Iran wartet auf Bodeninvasion
Trump verkündet (wieder) Hormus-Sieg – und versteckt sich vor den Mullahs

Die Minen seien weggeräumt, die USA kontrollierten alles, behauptet der US-Präsident. Das ist weit weg von der Realität. Mit der Ernennung seines neuen Sicherheitschefs schaltet der Iran einen Gang höher. Trump hat jetzt schon Angst, wie eine neue Enthüllung zeigt.
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Schiffsreedereien und Versicherungen meiden die Strasse von Hormus weiterhin. Gerade mal 7 Frachter und Tanker haben die gefährliche Passage in den vergangenen 24 Stunden gewagt.
Foto: AFP

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Die Strasse von Hormus ist offen, alle Minen weggeräumt, die Mullahs zahlen der halben Welt Entschädigungen, und die Ölpreise sinken wieder. So malt sich Donald Trump (80) die Welt aus. Das machte er in der Nacht auf Dienstag im Weissen Haus erneut deutlich.

Nur hat Trumps wunderbare Welt wenig mit den wahren Zuständen auf unserer Kugel zu tun. Statt endlich rauf gehts in und rund um Hormus nämlich weiter steil nach unten. Und ausgerechnet jetzt kommts im Iran auch noch zu einem Personalwechsel, der Trump wahre Albträume bereiten dürfte.

Blicken wir kurz auf die Lage in Hormus: Die Strasse sei «zu 100 Prozent» unter der Kontrolle der US-Navy, behauptet Trump. Die Minen hätten die USA alle weggeräumt, neue würden sofort entfernt. Hormus sei offen. Nur: Die Schiffsreedereien und Transportfirmen scheinen sich da nicht ganz so sicher zu sein.

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Die Strasse von Hormus ist auch 164 Tage nach Kriegsausbruch weiter blockiert.
Foto: Getty Images

Laut dem «Hormuz Strait Monitor», einer unabhängigen Datenplattform, ist die Strasse weiter blockiert. In den vergangenen 24 Stunden sind gerade mal sieben Schiffe durch die Meerenge gefahren; ein Bruchteil der rund 130 Schiffe, die vor dem US-Angriff auf den Iran im Schnitt täglich passierten. 298 Tanker und Transportschiffe warten noch immer auf grünes Licht.

Amerika-Hasser übernimmt im Iran

Grosse Frachtunternehmen wie Hapag-Lloyd oder Maersk betonen, dass eine Durchfahrt durch Hormus aus Sicherheitsgründen nach wie vor nicht in Frage käme. Versicherungen verlangen bis zu 500'000 Dollar Prämie pro Tag und Schiff für Hormus-Policen. Das ist rund 30-mal teurer als vor dem Krieg.

Zwar hat der Iran mit dem benachbarten Oman offenbar einen neuen Deal ausgehandelt, der neue, sichere Routen durch die Meeresstrasse eröffnen würde. Allerdings machen die Mullahs die Unterzeichnung von amerikanischen Reparationszahlungen und der Aufhebung der Sanktionen abhängig.

Dass Trump den Mullahs nicht einen Cent zahlen wird, hat er klargemacht. In fast schon kindischer Manier forderte er die Iraner auf seiner Plattform Truth Social auf, doch selber erst mal Entschädigungsgelder an die Kriegsopfer, an die Familien der getöteten Pro-Demokratie-Demonstranten im Land und auch gleich noch an eine ganze Reihe Länder zu entrichten, die unter dem Iran in den vergangenen 25 Jahren gelitten hätten.

Die Zeichen stehen auf Konfrontation. Die Blockade ist und bleibt vorläufig der Normalzustand am Persischen Golf. Und das Regime in Teheran – scheinbar unbeeindruckt von allen amerikanischen Militärschlägen der vergangenen 164 Tage – schaltet jetzt noch einmal einen Gang höher.

Seit Anfang Woche nämlich fungiert dort Mohsen Rezai (71), ein Ex-General der Revolutionsgardisten und erklärter Amerika-Hasser, als oberster Sicherheitschef. Der studierte Ökonom hat die berüchtigten Revolutionsgardisten schon mit 27 kommandiert und sich einen Ruf als blutrünstiger Hardliner erarbeitet.

Trump versteckt sich in Container vor den Mullahs

Im April noch sagte Rezai, er wünsche sich nichts mehr als eine amerikanische Bodenoffensive. «Dann können wir sie alle als Geiseln nehmen und für jeden eine Milliarde Dollar Lösegeld verlangen.» Rezai sprach sich mehrfach deutlich gegen Verhandlungen und für militärische Kampagnen gegen die USA aus.

Wie sehr sich Trump offenbar von iranischen Vergeltungsmassnahmen fürchtet, zeigt jetzt eine neue Enthüllung der «Washington Post». Auf der Rückreise vom Nato-Gipfel in der Türkei vergangenen Monat wurde er in einem Catering-Wagen versteckt von seinem Präsidentenflieger in ein Militärflugzeug verladen und mit diesem nach Grossbritannien geflogen – aus Angst vor einem Mullah-Anschlag auf die Air Force One. 

Trumps Chancen, das Hormus-Ruder knapp drei Monate vor den Zwischenwahlen in den USA noch herumzureissen, schwinden. Die Ölpreise steigen, was wir alle in den kommenden Wochen an der Zapfsäule zu spüren bekommen werden. Die Stimmung derweil sinkt. Rekordhohe 58 Prozent seiner Mitbürger sind unzufrieden mit Trumps Präsidentschaft.

Dass er sich ob diesen düsteren Umständen in seine eigene Fantasiewelt flüchtet, ist verständlich. Realität aber wird Trumps ölgeschmiertes Schlaraffenland nur mit harten, schmerzhaften Zugeständnissen.

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