Im Nahen Osten verliert er die Kontrolle an allen Fronten
Trumps Kriegsstrategie fällt in den Panik-Modus

Heute Friedenspläne, morgen Bombenoffensive: Trumps Nahostpolitik gleicht einem Slalomlauf. Er verliert immer mehr die Kontrolle über den Krieg, den er mit Israel gegen den Iran angezettelt hat. Jetzt gerät er sogar in Panik.
Kommentieren
Donald Trump hat im Iran-Krieg die Kontrolle verloren.
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
RMS_Portrait_AUTOR_242.JPG
Guido FelderAusland-Redaktor

Man könnte mit Donald Trump (79) wegen seiner Hilflosigkeit fast Mitleid haben. Die Kontrolle über den Iran-Krieg, mit all seinen Folgen für die ganze Welt, entgleitet ihm immer mehr. Die Ereignisse der vergangenen Woche gleichen einer diplomatischen Geisterfahrt, die von imperialer Drohkulisse bis zu verzweifelten Friedensangeboten führt.

Trumps unberechenbarer Slalomkurs ist die Folge innenpolitischen Drucks, massiven Widerstands der Mullahs und einer bröckelnden Freundschaft mit Benjamin Netanyahu (76), den er nun sogar aufs Heftigste beschimpft. Trump steht mit dem Rücken zur Wand. Für ihn wirds ungemütlich.

Die folgende Chronologie zeigt die chaotische vergangene Woche und die konzeptlose Diplomatie des Weissen Hauses.

1/10
Donald Trump und Benjamin Netanyahu: Die Freundschaft bröckelt.
Foto: AFP
  • Die grosse Friedensillusion: Anfang vergangener Woche sorgte Trump für grosses Aufatmen. Er versprach einen grandiosen Deal, der unmittelbar bevorstehe.

  • Das Zurückrudern: Die iranischen Mullahs stellten kurz darauf klar, dass sie gar nichts unterschreiben, solange die US-Seeblockade nicht aufgehoben und die eingefrorenen Gelder nicht freigegeben würden.

  • Der Wutausbruch: Weil der Oman versuchte, mit dem Iran eine pragmatische Zolllösung zu finden, drohte Trump am Mittwoch, das Sultanat «in die Luft zu jagen».

  • Der Bruch des Waffenstillstands: Am Donnerstag liessen die USA die Verhandlungen fallen. Sie bombardierten iranische Raketenstellungen und Schnellboote nahe der Hafenstadt Bandar Abbas. Der Iran antwortete postwendend mit Raketenangriffen auf US-Stellungen im Irak und in Kuwait.

  • Das Wunschdenken: Obwohl der Iran am Montag die Friedensverhandlungen für beendet erklärte, kündigte Trump gleichentags ein Abkommen für «nächste Woche» an. 

Schimpftirade gegen Netanyahu

Trump kommt mit seinen Friedensplänen und der Öffnung der Strasse von Hormus einfach nicht vom Fleck. Zu allem Übel entgleitet ihm auch die Kontrolle über seinen Freund und Kriegspartner Benjamin Netanyahu. Der israelische Ministerpräsident torpediert Trumps Friedensbemühungen, wo er nur kann. Verständlich, denn: Eine Einigung Trumps mit Teheran würde bedeuten, dass Israel von seinem Kriegsziel, dem Sturz der Mullahs, abkommen oder dann den Krieg alleine weiterführen müsste. 

Mit seinen Kriegsplänen und seiner neuen Offensive gegen den Hisbollah im Libanon gefährdet Israels Regierungschef Trumps Friedenspläne. Dafür gab es am Montag eine heftige Ohrfeige: Trump schimpfte Netanyahu intern offenbar einen «fucking crazy», einen verdammt Verrückten.

Der unbeliebteste Präsident

Der aggressive Netanyahu hier, die widerspenstigen Iraner da: Trump steckt im Dilemma. Dazu kommt die Midterms-Uhr, die tickt. In fünf Monaten wählen die Amerikaner ein neues Repräsentantenhaus und einen Drittel des Senats.

Trumps Umfragewerte sind im Keller. Ende vergangener Woche sind die Zustimmungswerte in einer YouGov/The Economist-Umfrage auf ein Rekordtief von 34 Prozent gefallen. Es ist nicht nur der niedrigste Wert in Trumps beiden Amtszeiten, laut YouGov ist der Wert auch tiefer als jede Zustimmungsrate von Ex-Präsident Joe Biden (83). «The Economist» kürte Trump «zum unbeliebtesten Präsidenten seit Beginn unserer Umfrage im Jahr 2009».

Er hatte seinen Wählern versprochen, dass er Kriege beendet und Deals abschliesst. Statt auf Frieden setzt Trump aber auf Aggression – nicht nur im Iran, sondern auch gegen Venezuela und Kuba. Die Einsätze gefährden nicht nur das Leben von Amerikanern, sondern lassen weltweit auch die Benzinpreise explodieren. Seine Kriegs- und Blockadepolitik macht den wirtschaftlichen Erfolg zunichte, mit dem er im Wahlkampf getrumpft hatte. Bleibt der Nahost-Konflikt bis November ungelöst oder eskaliert sogar weiter, droht den Republikanern an der Urne ein Debakel.

Panik regiert

Teheran hat Trumps Schwachstellen erkannt. Die Mullahs wissen, dass er unter Zeitdruck steht und einen endlosen Flächenbrand vor den Zwischenwahlen unbedingt vermeiden will. Trump wird zunehmend in die Enge getrieben: Ausgerechnet er, der den Krieg mit dem Versprechen begann, den Iran an den Verhandlungstisch zu zwingen, steht nun vor einem Problem: Teheran ist durchaus zu Gesprächen bereit – aber nur gegen Gegenleistungen.

Der wilde Slalom zwischen Bomben und Friedensphrasen zeigt: Trump hat keinen strategischen Masterplan mehr. Er reagiert nur noch, während andere den Takt angeben. Die Drohungen gegen den Oman und die Schimpftiraden gegen Netanyahu sind Symptome eines Präsidenten, der immer mehr in Panik gerät.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen