Kenia schäumt vor Wut
«Muster, Menschen anzulocken und sie sterben zu lassen»

Kenias Vize-Aussenminister erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland: Afrikaner werden mit falschen Jobversprechen nach Russland gelockt und dann ohne Ausbildung als Soldaten in die Ukraine geschickt – oft in den Tod.
Kommentieren
1/4
Verfolgt Russland ein gezieltes Muster?
Foto: IMAGO/SNA

Darum gehts

  • Kenias Aussenminister kritisiert Russlands Täuschung afrikanischer Männer als Soldaten.
  • Betroffene wurden mit Jobs und hohen Gehältern gelockt, dann zwangsrekrutiert.
  • Kiew identifizierte bis November 2025 mindestens 1436 Afrikaner in Russlands Armee.
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Der stellvertretende kenianische Aussenminister kritisiert Russland, dass seine Staatsangehörigen mit Versprechungen gut bezahlter ziviler Arbeitsplätze in Russland getäuscht würden, um dann von der russischen Armee als «Kanonenfutter» missbraucht zu werden.

In den vergangenen Wochen sorgten ausländische Söldner für Schlagzeilen, die von Russland angeworben – und dann ohne Training an die Front geschickt werden. Offenbar werden ihnen ein guter Lohn und hochwertige Jobs versprochen. Besonders betroffen sind Männer aus afrikanischen und arabischen Ländern. 

Angebote als Verkäufer oder Sicherheitsbeamten

«Es scheint ein Muster zu geben, Menschen anzulocken und sie sterben zu lassen», beklagte Abraham Korir Sing'Oei. Der stellvertretende kenianische Aussenminister sprach auch von einem eigentlichen Programm zur illegalen Rekrutierung von Menschen afrikanischer Abstammung, um sie zu Kämpfern in einer Welt zu machen, zu der sie nicht gehörten.

AFP sprach mit vier Kenianern, die aus Russland zurückgekehrt waren, von denen drei in den Kämpfen verletzt worden waren. Einer war dorthin gegangen, weil er glaubte, Verkäufer zu werden, zwei andere hofften, Sicherheitsbeamte zu werden, der vierte war Spitzensportler.

Männern wird ein Vermögen versprochen

Allen war von einer Personalvermittlungsagentur in Nairobi ein Monatsgehalt zwischen 920 und 2400 Euro in Russland versprochen worden. Ein Vermögen in Kenia, wo viele Arbeitnehmer kaum 100 Euro im Monat verdienen.

Am Tag ihrer Ankunft oder am nächsten Tag wurden die vier Männer jedoch gezwungen, einen Vertrag mit der russischen Armee zu unterzeichnen, der in kyrillischer Schrift verfasst war und den sie nicht verstanden. Dann wurden sie nach sehr geringer oder gar keiner militärischen Ausbildung an die Front auf ukrainisches Gebiet geschickt.

Feld mit Leichen übersät

Drei von ihnen befanden sich innerhalb weniger Wochen am selben Ort in der Nähe von Vovtchansk in der Region Charkiw, wo ein grosses Feld, das sie überqueren mussten, mit Leichen übersät war. Zwei von ihnen sahen, wie fast ihre gesamte Einheit, darunter Kenianer und andere afrikanische Staatsangehörige, innerhalb weniger Minuten unter dem Beschuss ukrainischer Drohnen ums Leben kam.

Die kenianischen Behörden schätzten im Dezember die Zahl der Kenianer, die zwangsweise in die russische Armee eingezogen wurden, auf etwa 200. Eine Zahl, die laut den vier von AFP befragten «Rückkehrern» höchstwahrscheinlich zu niedrig angesetzt ist.

Kiew gab im November bekannt, mindestens 1436 Bürger aus 36 afrikanischen Ländern in den Reihen der russischen Armee identifiziert zu haben.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen