Experte hält Offensive für unwahrscheinlich – Frontverluste weiterhin hoch
Warum Putin mehr Kämpfer im Ausland anwerben könnte

Wladimir Putin erhöht den Personalbestand der Soldaten per Dekret bereits zum dritten Mal in diesem Jahr – wobei für die Rekrutierung immer drastischere Massnahmen nötig werden. Ein Militärstratege schätzt ein, was es mit der neuen Regelung auf sich hat.
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Der russische Präsident Wladimir Putin hat ein Dekret erlassen, um den Personalbestand der Armee per 1. August erneut zu erhöhen – darunter 25'000 Soldaten.
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Putin plant ab 1. August 25'000 zusätzliche Soldaten für Russland
  • Seit Kriegsbeginn 1,4 Mio. Verluste, darunter 450'000 Tote bis Juni
  • 30'000 nordkoreanische Soldaten sollen Russland in den nächsten Monaten unterstützen
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Wiebke KöhneRedaktorin Newsdesk

Kreml-Chef Wladimir Putin (73) will die russischen Streitkräfte per 1. August dauerhaft mit 25'000 zusätzlichen russischen Soldaten stärken. Schon jetzt fällt es schwer, die Verluste im derzeitigen Armeebestand mit genügend Freiwilligen auszugleichen. Diese umfassen laut einer Studie aus den USA seit Beginn des Krieges rund 1,4 Millionen russische Soldaten – die Verluste durch verstorbene Soldaten liegen Stand Juni 2026 bei etwa 450'000 Soldaten.

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Offiziell begründet die Regierung den Erlass mit der neuen Aufstellung von weiteren militärischen Einheiten. Aufgrund der ukrainischen Drohnenangriffe werden diese dringend benötigt. Marcel Berni, Strategieexperte der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich, vermutet, dass diese Einheiten zudem als Auffangbecken für schwer einsetzbare und heimkehrende Soldaten dienen sollen. Allerdings zweifelt der Experte die ehrgeizigen Ziele von Putin an: «Die tatsächliche Rekrutierung dürfte deutlich geringer ausfallen.»

Plant Putin eine neue Offensive im Herbst?

Wie Informationen aus dem ukrainischen Geheimdienst offenlegen, sollen in den nächsten Monaten zudem bis zu 30'000 nordkoreanische Soldaten in Russland eintreffen. Laut Berni entspricht das etwa der Menge an Soldaten, die der Kreml pro Monat zum Vertragsabschluss bewegen kann. Dementsprechend sei die Menge spürbar, jedoch nicht entscheidend. 

Der Strategieexperte geht nicht davon aus, dass hinter der Aufstockung der Plan einer neuen Offensive im Herbst stecken könnte. «Eine konventionelle Grossoffensive halte ich für eher unwahrscheinlich», hält er fest. Momentan verfüge der Kreml zwar über die nötigen Ressourcen für anhaltenden militärischen Druck, jedoch nicht für eine Kriegsentscheidung zu seinen Gunsten. Jedoch sei eine Fortsetzung des zermürbenden russischen Vorrückens im Osten der Ukraine sehr wahrscheinlich. 

Nachdem die Teilmobilmachung im Jahr 2022 eine Fluchtwelle in der Bevölkerung ausgelöst hatte, unter der die russische Wirtschaft massiv litt, verzichtete Putin auf den unfreiwilligen Einzug von Soldaten. Daran sollte sich laut Berni auch in nächster Zukunft nichts ändern. «Eine offene Mobilmachung träfe die städtische Mittelschicht, vor der sich der Kreml teilweise fürchtet.» Stattdessen rechnet er mit einer intensiveren Anwerbung im Ausland.

«Die Bevölkerung versucht sich vor dem Krieg zu drücken»

Im Inland setzen die regionalen Wehr-Ämter derzeit auf immer kostspieligere und aufwendigere Rekrutierungsmethoden – diese bringen das russische Anwerbe-Modell laut Berni an seine ökonomischen Grenzen. Die Bevölkerung verhalte sich dem Krieg gegenüber überwiegend passiv. Von einer Kriegsmüdigkeit im Sinne einer wachsenden Opposition ist jedoch laut Berni nicht zu sprechen. 

Insbesondere in der Region Pensa zeigt sich, wie weit die Regierung geht, um zu mehr Soldaten zu kommen. Wie «Schweiz Heute» berichtet, sammeln sich Berichte über Schattenrekrutierungen. Dabei würden Männer unter Vorwänden wie Verkehrskontrollen festgenommen und im Anschluss von Vertretern des Verteidigungsministeriums zum Abschluss von Verträgen gezwungen – teils auch unter Gewalt. 

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