agentur vermittelt wurde, anzunehmen. Doch kurz vor seinem Abflug warnte ihn eine Beamtin in Kenia: «Ich weiss, wofür du nach Russland gehst. Es ist nicht das, was du denkst.» Nach zwei Wochen Training wurde der Mann an die Front in der Ostukraine geschickt.
«Mussten durch einen Fluss voller Leichen waten»
Bereits auf dem Weg dorthin traf eine Drohne seine Einheit. Der Kenianer wurde verletzt und ins Spital gebracht, bevor er wieder in den Kampf geschickt werden sollte. In einer verzweifelten Aktion floh er in die kenianische Botschaft und kehrte im Oktober 2025 nach Hause zurück. «Die Bilder des Krieges verfolgen mich ständig», erzählt er.
Ein weiterer Überlebender ergänzt: «Auf dem Weg zur Front mussten wir durch einen Fluss voller Leichen waten. Sie trieben an der Oberfläche wie Seerosen», schildert er. Verwundet und ohne medizinische Versorgung floh er schliesslich ebenfalls in die kenianische Botschaft.
Das wird den Rekruten versprochen
Doch Kenia ist nicht das einzige Land, aus dem Putin sein «Kanonenfutter» rekrutierte. Söldner aus zahlreichen Länder dienten schon für den Kreml – darunter Afghanistan, Indien, Kuba, Malaysia, Nepal, Serbien, Sri Lanka und Syrien.
Russland fuhr im Krieg in der Ukraine lange eine Strategie: Die Fleischwolf-Taktik, wodurch ein ständiger Strom an neuen Rekruten notwendig wird. Dabei bediente man sich auch im Ausland. Die Rekrutierungen haben System. Es gibt Agenturen, die sich auf die Beschaffungen spezialisiert haben.
Neben einem russischen Pass und einem Startbonus von umgerechnet bis zu 8000 Franken sollen auch kostenlose Grundstücke und Bildungsangebote winken.