Darum gehts
- US-Militärangriffe trafen Kharg-Insel im Persischen Golf am Freitag
- Kharg wickelt 90 Prozent der iranischen Rohölexporte ab, strategisch entscheidend
- 2'500 US-Soldaten in Region entsandt, mögliche Kontrolle über Insel geplant
Sie ist klein, unscheinbar und kaum jemand kennt sie. Dabei ist die Insel Kharg im Persischen Golf enorm wichtig und im Visier von US-Präsident Donald Trump (79). «Vor wenigen Augenblicken hat das United States Central Command auf meine Anweisung hin einen der schlagkräftigsten Luftangriffe in der Geschichte des Nahen Ostens durchgeführt und jedes militärische Ziel auf der Insel Kharg, dem Kronjuwel des Iran, vollständig ausgelöscht», schreibt Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Aber warum ist Kharg so wichtig für den Iran? Die Insel ist Dreh- und Angelpunkt für die Ölexporte. Etwa 90 Prozent der Rohölexporte werden über Kharg abgewickelt. Die Attacke der USA war nur ein Warnschuss. Trump habe aus «Anständigkeit» verzichtet, die «Ölinfrastruktur auf der Insel zu zerstören». Und er nutzt die Insel als Druckmittel.
Strasse von Hormus soll wieder passierbar werden
«Sollte Iran oder irgendjemand anderes jedoch die freie und sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Strasse von Hormus behindern, werde ich diese Entscheidung umgehend überdenken», schreibt Trump weiter. Hintergrund: Die Strasse von Hormus ist einer der wichtigsten Knotenpunkte für den Ölexport nach Asien, Westeuropa und in die USA. Wird sie blockiert, entstehen Ölengpässe.
Schon jetzt ist der Iran-Krieg zu spüren – an der Tankstelle zum Beispiel. Der US-Präsident will mit dieser Drohung dem Iran diese Machtmöglichkeit nehmen. Und plötzlich ist eine kleine Insel der Schauplatz für einen weltweiten Konflikt.
Könnte «die iranische Wirtschaft lahmlegen»
Kharg liegt nur 25 Kilometer vor der iranischen Küste im Persischen Golf und dient als Umschlagplatz für Millionen Barrel Rohöl pro Tag, die aus den wichtigsten iranischen Ölfeldern wie Ahvaz und Marun über Pipelines transportiert werden. Der Zugang zur Insel ist streng kontrolliert, was ihr den Spitznamen «Verbotene Insel» eingebracht hat. Die langen Molen ermöglichen es auch grossen Öltankern, anzulegen und die wertvolle Fracht zu exportieren.
Die Bedeutung der Insel für den Iran ist seit Jahrzehnten bekannt. Ein CIA-Bericht aus dem Jahr 1984 bezeichnete die Anlagen auf Kharg als «die wichtigsten im iranischen Ölsystem», wie CNN berichtet. Der israelische Oppositionsführer Jair Lapid sagte kürzlich, die Zerstörung des Terminals würde «die iranische Wirtschaft lahmlegen und das Regime stürzen». Sie ist so etwas wie die Achillesferse des Irans. Und das weiss das Regime auch.
Experte warnt vor Kettenreaktion
Die USA haben kürzlich eine schnelle Eingreiftruppe mit 2'500 Marines und Matrosen in die Region entsandt. Laut dem pensionierten US-General Mark Kimmitt könnte diese Einheit möglicherweise eingesetzt werden, um die Kontrolle über Kharg zu übernehmen. Doch er warnt im Gespräch mit CNN, dass ein Angriff auf die Ölinfrastruktur der Insel wahrscheinlich eine Kettenreaktion auslösen würde: «Es ist klar, dass der Iran dann den Rest der Infrastruktur im Nahen Osten angreifen wird.»
Bereits jetzt hat der Iran Öltanks in Oman und Bahrain sowie Schiffe im Persischen Golf angegriffen. Die Islamische Revolutionsgarde drohte, die gesamte Öl- und Gasinfrastruktur der Region niederzubrennen, sollten iranische Energieanlagen zerstört werden. Ein solcher Schritt könnte, so Experten, die Ölpreise weltweit in die Höhe treiben und die globale Wirtschaft nachhaltig erschüttern.