Darum gehts
- Iran attackiert Golfstaaten und Schiffe
- Kein Ende von dreimonatigem Krieg absehbar
- Trump verharmlost Konflikt
- Auch Republikaner wollen US-Engagement im Iran-Krieg eindämmen
Im Nahen Osten fallen weiter Bomben. Israel ist mit dem tiefsten Vorstoss seit 25 Jahren in den Südlibanon vorgerückt, der Iran greift Golfstaaten und Schiffe an und erklärt sich zur Kontrollmacht über die wichtige Seefahrtspassage von Hormus. Welthandel leidet – und US-Präsident Donald Trump (79) verharmlost den Flächenbrand.
Der Krieg im Iran sei für die Vereinigten Staaten «keine grosse Sache», sagte er am Mittwoch im Oval Office zu Journalisten. Der Konflikt, der bislang 13 US-Soldaten und schätzungsweise 1700 iranischen Zivilisten das Leben kostete, Washingtons Waffenarsenale erschöpft und die US-Bevölkerung finanziell schwer trifft, verlaufe besser als erwartet. Trump äusserte sich «sehr stolz» auf das, was er als «Umweg» in den Iran bezeichnete.
Kritik seien bloss Nebengeräusche: «Wir haben den höchsten Aktienmarkt aller Zeiten, und das inmitten eines militärischen Konflikts oder Krieges – wie es manche nennen. Das ist für uns kein Problem«, sagte Trump. «Wir haben ein grossartiges Militär.» Iran «ist für uns nichts Besonderes.»
Republikaner gegen Trump
Trump versucht den Krieg schönzureden, nachdem er Ende Februar zu Beginn der Bombardierungen mit Israel noch einen schnellen, klaren Sieg versprochen hatte. Trump behauptete am Mittwoch «fälschlich», wie die «New York Times» kommentierte, dass Konsumentenpreise wieder sinken und derzeit «alle viel Geld verdienen» mit Finanzanlagen. Der Konflikt zieht sich seit über drei Monaten hin, ein Ende ist nicht absehbar.
Ein Deal «könnte am Wochenende passieren», so Trump. «Ich höre, die Verhandlungen selbst verlaufen eigentlich sehr gut» – entgegen Dementis aus Teheran, dass es keinerlei Fortschritte in Richtung Einigung gibt.
Während Trump die globalen volkswirtschaftlichen Kosten ignoriert und versucht, die Deutungshoheit zu behalten, wächst selbst in den eigenen Parteireihen der Widerstand gegen sein Iran-Vorgehen. Das Repräsentantenhaus stimmte am Mittwoch parteiübergreifend für eine Eindämmung des US-Engagements im Iran-Krieg. Ein Gesetzesentwurf wurde mit der Unterstützung einiger Republikaner verabschiedet, die mit den Demokraten gegen die Kriegsführung des Präsidenten votierten.
Besser ein Deal, als «alle umzubringen»
Trump spielte wenigtens in die Karten, dass Israel und Libanon am späten Mittwoch erneut eine Waffenruhe vereinbarten. Das von den USA vermittelte Abkommen soll die Hisbollah – eine vom Iran unterstützte Miliz im Südlibanon – zu einem vollständigen Stopp ihrer Angriffe zwingen. Doch frühere Feuerpausen hielten kaum.
Am Ende bliebe immer noch die militärische Option, so Trump: «Wir könnten noch zwei, drei Wochen weitermachen und alle auslöschen. Das möchte ich lieber nicht tun. Es wäre sehr einfach.» Die US-Streitkräfte seien «bereit dazu. Sie wollen es. Sie wollen es. Aber wenn wir etwas Schriftliches erreichen können, das dasselbe bewirkt, ohne alle umzubringen, würde ich das bevorzugen.»