Darum gehts
- Donald Trump (80) sieht sich auf neuer iranischer Todesliste ganz oben
- Israel übergab USA Geheimdienstinfos zu angeblichem Mordplan gegen Trump
- Iran fordert seit Soleimanis Tod 2020 Rache, Gefahr bleibt real
Dass der Iran den US-Präsidenten gerne tot sehen würde, ist nichts Neues. Das zeigte sich einmal mehr bei den Trauerfeiern für den getöteten früheren obersten Revolutionsführer Ayatollah Ali Chamenei (1939–2026). Mord- und Vernichtungsdrohungen gehören seit Jahrzehnten zum festen Repertoire iranischer Proteste gegen die vermeintlich böse westliche Unterdrückungsmacht – die Feindschaft zwischen beiden Ländern ist alt und tief.
Umso überraschender ist es, dass sich Donald Trump (80) von einer offenbar neuen Todesliste beeindruckt zeigt. «Ich stehe ganz oben», sagt er. Zudem wird von konkreten iranischen Anschlagsplänen berichtet, die Israel kürzlich an Washington übergeben haben soll. Doch wie ernst sind diese Drohungen zu nehmen? Stecken israelische Interessen dahinter? Und wie gefährdet ist Trump wirklich?
Was ist über den neuen Mordplan bekannt?
Sehr wenig. Laut «Wall Street Journal» hat Israel den USA neue Geheimdienstinformationen übergeben, die auf einen «frischen iranischen Plan» zur Ermordung von Präsident Trump hindeuten sollen. Details zum angeblichen Komplott wurden nicht genannt. Weder die israelische Botschaft in Washington noch die iranische Uno-Vertretung wollte sich dazu äussern. Das Weisse Haus verwies lediglich auf Trumps eigene Aussagen beim Nato-Gipfel in Ankara: «Sie wollen den US-Präsidenten ausschalten – mich. Ich stehe auf jeder Liste.»
Warum will der Iran Trump töten?
Teheran droht dem Präsidenten seit Jahren offen mit Rache. Also nicht erst seit der Ermordung Chameneis, sondern bereits seit der Tötung von General Qassem Soleimani (1957–2020) in Trumps erster Amtszeit. Der hochrangige Kommandeur der Revolutionsgarden wurde im Januar 2020 bei einem US-Drohnenangriff im Irak getötet. Soleimani galt als zweitmächtigster Mann im Iran und Architekt der iranischen Militärstrategie im Nahen Osten. Seine Ermordung war ein beispielloser Schlag gegen das Regime. Für den Iran ist die Rache an Trump seither eine Frage der Ehre und eine religiöse Pflicht.
Warum warnt ausgerechnet Israel jetzt?
Das Timing wirft Fragen auf. Die Warnung kam diese Woche – genau während der Beerdigung Chameneis mit den «Tod für Trump»-Rufen und während der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran wackelt. Hinzu kommt: Die Beziehung zwischen Trump und dem israelischen Premier Benjamin Netanyahu (76) ist angespannt. Netanyahu will den Iran-Krieg fortsetzen, Trump sucht einen Ausweg. Laut CNN betrachten einige Personen in der US-Regierung die israelische Warnung daher auch als Versuch, Trumps Entscheidungen zu beeinflussen und ihn von Friedensbemühungen mit dem Iran abzubringen.
Wie glaubwürdig sind die israelischen Informationen?
In Washington herrscht Skepsis. Die USA haben die Informationen bislang nicht selbst verifiziert und hatten vor der israelischen Warnung keine eigenen Hinweise auf einen solchen Plan. Laut CNN sind einige Mitglieder des US-Geheimdienstes grundsätzlich skeptisch gegenüber israelischen Berichten. Und wie bereits erwähnt: Die Warnung erfolgte zu einem Zeitpunkt, der Netanyahu in die Karten spielen könnte. Ob der Mordplan real ist oder die Warnung vielmehr dazu dient, Trump auf Konfrontationskurs zu halten, ist deshalb schwer einzuschätzen.
Wie gefährdet ist Trump wirklich?
Die Gefahr ist hingegen real. Der Iran hat in der Vergangenheit bereits konkrete Attentatsversuche unternommen. Im November 2024 wurde bekannt, dass Farhad Shakeri, ein Asset der Revolutionsgarden, beauftragt wurde, einen Plan zur Tötung Trumps vor der Wahl zu entwickeln. Im selben Jahr wurde Asif Merchant verhaftet, der die Ermordung von US-Regierungsbeamten plante und sich mit vermeintlichen Auftragskillern traf – in Wirklichkeit verdeckte Agenten. Die US-Regierung warnt seit Jahren, dass der Iran versuchen könnte, Trump zu töten. Ob der jetzt gemeldete Plan konkreter ist, ist unklar.
Was bedeutet das für den Waffenstillstand mit dem Iran?
Vermutlich weniger, als es scheint. Dass Trump auf iranischen Todeslisten steht, sollte ihm bekannt sein und ihn kaum überraschen. Laut CNN laufen die diplomatischen Gespräche zwischen Washington und Teheran trotz der jüngsten Kriegshandlungen im Hintergrund weiter. Ziel ist ein Nuklearabkommen bis Mitte August. Dass Trump die Morddrohungen nun so prominent vor der Presse thematisiert, passt wohl eher in sein aktuelles Narrativ der «verrückten» und «kranken» Iraner, die es unbedingt zu bekämpfen gilt.