Darum gehts
Da kommt Donald Trump (80) in Erklärungsnot: Wie soll er den Amerikanern beibringen, warum im Nahen Osten erneut mindestens zwei US-Soldaten getötet worden sind? Sie starben am Freitag bei einem Angriff der Iraner auf den US-Stützpunkt Muwaffaq Salti in Jordanien. Ein weiterer Soldat wird vermisst. Schon Anfang Woche gab es auf der Basis Verletzte.
Das eigentliche Problem für das Pentagon: Es war kein Zufallstreffer durch Massenbeschuss, sondern ein gezieltes Überlisten der hochgelobten US-Schutzschirme. Der erfolgreiche Schlag der Iraner ist auf ein technologisches Novum sowie auf Schützenhilfe der Chinesen und Russen zurückzuführen.
Die Geheimwaffe der Iraner sind sogenannte MaRV-Raketen. Das heisst Maneuverable Reentry Vehicles, auf Deutsch manövrierbare Wiedereintrittskörper. Im Gegensatz zu klassischen ballistischen Raketen, die einer berechenbaren Flugbahn folgen, können MaRVs – etwa mit Steuertreibwerken – ihre Flugbahn kurz vor dem Ziel verändern. So wie ein Hase Haken schlagen kann.
Wie US-Beamte gegenüber dem «Wall Street Journal» verraten haben, setzt der Iran Raketen ein, die «mit extrem hoher Geschwindigkeit fliegen und auf ihrem Weg zur Erde manövrieren können». Laut dem Institute for the Study of War (ISW) hat der Iran diese Art von Geschossen in vergangener Zeit intensiv weiterentwickelt. Während die Mullahs bisher mit mangelnder Genauigkeit kämpften und auf Massenbeschuss oder Streumunition ausweichen mussten, verfügen sie nun über eine präzise und zugleich unberechenbare Rakete. Es dürfte sich um das Modell Qassem Basir handeln.
Moskau und Peking liefern Daten
Doch die beste Rakete nützt nichts, wenn sie ihr Ziel nicht kennt. Auch hier haben die Iraner Fortschritte gemacht. Besser gesagt: Es sind offenbar die Chinesen und Russen, die ihnen zur Seite stehen. Laut «Financial Times» setzt der Iran einen chinesischen Aufklärungssatelliten sowie russische Informationen ein, um amerikanische Stellungen zu finden.
Geopolitik-Experte Klemens H. Fischer, der zurzeit über den chinesischen und russischen Einfluss im Iran-Krieg forscht, sagt gegenüber Blick: «Moskau liefert dem Regime in Teheran schon seit 2023 sehr genaue Berichte über amerikanische Satellitendaten. Diese Informationen ermöglichen es dem Iran auch, sich vorzeitig auf US-Angriffe einzustellen und Schäden dadurch zu minimieren.»
Dabei kommuniziere Moskau vermutlich nie die Gesamtlage, sondern nur Häppchen. Das hat laut Fischer zwei Gründe: «Einerseits erhält sich Moskau die Treue des Irans, der weiterhin Drohnen und Waffentechnologie liefert. Andererseits erschwert Russland damit die Rückverfolgbarkeit des Informationsflusses.»
Im Gegensatz zu Russland gehe China mit der Hilfe subtiler vor, meint Fischer. Peking mische sich offiziell nicht in fremde Kriege ein. Vielmehr sei China daran interessiert, dass die USA durch den Konflikt im Nahen Osten militärisch und politisch gebunden würden. «Ein gebundenes US-Militär verschafft China strategischen Spielraum in anderen Regionen», sagt Fischer.
Schickt Trump Bodentruppen?
Die vermehrten Bombardements auf iranischer sowie amerikanischer und israelischer Seite deuten auf eine neue Eskalation des Kriegs hin. Am Sonntag hat das Regime um den Obersten Führer Modschtaba Chamenei (56) das auf dem Bürgenstock NW initiierte Memorandum of Understanding, das zu Frieden führen sollte, definitiv ausgesetzt. Die iranischen Revolutionsgarden wollen nun vermehrt nicht nur militärische Ziele, sondern wirtschaftliche und technologische Infrastrukturen, die in Verbindung mit den USA stehen, ins Visier nehmen.
Iran-Experte Hamidreza Azizi, Gastwissenschaftler bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, schreibt auf X, dass die amerikanische Taktik wiederum auf eine mögliche Bodenoffensive hindeuten könnte. Die US-Armee greift zurzeit gezielt Strassen, Brücken, Militärverbände und Stellungen an. Zudem planten die Amerikaner, weitere Tankflugzeuge nach Israel zu verlegen, um Reichweite und Einsatzdauer der Kampfjets zu erhöhen.
Wie genau Trump seinen Wählern die Eskalation und den Kontrollverlust im Nahen Osten erklären will, bleibt wohl sein Geheimnis. Sicher ist: Wenn US-Soldaten in Särgen heimkehren, versteht die amerikanische Bevölkerung keinen Spass. Für Trump werden die Zwischenwahlen am 3. November zur Abrechnung über eine Nahost-Politik, die Amerika nicht schützt, sondern verwundbar gemacht hat.