Hoffnung für Patienten
Können Abnehmspritzen Krebs stoppen?

Neue Hoffnung für Krebspatienten: Studien zeigen, dass Abnehmspritzen das Risiko für Metastasen bei Lungen-, Brust-, Darm- und Leberkrebs deutlich senken könnten. Blick hat bei einem Schweizer Experten nachgefragt.
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Haben Abnehmspritzen einen Einfluss auf die Krebsausbreitung im Körper?
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Neue Studie: Abnehmspritzen könnten Krebs-Metastasenbildung um bis zu 50 Prozent senken
  • GLP-1-Medikamente zeigen besonders bei Lungen-, Brust-, Darm- und Leberkrebs Wirkung
  • Mehrere Studien untermauern Ergebnis
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Janine EnderliRedaktorin News

In der Schweiz erhalten jedes Jahr rund 50'000 Menschen die Diagnose Krebs. Besonders gefährlich wird die Krankheit, wenn sich der Tumor im Körper ausbreitet und Metastasen bildet, da dies die Heilungschancen oft deutlich verschlechtert. 

Neue Forschungsergebnisse geben nun Anlass zu vorsichtiger Hoffnung: Bestimmte Medikamente, die auch als Abnehmspritzen bekannt sind, könnten mit einem geringeren Risiko für Metastasen verbunden sein.

Um welche Medikamente geht es?

Die sogenannten GLP-1-Medikamente, zu denen auch die in der Schweiz als Abnehmspritzen bekannten und zugelassenen Präparate gehören, werden bislang vor allem zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und starkem Übergewicht eingesetzt. «Sie wirken ähnlich wie das körpereigene Hormon GLP-1, helfen dabei, den Blutzuckerspiegel zu regulieren und fördern ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl», erklärt Prof. Dr. Andreas Wicki (49), Leiter des Tumorzentrums des Universitätsspitals Zürich gegenüber Blick. 

Doch möglicherweise können die Medikamente noch mehr. Neue Daten der Cleveland Clinic im US-Bundesstaat Ohio deuten darauf hin, dass sie nicht nur beim Abnehmen helfen, sondern auch die Ausbreitung bestimmter Krebsarten bremsen könnten. In einer grösseren Beobachtungsstudie mit rund 12'000 Krebspatienten traten unter GLP-1-Therapie bei einigen Krebsarten seltener Metastasen auf als in Vergleichsgruppen, die andere Diabetesmedikamente einnahmen.

Bei welchen Krebsarten zeigten sich Erfolge?

Besonders ausgeprägt war der Unterschied bei Lungen-, Brust-, Darm- und Leberkrebs, heisst es in der US-Studie. So entwickelten in der GLP-1-Gruppe 10 Prozent der Patienten mit Lungen- oder Brustkrebs Metastasen. In der Vergleichsgruppe, die andere Diabetesmedikamente erhielt, waren es rund 20 beziehungsweise 22 Prozent. Bei Darmkrebs lag der Anteil der Patienten mit Metastasen bei 13 Prozent statt 22 Prozent, bei Leberkrebs bei 19 statt 28 Prozent. Insgesamt war das Risiko für Metastasen je nach Krebsart um 38 bis 50 Prozent niedriger.

Wichtig: Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass die Medikamente Metastasen verhindern, wie Wicki erklärt. «Viele Patienten hätten vermutlich auch ohne GLP-1-Therapie keine Metastasen entwickelt.» Die Studie zeigt lediglich, dass Metastasen in der GLP-1-Gruppe seltener auftraten als in der Vergleichsgruppe.

Warum hatten die Präparate diesen Effekt?

Warum die Medikamente diesen Effekt haben könnten, ist noch nicht abschliessend geklärt. «Wir vermuten, dass das geringere Risiko zumindest teilweise auf den Gewichtsverlust durch die Medikamente zurückzuführen sein könnte», so Wicki. Starkes Übergewicht gilt als Risikofaktor für verschiedene Krebsarten und geht häufig mit chronischen Entzündungsprozessen sowie hormonellen Veränderungen im Körper einher. 

Ist die Hoffnung berechtigt?

Die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu interpretieren. Es handelt sich um Beobachtungsdaten, aus denen kein eindeutiger kausaler Schutz durch die Medikamente abgeleitet werden kann. Deshalb sollte man die Medikamente laut Wicki nicht ohne guten Grund verschreiben. «Ich würde sie nicht pauschal zur Krebsbehandlung verschreiben. Aktuell macht eine Gabe nur Sinn für Patienten, die eine zusätzliche Indikation haben.» Denn: Die Medikamente können auch Nebenwirkungen auslösen. «Wir müssen herausfinden, bei welcher Patientengruppe die Gabe wirklich sinnvoll ist. Das ist momentan noch die Knacknuss.» 

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