«Wir werden alle zu 100 Prozent sterben»
Glamouröse Russin lockt Ausländer an die Front

Die Russin Polina A. rekrutiert via Telegram junge Männer für den Krieg in der Ukraine. Mit falschen Versprechen lockt sie Kämpfer aus Ländern wie Jemen, Syrien und Marokko nach Russland. Für die Frau ein Millionengeschäft, für die Männer oft der Tod.
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So präsentiert sich Polina A. in den sozialen Medien.
Foto: Screenshot Telegram

Darum gehts

  • 23'000 ausländische Kämpfer kämpfen seit Russlands Invasion in der Ukraine
  • Russin Polina A. rekrutiert via Telegram und verspricht Wohlstand
  • Über 500 Verträge brachten A. mindestens zwei Millionen Franken ein
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Blick Newsdesk

Mehr als 23’000 ausländische Kämpfer aus 131 Ländern sind seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine in die russische Kriegsmaschinerie integriert worden.

Die Männer werden oft als Kanonenfutter eingesetzt und ohne militärische Erfahrung direkt an die Front geschickt. Über die sozialen Medien werden sie angeworben und unter falschen Versprechungen nach Russland gelockt. 

Früher war sie Lehrerin

Eine zentrale Figur in diesem Rekrutierungsnetzwerk ist die Russin Polina A.* (40), wie «Daily Mail» berichtet. Die frühere Lehrerin hat ihre frühere Firma InterEdu, die arabische Studenten bei Visaangelegenheiten unterstützte, geschlossen und begonnen, ausländische Kämpfer für die russische Armee zu rekrutieren. 

Ihre Strategie: Über Telegram verspricht sie jungen Männern aus Ländern wie Jemen, Syrien, Ägypten und Marokko Wohlstand, die russische Staatsbürgerschaft und monatliche Gehälter von bis zu 2000 Franken. 

Posieren vor Luxusautos

A., die aus der südrussischen Region Woronesch stammt, präsentiert sich dabei als stilvolle Geschäftsfrau. In sozialen Medien sieht man sie in Designer-Kleidern, wie sie vor Luxusautos posiert und mit einer Pelzjacke ihre Botschaften verbreitet.

Ihr Kanal trägt den Titel «Kanal zur Unterstützung der Streitkräfte der Russischen Föderation in der Operationszone» und enthält ein Bild von Präsident Wladimir Putin (73).

Realität sieht anders aus

Die Versprechen klingen verlockend: Neben einem russischen Pass und einem Startbonus von umgerechnet 8000 Franken sollen auch kostenlose Grundstücke und Bildungsangebote winken.

Doch die Realität sieht anders aus. Ein besonders erschütternder Fall betrifft einen afrikanischen Kämpfer namens Francis, dessen Geschichte durch ein Video bekannt wurde. Laut «Daily Mail» wurde er gezwungen, eine Mine am Körper zu tragen, um einen ukrainischen Bunker zu sprengen. Ihm wurde gesagt, er sei ein «Dosenöffner» – sollte er ablehnen, wäre die Strafe sein Tod.

«Sie ist eine Betrügerin»

Auch der Syrer Omar, 26 Jahre alt, fiel offenbar auf die Versprechen von A. herein. Omar kämpft nun seit über einem Jahr und ist in Russland gefangen. Gegenüber der BBC sagt er: «Diese Frau ist eine Betrügerin und Lügnerin. Wir werden hier zu 100 Prozent sterben.»

A. selbst zeigt wenig Mitgefühl. Im Oktober 2024 sagte sie: «Ihr wusstet alle, dass ihr in den Krieg zieht. Ihr dachtet, ihr könntet einen russischen Pass erhalten, nichts tun und in einem Fünf-Sterne-Hotel leben? Nichts ist umsonst.» Offenbar hat sie über 500 Verträge mit ausländischen Kämpfern vermittelt und dabei mindestens zwei Millionen Franken verdient.

* Name bekannt

Dieser Artikel ist zuerst auf «Blic.rs» erschienen. Die serbische Newsplattform gehört wie Blick zum Ringier-Verlag.

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