Darum gehts
- Capri führt «Anti-Belästigungs-Verordnung» gegen aggressive Touristenwerbung ein
- Bussen zwischen 25 und 500 Euro für aufdringliche Anbieter
- 50'000 Besucher täglich in der Hochsaison auf der italienischen Insel
«Hey, mein Freund, nimm Platz. Wir haben das beste Essen der Stadt» oder «Du musst unseren Aperol Spritz probieren». Solche und andere Sprüche kennen viele Reisende. Nervige Verkäufer!
Nun soll damit Schluss sein – zumindest auf der beliebten italienischen Ferieninsel Capri.
Hier herrscht nämlich künftig eine «Anti-Belästigungs-Verordnung», die Besuchende vor lästigen Anbietern schützen soll, die ihr Angebot hartnäckig auf der Strasse anbieten.
Inselrundfahrten, Bootsausflüge und Gastrobetriebe
Wer stört, der wird bestraft. Laut dem Kommunikationsschreiben von Capri reicht das Bussgeld von 25 bis 500 Euro, also umgerechnet von 23 bis 460 Franken.
Besonders hebt die Insel hervor, «dass es sehr häufig zu aufdringlichem Verhalten seitens Gewerbetreibender oder deren Beauftragten kommt, die Passanten beharrlich ansprechen, um touristische Dienstleistungen» anzubieten. Dabei seien Inselrundfahrten, Bootsausflüge und Führungen als auch Mitarbeitende von Gastronomiebetrieben im Visier.
In der Mitteilung wird das lästige Anwerben als «kommerzielle Belästigung» bezeichnet, welche die öffentliche Ruhe stört und dem Image schadet.
Ein Ort besonders im Visier
Die italienische Insel steht auf der Reiseliste vieler Touristen. 50'000 Personen besuchen die Insel pro Tag in der Hochsaison. Ein beliebter Hotspot für nervige Werbende sind der Hafenbereich von Marina Grande und die Altstadt, weshalb die Insel diese Orte gemäss Mitteilung besonders im Auge behält.
Mit der neuen Verordnung reagiert die Stadt auf den Massentourismus. Nicht zum ersten Mal: Seit Anfang Jahr dürfen organisierte Reisegruppen nur noch eine Grösse von 40 Personen aufweisen.
Regel ist kein Einzelfall
Auch an anderen Orten gibt es Regeln, die den Besuchenden den Aufenthalt angenehmer machen sollen. Etwa am Gardasee. Im Dörfchen Torri del Benaco gilt diese Regel bereits seit vergangenem Sommer. Wer Touristen beim Flanieren bedrängt, kassiert eine Busse in Höhe von 25 bis 500 Euro. Auch Como hat seinen Artikel 27 ergänzt, indem das Bedrängen von Touristen verboten wird, wie der «Corriere del Ticino» berichtet.
Die lästigen Drängler haben sogar einen Namen: «Buttadentro» – auf Deutsch etwa «Reinschmeisser». In Italiens Gassen lauern sie vor Restaurants, sprechen Passanten an, drängen sie in Lokale. Fast wie Türsteher – nur aggressiver.
Comos Stadtpräsident Alessandro Rapinese (49) ist genervt: «Das zerstört die Qualität des öffentlichen Raums», beschreibt er ihr Verhalten. Die Regeln sollen helfen, dass Touristen bald wieder das tun können, was sie eigentlich möchten: das süsse Nichtstun geniessen – ohne Gedränge.