Darum gehts
- Terroranschlag am Bondi Beach in Sydney fordert mindestens 16 Todesopfer
- Holocaust-Überlebender und Rabbiner aus Grossbritannien unter den Opfern
- 29 Personen verletzt, darunter ein Menschenrechtsanwalt mit Streifschuss am Kopf
Am Sonntagabend haben zwei mutmassliche Terroristen am berühmten Bondi Beach in Sydney das Feuer auf eine jüdische Feier eröffnet. Mindestens 16 Menschen kamen insgesamt ums Leben, 29 Personen wurden verletzt.
15 der Toten waren Opfer, einer der Schützen wurde von Sicherheitskräften getötet. Das ist über die Todesopfer bekannt.
Matilda P. * (†10), Schülerin aus Sydney
Das jüngste Opfer des antisemitischen Terrorangriffs ist die zehnjährige Matilda. Sie starb am Sonntagabend im Spital, nachdem sie während der Chanukka-Veranstaltung am Meer angeschossen wurde. In einem emotionalen Beitrag in den sozialen Medien bestätigte ihre Tante, dass das Mädchen getötet wurde.
«Eine grosse Tragödie ist über meine Familie hereingebrochen. Gestern wurde meine geliebte Nichte Matilda bei einem Terroranschlag in Bondi Beach getötet», schreibt die Tante laut der britischen Zeitung «Daily Mail».
Matilda sein ein «intelligentes, fröhliches und temperamentvolles Kind» gewesen, schreibt ihre Lehrerin auf der Spendenplattform GoFundMe, wo Geld für die Mutter des ermordeten Mädchens gesammelt wird.
Eli S. * (†41), Rabbiner aus Grossbritannien
Der in London geborene Rabbiner Eli S. gehört ebenfalls zu den Todesopfern des Blutbads. Seine Familie bestätigte den Todesfall gegenüber der britischen BBC. S. war Vater von fünf Kindern.
«Er war unglaublich lebhaft. Er sprühte vor Lebensfreude, war ein wirklich angenehmer, herzlicher Mensch, der es liebte anderen zu helfen und es war immer eine wahre Freude, sich mit ihm zu unterhalten», zitiert der britische öffentlich-rechtliche Sender seinen Cousin. David Adler, früherer Präsident der Australian Jewish Association, bestätigte den Tod des Mannes zudem auf der Plattform X.
Wie der israelische Sender Channel 12 berichtete, schrieb S. vor einigen Wochen einen Brief an den australischen Premierminister Anthony Albanese (62) und bat ihn um Unterstützung für Israel. «Sie haben die Möglichkeit, sich auf die Seite der Wahrheit und Gerechtigkeit zu stellen», soll S. dem Politiker mitgeteilt haben.
Alexander K.* (87), Holocaust-Überlebender
Er starb direkt neben seiner grossen Liebe: Der Holocaust-Überlebende Alex K. wurde am Sonntag bei dem Terroranschlag am Bondi Beach in Sydney vor den Augen seiner Frau erschossen. Larisa K. bestätigte dies gegenüber «The Australian». «Er kam zum Chanukka-Fest an den Bondi Beach, und für uns war das viele, viele Jahre lang immer ein sehr, sehr schönes Fest», zitiert die Zeitung K.
Weiter berichtete sie: «Wir standen da, als es plötzlich einen lauten Knall gab und alle fielen hin. In dem Moment war er hinter mir und beschloss, näher zu mir zu kommen. Er stemmte sich hoch, weil er in meiner Nähe bleiben wollte.» Laut «Daily Mail» hat das Paar zwei Kinder und elf Enkelkinder.
Dan E.* (27), junger Ingenieur aus Frankreich
Unter den Todesopfern des Anschlags am Bondi Beach ist auch ein französischer Staatsbürger. Das teilte Frankreichs Aussenminister Jean-Noël Barrot (42) am Sonntagabend mit.
«Mit tiefer Trauer haben wir erfahren, dass unser Landsmann Dan E.* zu den Opfern des abscheulichen Terroranschlags gehörte, der am ersten Tag von Chanukka jüdische Familien traf, die sich am Bondi Beach in Sydney versammelt hatten», schrieb Barrot in einem Post auf der Plattform X. «Wir trauern mit seiner Familie und seinen Angehörigen, mit der trauernden jüdischen Gemeinde und dem australischen Volk.»
Wie «Ynet» berichtete, war E. vor einem Jahr nach Australien ausgewandert. Er soll ein Ingenieur gewesen sein.
Reuven M.*, Einwanderer aus der Sowjetunion
M. wanderte 1970 aus der Sowjetunion nach Australien ein, wie der britische «Guardian» berichtet. Der Geschäftsmann sprach vor einem Jahr mit dem australischen Sender ABC über die Verfolgung jüdischer Menschen während des Kommunismus.
«Wir sind mit der Überzeugung hierher gekommen, dass Australien das sicherste Land der Welt ist», sagte M. damals. «Wir wollten unsere Kinder in einem sicheren Umfeld grossziehen.» Nun wurde er ausgerechnet in seiner neuen Heimat ein Opfer eines antisemitischen Terroranschlags.
Yaakov L.*, Rabbiner
Die «Times of Israel» nannte mit Yaakov L. einen weiteren Rabbiner als Opfer. L. arbeitete demnach in einem jüdischen Zentrum und für das religiöse Schiedsgericht in Sydney. L. war laut einer Crowdfunding-Seite ein «sehr beliebtes und aktives Mitglied der jüdischen Gemeinde in Sydney». Er setzte sich auch für Bildungsinitiativen bei BINA, einer Organisation, die sich als «jüdisches Zentrum des Lernens» bezeichnet, ein.
Der Ehemann und Familienvater sei der «Grundpfeiler seiner Familie» gewesen, heisst es auf der Crowdfunding-Seite. Er wird als «Mann von stiller Hingabe, bekannt für seine Freundlichkeit und seinen unermüdlichen Einsatz für andere» beschrieben.
Peter M.*, ehemaliger Polizeibeamter
Auch der ehemalige Polizeibeamte Peter M. verstarb bei dem Angriff. Das bestätigte der Randwick Rugby Club, den M. ehrenamtlich unterstützte, auf seiner Webseite. M. hatte als freiberuflicher Fotograf bei der Chanukka-Veranstaltung gearbeitet. «Er war eine sehr beliebte Persönlichkeit und eine absolute Legende in unserem Club», schrieb der Geschäftsführer des Clubs Mark Harrison.
M. war beinahe 40 Jahrebei der Polizei von New South Wales tätig. Das Fotografieren sein seine grosse Leidenschaft gewesen, hiess es vom Rugby-Club.
Tibor W.* (78), Mitglied der jüdischen Gemeinde
Er starb bei dem Versuch einen Freund der Familie zu schützen, teilte die jüdische Gruppierung Chabad mit. Nach Angaben der Organisation war Tibor W. ein «geliebtes» Mitglied der Bondi Chabad Synagoge. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen Enkelkindern besuchte der 78-Jährige die Veranstaltung.
Seine Enkelin Leor A. beschrieb ihn gegenüber der Australian Broadcasting Corporation als den «Besten, den man sich wünschen konnte». Nach ihren Angaben war W. 1988 aus Israel nach Australien ausgewandert.
Marika P.* (82), slowakische Staatsbürgerin
Ihre Mutter und ihr Onkel überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Doch die slowakische Staatsbürgerin Marika P. selbst kam beim Angriff in Sydney ums Leben, wie die Slowakische Jüdische Vereinigung auf Facebook schreibt. Nach Angaben des «Sydney Morning Herald» sei P. eine begeisterte Freiwillige und Mitglied des Harbour View Bridge Club in Sydney gewesen.
Sie erhielt zudem mehrere Auszeichnungen für ihren langjährigen Einsatz in der jüdischen Gemeinde. Die ehemalige Präsidentin der Slowakei Zuzana Čaputová bezeichnete P. als gute Freundin. In den sozialen Medien beschrieb sie die 82-Jährige als «aussergewöhnliche Frau, die ihr Leben in vollen Zügen gelebt hat». «Sydney war für sie ein sicherer Hafen, fernab von Faschismus und Kommunismus», schrieb sie weiter.
Die Verletzten
Über die Verletzten ist noch wenig bekannt. Bisher in Medien mit Namen erwähnt wurde nur wenige. Fünf Personen befanden sich am Montagmorgen noch in kritischem Zustand. Zwei Polizisten waren unter den Schwerverletzten, wie die Polizei bestätigte.
Der Menschenrechtsanwalt Arsen O.*hattte Glück. «Eine Kugel streifte meinen Kopf. Ich habe stark geblutet. Die Ärzte sagten, es sei ein Wunder, dass ich überlebt habe, so knapp war es», sagte der Jurist im Gespräch mit der «Jerusalem Post».
Er war im Moment der Schüsse in grosser Sorge um seine Familie. «Das Schlimmste war, in diesem Moment von meiner Frau und meinen Kindern getrennt zu sein. Ich wurde getroffen, als ich auf sie zuging. Zum Glück sind sie unverletzt davongekommen.»
O. verglich das Attentat in der australischen Metropole mit dem Angriff von Hamas-Kämpfern auf das Nova-Festival in Israel am 7. Oktober 2023. «Es war ein absolutes Blutbad, überall Kinder und ältere Menschen.»
Der Gemüsehändler Ahmed al A.* (43) entwaffnete mutig einen der Täter – und wurde dabei zweimal angeschossen, wie australische Medien berichten. Bestätigt ist das jedoch nicht. Auch er soll ins Spital eingeliefert worden sein.
* Namen bekannt