Darum gehts
- Iran griff in der Nacht auf Mittwoch Golfstaaten, Schiffe und US-Ziele in der Region an
- USA blockierten drei Kamikaze-Drohnen und führten Gegenschläge auf Qeschm aus
- Centcom spricht von «unprovozierten Aggressionen»
- Bislang 122 Schiffe umgeleitet, weiteres sechstes Schiff gestoppt
Bei einer Serie koordinierter iranischer Angriffe haben US-Streitkräfte mehrere iranische ballistische Raketen und Drohnen abgefangen sowie Gegenschläge auf der iranischen Insel Qeschm durchgeführt. Die Angriffswelle ereignete sich in der Nacht auf Mittwoch während der weiterhin fragilen Waffenruhe in der Region.
Nach Angaben des U.S. Central Command (Centcom) feuerte Iran mehrere ballistische Raketen auf Golfstaaten ab. Zwei auf Kuwait gerichtete Raketen hätten ihr Ziel jedoch nicht erreicht oder seien während des Flugs auseinandergebrochen.
Die kuwaitische Armee warnte die Zivilbevölkerung davor, sich den Trümmern der abgefangenen feindlichen Luftziele zu nähern oder diese zu berühren.
Alle Angriffe abgewehrt
Drei weitere Raketen in Richtung Bahrain seien laut Centcom umgehend von US-amerikanischen und bahrainischen Luftverteidigungssystemen abgefangen worden.
Die Amerikaner sprechen von «unprovozierten Aggressionen» und weisen iranische Behauptungen zurück, dass das Hauptquartier der 5. US-Flotte in Bahrain sowie eine US-Luftwaffenbasis in der Region mit Raketen und Drohnen getroffen worden seien. «Alle iranischen Angriffe auf amerikanische Streitkräfte schlugen fehl», so das US-Zentralkommando.
Zivilschiffe im Visier
Kurz zuvor schossen US-Streitkräfte zudem drei sogenannte Kamikaze-Drohnen ab, die auf zivile Schiffe in internationalen Gewässern gezielt hätten. Diese «durchquerten rechtmässig regionale Gewässer» so Centcom. Als Reaktion führten amerikanische Kräfte Selbstverteidigungsschläge gegen eine iranische militärische Bodenstation auf der Insel Qeschm durch.
Verletzt wurde laut Centcom kein US-Personal. Die US-Streitkräfte blieben weiterhin in erhöhter Alarmbereitschaft und seien bereit, auf weitere iranische Angriffe während der laufenden Waffenruhe zu reagieren.
Die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus ist gegenwärtig zusätzlich durch eine Sabotageaktion von Hackern gefährdet. Unbekannte manipulieren Positionsdaten und digitale Seekarten, indem sie Schiffe mit provokanten Namen wie «IRGC GAY» oder «LGBTQ CREW» versehen und so gezielt das Lagebild der Schifffahrt verfälschen. Das schafft zusätzliche Risiken für Handel und Sicherheit in der ohnehin stark eingeschränkten Passage.
Weiterer Tanker mit Ziel Iran gestoppt
Stunden vor den iranischen Angriffen hatten US-Streitkräfte einen unbeladenen, unter botswanischer Flagge fahrenden Öltanker gestoppt, der Kurs auf den iranischen Hafen Kharg im Arabischen Golf nahm, schreibt Centcom auf X. Das US-Militär und US-Behörden verwenden in ihren offiziellen Bezeichnungen üblicherweise den Begriff «Arabischer Golf» statt «Persischer Golf».
Das Schiff habe mehrfach Warnungen und Anweisungen der US-Kräfte ignoriert. Schliesslich wurde es durch einen gezielten Angriff eines US-Flugzeugs mit einer Hellfire-Rakete in den Maschinenraum manövrierunfähig gemacht.
Insgesamt wollen die Amerikaner im Rahmen der anhaltenden Waffenruhe bereits sechs Handelsschiffe ausser Gefecht gesetzt und 122 umgeleitet haben.