Drei neue Horrorszenarien im Iran
Trump schaltet endgültig in den Zerstörer-Modus

Drei Monate vor den Zwischenwahlen in den USA steigt der Druck auf den US-Präsidenten, endlich einen Ausweg aus dem Schlamassel im Nahen Osten zu finden. Trump kennt anscheinend nur eine Richtung: maximale Gewaltanwendung.
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In Teheran werden Trump und sein Verbündeter Benjamin Netanyahu als blutrünstige Kriegsherren dargestellt.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Noch einmal richtig draufhauen, dann löst sich der persische Knoten schon noch irgendwie: Das scheint das Kalkül des US-Präsidenten im Nahen Osten zu sein. Fast fünf Monate nach seinem Angriff auf den Iran drückt der Krieg nicht nur Donald Trumps (80) Stimmung, sondern auch seine Umfragewerte: 69 Prozent der Amerikaner halten seine Iran-Strategie inzwischen für verfehlt.

Doch statt sich um eine friedliche Beilegung des Konflikts zu bemühen, setzt Trump allem Anschein nach voll auf Gewalt. Vielleicht auch, weil ihn der von ihm verachtete US-Kongress diese Woche schon zum zweiten Mal in einer symbolischen Abstimmung aufgefordert hat, den Krieg zu beenden. Am Freitag hat sich der US-Präsident mit seinen Beratern über mögliche Angriffsszenarien unterhalten. Klar ist: Der US-Präsident hat drei ganz konkrete Schritte aufgegleist, um den Krieg gegen die Mullahs noch einmal völlig neu eskalieren zu lassen.

Schritt 1: Drohung mit Angriffen auf zivile Infrastruktur

In einem Kurzinterview mit der Plattform Axios sagte Trump diese Woche, er erwäge «eine massive Attacke», «viel grösser als jemals zuvor». Die Iraner wollten nicht verhandeln. «Sie haben noch nicht genügend gelitten.»

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Donald Trump und sein selbst ernannter Kriegsminister Pete Hegseth setzen im Nahen Osten weiter auf Eskalation.
Foto: imago/UPI Photo

Das will der Republikaner mit einer radikalen Drohung ändern: Für jedes Schiff, das der Iran oder einer seiner Stellvertreter – etwa die Huthis im Jemen – im Persischen Golf attackiert, würden die USA eine iranische Brücke oder ein Kraftwerk zerstören.

Solche Angriffe wären höchst umstritten. Brücken und Kraftwerke sind grundsätzlich zivile Objekte. Um den Vorwurf von Kriegsverbrechen abzuwenden, müsste Washington für jede Brücke und jedes Kraftwerk nachweisen, dass die Mullahs sie auch für militärische Zwecke genutzt haben. Ein schier unmögliches Unterfangen.

Nach dem US-Angriff auf eine Schule im iranischen Mina, bei dem Ende Februar mindestens 160 Schulkinder getötet wurden, steht Trump ohnehin im Ruf, auf das Leben iranischer Zivilisten viel zu wenig Rücksicht zu nehmen.

Schritt 2: Bodenoffensive

Die Entsendung amerikanischer Bodentruppen wäre die extremste Eskalation, die das Weisse Haus anordnen könnte. Laut dem gut vernetzten früheren Trump-Sprecher Anthony Scaramucci (62) glaubt Trump, den Krieg ohne Bodentruppen nicht gewinnen zu können. Es sei wohl nur eine Frage von Tagen, bis er diesen folgenschweren «Fehler» begehe, sagte Scaramucci im Podcast «The Rest is Politics: US».

Indizien dafür gibt es: Laut dem «Wall Street Journal» haben die USA 150 Kriegsmediziner aus Amerika nach Europa verlegt, zusätzliche Kampfjets und Tankflugzeuge in den Nahen Osten entsandt und Spezialeinheiten in erhöhte Bereitschaft versetzt.

Eine klassische Invasion des iranischen Festlands bleibt unwahrscheinlich. Die Geografie begünstigt die Verteidiger und macht jedem Angreifer das Leben schwer. Das zeigte der Iran-Irak-Krieg: Als der Irak in den 1980er-Jahren von Westen her angriff, verlor er in acht Jahren in den iranischen Bergen mehrere Hunderttausend Männer.

Denkbar wäre dagegen der Versuch, die Charg-Insel einzunehmen, Irans strategisch wichtigen Öl-Hub im Persischen Golf. Wagt Trump diesen Schritt, dürfte die Zahl der amerikanischen Todesopfer – bislang 18 – rasch steigen.

Schritt 3: Die Huthi-Front

Die jemenitische Huthi-Miliz mit ihren rund 350'000 schiitischen Kämpfern hat diese Woche zwei saudische Schiffe angegriffen und droht, den Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer zu blockieren. Rund zwölf Prozent des Welthandels passieren die nur 27 Kilometer breite Meerenge. Dank ihrer engen Verbindung zum Iran verfügen die Huthi nicht nur über Raketen und Drohnen, sondern auch über Seeminen. Damit könnten sie das «Tor der Tränen» nach dem Vorbild der iranischen Strategie in der Strasse von Hormus schliessen.

Die Folgen für die Weltwirtschaft wären verheerend. Europäische Industrien, die auf Güter aus China oder Indien angewiesen sind, müssten mit wochenlangen Verzögerungen rechnen. Als Umweg bliebe nur die weite Route um das südafrikanische Kap der Guten Hoffnung.

Trump drohte den Huthi diese Woche direkt. Bisher hätten sie sich «professionell und gescheit» verhalten, schrieb er auf Truth Social. Jeden weiteren Angriff auf Handelsschiffe würden die USA mit extremer Härte ahnden.

Fazit: Gut drei Monate vor den amerikanischen Zwischenwahlen ist Trump drauf und dran, das Chaos im Nahen Osten vollends ausser Kontrolle geraten zu lassen. Für Millionen Menschen in der Region drohen weitere Wochen voller Angst und Schrecken. Die Ölpreise stehen so hoch wie noch nie in diesem Sommer.

Ein vernünftiger Einflüsterer, der den Commander-in-Chief in Washington zur Zurückhaltung bewegen könnte, ist noch immer nicht in Sicht.

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