Kinderurologin klärt auf
Warum macht mein Kind nachts noch ins Bett?

Tagsüber ist das Kind trocken, doch nachts bleibt das Bett regelmässig nass. Während manche Knirpse mit zwei Jahren stolz aufs Töpfchen gehen, brauchen andere im Kindergarten noch Windeln. In den allermeisten Fällen steckt ein ganz normaler Entwicklungsschritt dahinter.
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Viele Eltern kennen die Situation, dass ihr Kind tagsüber längst trocken ist, nachts aber weiterhin regelmässig ins Bett macht.
Foto: imago/Westend61

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bettnässen bei Kindern meist normal, betrifft auch Teenager, sagt Expertin
  • Ursachen: verzögerte Reifung, Stress, Hormonentwicklung oder körperliche Erkrankungen
  • Rund 15 Prozent der Fünfjährigen nässen nachts noch regelmässig ein
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Blick Newsdesk

Trockenwerden ist kein Wettlauf. Es ist ein Reifungsprozess, bei dem Blase und Gehirn zusammenwachsen müssen. Bei manchen Knirpsen klappt das mit 18 Monaten, andere brauchen bis zum dritten Geburtstag. Beides ist völlig normal.

«Bettnässen ist meist keine Frage der Erziehung, sondern der biologischen Reifung», sagt Kinderurologin Saša S. Milivojević von der Universitätskinderklinik in Belgrad zu «Blic.rs».

Warum Kinder unterschiedlich schnell trocken werden

Trockenwerden ist ein Reifungsprozess, bei dem Blase, Gehirn und Körper zusammenspielen müssen. «Es ist im Grunde eine kleine biologische Choreografie, die nicht bei allen Kindern gleichzeitig abläuft», sagt Milivojević. Die ersten Anzeichen zeigen sich meist zwischen dem 18. Lebensmonat und dem dritten Geburtstag. Manche Kinder werden schnell trocken, andere brauchen deutlich länger. Beides ist normal.

Kinder müssen zunächst lernen, die Signale ihrer Blase zu erkennen, richtig einzuordnen und darauf zu reagieren. Gleichzeitig sollen sie ihr Spiel unterbrechen und zur Toilette gehen. «Wir alle wissen, wie schwierig es sein kann, etwas Interessantes zu unterbrechen, selbst als Erwachsene», sagt die Expertin. Was wie Sturheit wirkt, ist meist Teil des normalen Lernprozesses. Druck, Unsicherheit oder Veränderungen im Alltag können diesen zusätzlich verzögern.

Dann werden die meisten Kinder von selbst trocken

Viele Eltern wundern sich, warum Kinder tagsüber trocken sind, nachts aber noch einnässen. Der Grund ist, dass die nächtliche Kontrolle anders funktioniert und später reift. Manche Kinder schlafen zudem so tief, dass sie die Signale der Blase nicht wahrnehmen. Andere produzieren nachts schlicht mehr Urin, als die Blase halten kann.

Viele Kinder werden bis zum fünften Lebensjahr von selbst trocken. Dann greifen die natürlichen Mechanismen. Die Blase hält länger durch, die Urinproduktion sinkt und das Gehirn reagiert auf die Signale der Blase. Bei anderen dauert dieser Prozess länger. Eine empfindlichere Blase, eine verzögerte Hormonentwicklung oder belastende Veränderungen wie Schuleintritt oder Umzug können dazu führen, dass Bettnässen bestehen bleibt oder wieder auftritt.

«Oft ist das Verstecken des Problems belastender»

Bettnässen betrifft nicht nur Kleinkinder. Auch Teenager können darunter leiden. Für sie ist das Problem oft besonders belastend. Viele ziehen sich aus Scham zurück und vermeiden Übernachtungen oder Lager. Die Ursachen sind meist ähnlich wie bei jüngeren Kindern, ergänzt durch Stress und psychische Belastungen. «Oft ist das Verstecken des Problems belastender als das Bettnässen selbst», sagt Milivojević.

Entscheidend ist Geduld

Meist steckt hinter dem Bettnässen eine verzögerte Entwicklung, seltener eine medizinische Ursache. Häufig sind Harnwegsinfekte mit Symptomen wie Brennen beim Wasserlassen oder häufigem Harndrang. Auch Diabetes kann sich durch starken Durst, häufiges Wasserlassen und Gewichtsverlust zeigen.

Weniger bekannt ist der Zusammenhang mit Verstopfung, da ein voller Darm Druck auf die Blase ausüben kann. Ebenso können Schlaf- und Atemstörungen, etwa durch vergrösserte Mandeln, eine Rolle spielen. «Nächtliches Einnässen ist keine bewusste Reaktion des Kindes, sondern oft ein Zeichen dafür, dass der Körper unter Belastung steht», sagt die Kinderurologin.

Entscheidend ist Geduld. Kinder nässen nicht ein, weil sie nicht wollen, sondern weil sie noch nicht können. Hilfreich sind feste Routinen, ein Toilettengang vor dem Schlafengehen und eine angepasste Flüssigkeitszufuhr. Wichtig ist vor allem: kein Druck, keine Strafen oder Beschämung.

Wie Bettnässer-Alarme funktionieren

Besonders wirksam sind sogenannte Bettnässer-Alarme. Sie reagieren auf erste Feuchtigkeit und wecken das Kind durch Ton oder Vibration. So lernt das Gehirn, die Signale der Blase mit dem Aufwachen zu verknüpfen. Dieser Trainingseffekt kann Wochen bis Monate dauern, gilt aber als sehr effektiv.

In gewissen Fällen verschreiben Ärzte Medikamente. Sie reduzieren die nächtliche Urinproduktion oder helfen der Blase beim Speichern, behandeln aber nicht die Ursache. Sie werden vor allem vorübergehend eingesetzt, etwa bei Reisen oder Übernachtungen. «Medikamente sind keine endgültige Lösung. Sie helfen, bis die Entwicklung abgeschlossen ist», sagt Milivojević.

Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier. 

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