Darum gehts
Stell dir vor, du willst mit dem Iran verhandeln – und dann schicken die Mullahs einfach keinen hin. Diese erniedrigende Erfahrung macht derzeit Donald Trump (79). Der Krieg kostet – trotz Waffenruhe – täglich Milliarden, und zu Hause in den USA findet ihn eine Mehrheit völlig daneben. Deshalb will der US-Präsident den Iran an den Tisch zwingen und das alles so rasch wie möglich beenden.
Doch Teheran hält ihn hin. «Verlierer diktieren keine Bedingungen», liessen die Mullahs Trump wissen, als der seine Delegation für die nächste Verhandlungsrunde losschicken wollte. Das sitzt. Und während die Strasse von Hormus weiter blockiert bleibt und der Ölpreis steigt, bleibt dem US-Präsidenten nur eines: der Versuch, seinen Erzfeind Barack Obama (64) zu kopieren. Doch nicht einmal das wird Trump gelingen.
Auch Obama hatte während seiner Präsidentschaft mit den nuklearen Ambitionen der Mullahs zu kämpfen. Kurz nach seiner Amtseinsetzung schrieb er Ayatollah Ali Khamenei (†86) einen geheimen Brief und versuchte, die stillgelegten Beziehungen zwischen den Ländern wiederzubeleben. «Doch der Ayatollah zeigte uns nur den Mittelfinger», schreibt Obama in seiner Präsidentenbiografie.
Also drehte Washington an der Sanktionsschraube und zwang die Iraner zu Verhandlungen. Nach 20 Monaten Gesprächen (unter anderem in Lausanne) lag der Iran-Deal mit dem sperrigen Namen «Joint Comprehensive Plan of Action» (JCPOA) auf dem Tisch.
Trump hats schwerer als Obama
Teheran zerstörte mehrere Tausend seiner Uran-Anreicherungs-Zentrifugen und liess eine strenge Überwachung seiner Anlagen durch Experten der Internationalen Atomenergiebehörde zu. «Sie überwachten jedes Gramm Uran im Land», betonte der damalige US-Aussenminister John Kerry (82) diese Woche.
Das Ziel des Obama-Deals: Die «Breakout-Time» – also die Zeit, die der Iran bräuchte, um mit dem vorhanden Nuklearmaterial eine Atombombe zu bauen – von zwei Monaten auf ein Jahr zu erhöhen und den USA damit Gelegenheit zu geben, rechtzeitig einzugreifen. Im Gegenzug lockerte Washington viele der bestehenden Sanktionen und hätte dem Iran nach fünf Jahren sogar wieder den Ein- und Verkauf von schweren Kriegswaffen erlaubt.
Doch dazu kam es nicht. Im Mai 2018 beendete Trump den «schlechtesten Deal der Geschichte», den sein von ihm verhasster Vorgänger auf die Beine gestellt hatte. Jetzt aber bleibt ihm nichts anderes übrig, als Obamas damaligem Erfolg zerknirscht zu kopieren – oder es mindestens zu versuchen.
Natürlich kündigt Trump bereits an, sein Deal werde «viel besser» als jener von Obama. Vieles ist noch ungewiss – nicht zuletzt, ob der Iran überhaupt mitmachen wird und ob die iranischen Verhandler im Machtchaos in Teheran dann auch wirklich Gehör fänden. Bekannt ist: Trump verlangt, Stand jetzt, einen kompletten Stopp der iranischen Uran-Anreicherung sowie eine Beschränkung des iranischen Waffenarsenals.
Kommts zum Cash-Super-GAU?
Besonders heikel für Trump ist das amerikanische Angebot, dem Iran im Gegenzug mehrere Milliarden eingefrorener Vermögen freizugeben. Laut Berichten von Axios und CNN soll Washington bereit sein, umgerechnet bis zu 20 Milliarden Dollar an Teheran zu überweisen. Da der Iran von internationalen Banksystemen ausgeschlossen ist und keine direkten Finanzbeziehungen zwischen den beiden Ländern bestehen, müsste das Geld in bar ausbezahlt werden.
Genau das wäre für Trump ein PR-technischer Super-GAU. Er hatte sich jahrelang lustig gemacht über Obama, der dem Iran 2016 zur Beilegung eines alten, nicht mit den Atomverhandlungen im Zusammenhang stehenden Rechtsstreits umgerechnet 1,7 Milliarden Dollar in Cash (in Schweizer Franken und Euros) per Flugzeug schickte. Bilder der riesigen Nötli-Stapel gingen um die Welt. «Eine Schande», kommentierte Trump, der bald selbst zum grössten Cash-Automaten der Mullahs mutieren könnte.
Der US-Präsident braucht einen Deal – möglichst noch vor den Zwischenwahlen im November. Es muss also deutlich schneller gehen als unter Obama. Und es darf natürlich ja nicht so aussehen, als würde er seinen Vorgänger kopieren. Man will sich schliesslich nicht dabei erwischen lassen, wie man heimlich vom vermeintlich «schlechtesten Verhandler der Geschichte» abkupfert – und das dann als seinen eigenen Deal verkauft.