Iran steht im Verdacht
30 Wasserversorger in den USA gehackt – auch in der Schweiz wächst die Sorge

Wasser, Strom, Kommunikation: Ausgerechnet jene Infrastruktur, auf die wir jeden Tag angewiesen sind, wird zunehmend zum Angriffsziel. Die jüngsten Cyberattacken in den USA zeigen, warum der Westen seine Sicherheitsstrategie überdenken muss. Auch die Schweiz.
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Nach den Cyberangriffen in den USA rücken Wasserwerke plötzlich ins Zentrum der Sicherheitsdebatte.
Foto: AP Photo/Ellen Schmidt

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Über 30 Wasserwerke in Minnesota wurden am Wochenende Ziel von Cyberangriffen
  • US-Behörden vermuten iranische Hacker, Trump weist Verantwortung demokratischem Bundesstaat zu
  • 2024 und 2025 auch Cyberangriffe auf Wasserwerke in Polen, Dänemark beschuldigt Russland

Tausende Kilometer entfernt, irgendwo am Persischen Golf: Der Krieg zwischen den USA und dem Iran ist für die amerikanische Bevölkerung normalerweise weit weg. Oder war es. Denn plötzlich landet er dort, wo ihn niemand erwartet hätte: in amerikanischen Küchen, Badezimmern – in Wasserhähnen. Mehr als 30 Wasserwerke im Bundesstaat Minnesota sind am Wochenende Ziel koordinierter Cyberangriffe geworden. Kurz danach meldeten weitere Bundesstaaten ähnliche Vorfälle.

Noch laufen die Ermittlungen. Doch vieles deutet auf iranische Hacker hin. Genau das macht die Lage so brisant. Denn sollte sich der Verdacht bestätigen, hätte der Krieg zwischen den USA und dem Iran eine neue Eskalationsstufe erreicht. Er würde nicht mehr nur im Nahen Osten geführt – sondern mitten im Alltag der amerikanischen Bevölkerung. Genau diese Form der Kriegsführung bereitet auch Europas Sicherheitsbehörden seit Jahren Sorgen. Entsprechend wächst auch in der Schweiz die Sorge.

Der Krieg trifft den Alltag

Es gibt kaum ein verletzlicheres Ziel als ein Wasserwerk. Ohne Internet kommt ein Land irgendwie über die Runden. Selbst ein Stromausfall lässt sich oft überbrücken. Fällt aber die Trinkwasserversorgung aus oder verliert die Bevölkerung das Vertrauen in ihr Wasser, wird aus einem Cyberangriff innert Stunden ein gesellschaftliches Problem. Das Perfide daran: Die Angreifer müssen das Wasser gar nicht vergiften. Es reicht schon aus, wenn niemand mehr sicher weiss, ob das Wasser noch sauber ist.

Genau deshalb geraten Wasserwerke weltweit immer stärker ins Visier. Die Anlagen sind heute hoch digitalisiert, alles wird über vernetzte Computersysteme gesteuert. Gelingt es Hackern, diese Steuerungen zu übernehmen, können sie den Betrieb stören, Anlagen abschalten oder Versorger dazu zwingen, auf Handbetrieb umzustellen. Laut FBI und der US-Umweltbehörde EPA kam es bei den jüngsten Angriffen bereits zu «Druckverlusten und Überschwemmungen», berichtet die «New York Times». Die Behörden warnen zudem: Druckverlust könne dazu führen, dass unbehandeltes Grundwasser in die Leitungen eindringt.

Trump unter Druck

Brisant ist deshalb nicht nur der Angriff, sondern auch wie Washington darauf reagiert. Amerikanische Behörden warnen bereits seit Monaten, dass iranische Hacker gezielt kritische Infrastruktur ins Visier nehmen. Wasserwerke gehörten ausdrücklich dazu. Trotzdem spielte Donald Trump (80) die Vorfälle herunter. Statt den Verdacht gegen den Iran aufzugreifen, machte er den demokratisch regierten Bundesstaat Minnesota für die Angriffe verantwortlich.

Gleichzeitig werfen Experten der Regierung vor, die amerikanische Cybersicherheit geschwächt zu haben. Nach Stellenabbau bei der Cybersicherheitsbehörde Cisa fehlt ausgerechnet jener Behörde Personal, die solche Angriffe erkennen und abwehren soll. Für Trump ist das doppelt heikel. Der Krieg mit dem Iran belastet seine Umfragewerte bereits seit Monaten. Sollten nun auch noch Angriffe auf die amerikanische Infrastruktur zunehmen und nicht nur die Benzinpreise in die Höhe treiben, trifft der Konflikt endgültig jene Menschen, die Trump zu schützen versprach.

Schweiz ist wachsam

Europa erlebt diese Entwicklung seit Jahren. Immer wieder werden Unterseekabel beschädigt, Behörden attackiert oder Energieversorger ins Visier genommen. Hinter vielen Angriffen vermuten westliche Geheimdienste russische Akteure. In Polen und Dänemark wurden 2024 und 2025 auch Wasserwerke Ziel von Cyberattacken.

Auch in der Schweiz schaut man genau nach Minnesota – allerdings ohne in Panik zu verfallen. «Wir nehmen die Meldung aus den USA ernst, sie löst jedoch keine Panik aus», sagt die Organisation und Informatik der Stadt Zürich (OIZ). «Cyberangriffe, auch auf kritische Infrastrukturen, sind leider keine Ausnahme mehr und dem stellen wir uns.» Die Branche bereitet sich seit Jahren auf solche Szenarien vor. Bereits 2019 entwickelte der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) einen Cyber-Minimalstandard für Wasserwerke, inzwischen gehört Cybersicherheit zur Ausbildung von Brunnenmeistern und Wasserwarten. Dies, nachdem die Gemeinde Ebikon LU 2018 von Hackern angegriffen wurde.

Der Bund reagierte ebenfalls: Seit Frühjahr 2025 gilt eine Meldepflicht für Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen. Entwarnung gibt trotzdem niemand. Der Nachrichtendienst des Bundes warnt, dass «staatliche Cyberakteure aus Russland, China, dem Iran und Nordkorea die konkreteste Cyberbedrohung» für das Funktionieren des Staates darstellen. Gleichzeitig betont der NDB: «Für Sabotageangriffe auf kritische Infrastruktur in der Schweiz gibt es derzeit keinen Hinweis.» Die Schweiz fühlt sich also nicht akut bedroht – sie weiss aber, dass der nächste Angriff jederzeit auch sie treffen könnte.

Die Angriffe auf die amerikanischen Wasserwerke zeigen derweil vor allem eines: Zivile Infrastruktur ist längst Teil moderner Kriegsführung. Während Staaten Milliarden in Luftabwehr, Panzer und Raketen investieren, bleiben Wasserwerke, Kläranlagen und Stromnetze oft die schwächsten Glieder der Sicherheitsarchitektur.

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