Digitale Sabotage in der Strasse von Hormus
Hacker narren die Revolutionsgarden mit provokanten Schiffsnamen

Mitten in der Hormus-Krise tauchen plötzlich Schiffe mit Namen wie «IRGC GAY» oder «LGBTQ CREW» auf digitalen Seekarten auf. Hinter dem bizarren Spott steckt womöglich gezielte Sabotage, mit neuen Risiken für den Welthandel. Selbst die Amis manipulieren Positionsdaten.
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Iranische Schiffe liegen vor dem Hafen von Bandar Abbas vor Anker.
Foto: imago/Kyodo News

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Digitale Seekarten zeigen manipulierte Einträge in der Strasse von Hormus
  • Daten im AIS-System sind leicht manipulierbar, Schiffe teilweise nicht identifizierbar
  • Nur 3 Schiffe täglich passieren die Strasse, früher über 100 pro Tag
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

In der Strasse von Hormus, die im Würgegriff der Iran-Krise steckt, tauchen auf digitalen Seekarten plötzlich ungewöhnliche Einträge auf: «LGBTQ CREW» oder «IRGC GAY» – schwule Revolutionswächter.

Was zunächst wie provokanter Internet-Spott wirkt, richtet sich auffällig gezielt gegen die ultrakonservativen iranischen Revolutionsgarden. Dahinter steckt mehr als blosse Ironie.

Angriff auf Lagebild

Möglich wird das über das maritime AIS-System (Automatic Identification System), mit dem Schiffe ihre Position, Geschwindigkeit und ihr Ziel übermitteln. Diese Daten sind öffentlich zugänglich – und teilweise erstaunlich leicht manipulierbar.

Angreifer können Namen verändern, falsche Zielhäfen eintragen, Identitäten kopieren oder sogar vollständig erfundene «Geisterschiffe» erzeugen. So entsteht ein verfälschtes Lagebild, auf das sich jedoch Reedereien, Analysten und Militärs täglich verlassen.

Wer steckt dahinter?

Offiziell ist die Urheberschaft unklar. Experten sehen jedoch drei wahrscheinliche Akteursgruppen.

Naheliegend sind politische Hacktivisten, die Iran gezielt provozieren wollen. Begriffe wie «LGBTQ» sind dabei bewusst gewählt – sie verhöhnen die Ideologie eines Regime, das Homosexualität sogar mit dem Tod bestraft.

Ebenso denkbar sind staatliche oder staatsnahe Akteure. In einer angespannten Region kann bereits begrenzte Verwirrung strategischen Nutzen haben, etwa wenn Entscheidungen auf unsicherer Datenbasis getroffen werden.

Schliesslich profitieren auch Sanktionsnetzwerke. Die sogenannte Schattenflotte, mit der iranisches Öl verdeckt transportiert wird, nutzt seit Jahren Manipulationen im AIS-System. Zusätzliche Unübersichtlichkeit erleichtert solche Operationen.

Selbst Pentagon manipuliert Daten

Das US-Militär hat unter dem Deckmantel der Geheimhaltung in den letzten drei Wochen etwa 70 Handelsschiffe durch die faktisch blockierte Strasse von Hormus geleitet, wie die «New York Times» berichtet. Dabei schalten die meisten Schiffe ihre Transponder ab, um von Iran nicht klar identifiziert zu werden.

Dennoch bleibt der Schiffsverkehr mit durchschnittlich nur drei Schiffen pro Tag weit unter dem Vorkriegsniveau von über 100 Schiffen täglich.

Mögliche Gefahren

Durch die Strasse von Hormus fliesst gewöhnlich rund ein Fünftel des globalen Ölhandels. Entsprechend sensibel reagiert das System auf Störungen.

Wenn unklar wird, welche Signale verlässlich sind, steigen die Risiken: Fehlentscheidungen, Zwischenfälle auf See, steigende Versicherungskosten und Ausweichbewegungen von Reedereien.

Insider sprechen bereits von einer «digitalen Verminung» der Route – einer Meerenge, die derzeit nur unter hohem Risiko befahren wird.

Konflikt verlagert sich

Der Vorfall zeigt, wie sich Konflikte verändert haben. Neben militärischer Präsenz gewinnt die Kontrolle über Informationen an Bedeutung.

Die entscheidende Wirkung entsteht nicht durch Zerstörung, sondern durch Zweifel.

Und genau darin liegt die eigentliche Schwäche: Selbst eine hochgerüstete Macht verliert an Kontrolle, wenn sie nicht mehr sicher unterscheiden kann, was auf ihren eigenen Lagekarten noch real ist.

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