Russland gerät in der Ukraine zunehmend unter Druck. In den vier Jahren seit Kriegsbeginn sind laut Schätzungen bereits über 1,3 Millionen russische Soldaten verletzt oder getötet worden. Um die Lücken an der Front zu schliessen, sucht der Kreml händeringend nach Nachschub. Für Russlands Präsidenten Wladimir Putin (73) wird es aber immer schwieriger, neue Soldaten zu finden. Moskau setzt die Gouverneure der einzelnen Regionen dabei unter Druck, die hohen Quoten zu erfüllen.
Im Wettkampf um die Rekruten versprechen die Regionen den Kontraktniks – Vertragssoldaten – hohe Prämien, wie der Spiegel berichtet. Bis zu vier Millionen Rubel – umgerechnet 41'000 Franken – gibts für Russen, die sie sich den Streitkräften anschliessen. Das ist viel Geld. Zum Vergleich: Dafür muss ein Russe im Schnitt über drei Jahre arbeiten. Im Kampf um Neuverpflichtungen hat sich so ein ganzer Wirtschaftszweig mit Mittelsmännern, die mittels Provision mitverdienen wollen, gebildet.
Doch Putin lockt nicht nur mit Geld. Bereits in der Vergangenheit hat Russland seine neuen Soldaten auf unkonventionellem Weg gesucht – und längst nicht nur in der Heimat:
Front statt Knast
Russland hat zu Beginn des Krieges Tausende Verbrecher vorzeitig aus den Gefängnissen entlassen, um sie in die Ukraine zu schicken. Der Deal: Wenn sie an der Front kämpfen, wird ihre Strafe abgekürzt. Nach einem Training von nur wenigen Tagen wurden die Häftlinge dann als Kanonenfutter in den Krieg geschickt.
Ausländische Söldner
Auch im Ausland sucht Putin Kämpfer. Mit attraktiven Jobangeboten locken russische Agenturen Söldner aus armen Ländern nach Russland. Sobald sie im Land sind, zwingen die Behörden sie, einen Vertrag mit der russischen Armee zu unterschreiben – und schicken diese dann an die Front. Das führte im Februar zum aussenpolitischen Eklat: Die kenianische Regierung schäumte vor Wut und verurteilte das Vorgehen scharf.
Soldaten aus Nordkorea
Russland und Nordkorea verbindet nicht nur die aussenpolitische Isolation. Die beiden Länder arbeiten auch militärisch zusammen: Vor zwei Jahren sind sie eine Militärkooperation eingegangen. Neben Munition und Artillerie schickte der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un (42) bis zu 15'000 Soldaten nach Russland, wie der südkoreanische Geheimdienst schätzt. Im Gegenzug soll Russland Nordkorea mit Geld, Sicherheitsgarantien und Militärmaterial versorgen.
Verschuldete Bürger
Wegen der hohen Zinsen und schlechten wirtschaftlichen Lage sind viele Russen verschuldet. Das spielt Putin in die Karten. Ein Gesetz aus 2024 erlässt den Rekruten Schulden von bis zu 10 Millionen Rubel. Das entspricht umgerechnet 104'000 Franken.