Vance unterstützt Orban bei Wahlkampf
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Zwei Tage in Ungarn:Vance unterstützt Orban bei Wahlkampf

Historische Wahl in Ungarn
Endet dieses Wochenende die Ära Viktor Orbán?

Ungarn steht vor einer entscheidenden Wahl. Wird Viktor Orbán seine umstrittene Herrschaft fortsetzen, oder bringt Péter Magyar den Wandel? Welche Themen die Wahl prägen, wer die Kandidaten unterstützt und warum diese Wahl für die EU von grosser Bedeutung ist.
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16 Jahre regierte Ministerpräsident Viktor Orbán in Ungarn.
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Wahlen in Ungarn: Orbán droht nach 16 Jahren Macht eine Niederlage
  • Péter Magyars Tisza-Partei führt in Umfragen mit 56 Prozent
  • Ein Regierungswechsel könnte EU-Kooperation und Rechtsstaatlichkeit stärken
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Daniel MacherRedaktor News

Am Sonntag könnte in Budapest Geschichte geschrieben werden. Nach 16 Jahren ununterbrochener Herrschaft droht Viktor Orbán (62) nicht nur ein Kopf-an-Kopf-Rennen, sondern womöglich eine historische Niederlage. Sein illiberales Staatsmodell, das er seit 2014 Schritt für Schritt aufgebaut hat, ist erstmals ernsthaft in Gefahr. Eine Übersicht mit den wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie ist die aktuelle politische Lage in Ungarn?

Ungarn wird seit 16 Jahren von Viktor Orbán und seiner Fidesz–KDNP-Koalition regiert. Diese Ära ist geprägt von einer Transformation zur «illiberalen Demokratie», stärkerer Medienkontrolle und wiederkehrenden Korruptionsvorwürfen.

Orbáns enge Beziehungen zu Russland und China sowie seine EU-kritische Haltung sorgen regelmässig für Spannungen in Europa – nicht zuletzt, weil sich seine Regierung trotz ihres konfrontativen Kurses grosszügig aus EU-Fördertöpfen bedient.

Wer tritt zur Wahl an – und wofür stehen die Kandidaten?

Viktor Orbán führt erneut Fidesz–KDNP ins Rennen. Sein Programm setzt auf nationale Souveränität, Familienförderung, Steuererleichterungen sowie eine protektionistische Industrie- und Agrarpolitik. Zentral bleibt auch seine harte Migrationslinie.

Als aussichtsreichster Herausforderer gilt Péter Magyar (45). Mit seiner Tisza-Partei fordert er mehr Rechtsstaatlichkeit, den Abbau von Korruption und eine stärkere EU-Integration – unterstützt jedoch ebenfalls eine restriktive Migrationspolitik.

Magyar setzt bewusst auf einen volksnahen Stil. In Jeans und Kapuzenpullover spricht er nicht nur urbane Wähler an, er gewinnt auch auf dem Land zunehmend Sympathien – und stellt damit Orbáns Machtgefüge infrage.

Weitere Kandidaten sind Klára Dobrev (54) von der Demokratischen Koalition mit sozialliberalem Programm sowie Adorján Béla (54) von Jobbik und László Toroczkai (48) von Mi Hazánk, die nationalistische und rechtsextreme Positionen vertreten.

Wer ist Péter Magyar?

Péter Magyars politischer Aufstieg begann 2024 nach einem umstrittenen Gnadenakt, der Ungarn erschütterte. Präsidentin Katalin Novák (48) begnadigte einen Heimleiter, der in einen Kindesmissbrauchsskandal verwickelt war. Die Entscheidung löste landesweite Empörung aus und führte zu Nováks Rücktritt.

Magyar, damals politisch noch kaum bekannt, nutzte den Moment und griff die Regierung scharf an. In einem viel beachteten Youtube-Interview prangerte er Korruption und Vetternwirtschaft im Orbán-System an. Kurz darauf schloss er sich der Tisza-Partei an und führte sie bei den Europawahlen 2024 zu einem überraschend starken Ergebnis.

Wer unterstützt die Kandidaten?

Orbán erhält Unterstützung aus verschiedenen internationalen Kreisen. US-Vizepräsident J. D. Vance (41) besuchte jüngst Budapest, um Orbán im Wahlkampf zu unterstützen, während Präsident Donald Trump (79) ihm öffentlich Rückendeckung gab. Auch von Russland und China erhält Orbán Unterstützung. Russland soll Desinformationskampagnen führen, während China wirtschaftliche Kooperationen intensiviert.

Auf der anderen Seite wird Péter Magyar von westlichen Demokratieförderungsprojekten und der EU unterstützt, die seine Reformbemühungen stärken.

Warum ist die Wahl für die EU so bedeutsam?

Ein Regierungswechsel könnte die EU in ihren Bemühungen um Rechtsstaatlichkeit stärken. Orbáns Blockadepolitik hat Brüssel immer wieder herausgefordert. Ein Sieg Magyars könnte die Zusammenarbeit erleichtern und die Freigabe blockierter EU-Mittel beschleunigen. Für die EU würde das wohl weniger politische Spannungen, weniger Korruptionsvorwürfe und weniger Blockaden bedeuten.

Wie stehen die aktuellen Umfragewerte?

Laut einer neuen Umfrage des schwedischen Instituts Idea liegt Magyar mit seiner Tisza-Partei derzeit deutlich vor Fidesz, wie der «Kyiv Independent» berichtet. Besonders klar ist der Vorsprung unter Wählern, die ihre Entscheidung bereits getroffen haben: 50 Prozent würden Tisza wählen, während Fidesz nur noch auf 37 Prozent kommt – ein Rückstand von 13 Prozentpunkten.

Auch unter allen Befragten liegt die Opposition vorn: Tisza erreicht 39 Prozent, Fidesz 30 Prozent. Rund 21 Prozent sind noch unentschlossen. Für die Umfrage wurden 1500 Menschen befragt. Entscheidend könnte am Ende die Mobilisierung in den ländlichen Wahlkreisen sein.

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