Harter Schlag gegen Putin-Plan
Jetzt startet Kiew seinen Space-Krieg gegen Russland

Dieses Wochenende ist den ukrainischen Streitkräften ein Treffer gelungen, der die Zukunft des russischen Angriffskriegs infrage stellt. Hunderttausende russische Soldaten könnten bald im Dunkeln tappen. Und das ist nicht das einzige, was Moskau beunruhigen muss.
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Für Wladimir Putin ist der Treffer ein harter Schlag. Die Sojus-Raketen sind zentral für sein vielleicht wichtigstes Modernisierungsprojekt in der russischen Armee.
Foto: Imago

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

1631 Tage nach dem Start des russischen Angriffs auf Kiew hat die Ukraine eine neue Kriegsphase eingeläutet. In der Nacht auf Samstag trafen ukrainische Flamingo-Marschflugkörper (Marke Eigenbau) die russische Raketenfabrik in Samara – 900 Kilometer hinter der Kriegsfront.

Der Treffer, festgehalten in spektakulären Videos, ist nicht einfach irgendein weiterer Schlag gegen die militärische Infrastruktur im weiten russischen Hinterland. Er markiert möglicherweise das Ende des grössten Modernisierungsprojekts der russischen Armee – und könnte Wladimir Putins (73) Soldaten bald blind ins Frontverderben rennen lassen.

Im Progress Rocket and Space Centre in der russischen Stadt Samara baut Russland seine Sojus-Raketen zusammen. Die Fabrik ist die einzige in Russland, die die Trägerraketen in Serie herstellt. Und ebendiese Sojus-Raketen haben für Putins Pläne in den vergangenen Monaten eine ganz neue Bedeutung erhalten.

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Mit diesen selbstentwickelten Flamingo-Marschflugkörpern hat die Ukraine am Wochenende die wichtigste russische Sojus-Raketenfabrik getroffen.
Foto: X Fire Point

Statt wie früher primär Wettersatelliten und Material für russische Weltraummissionen transportieren die Sojus-Raketen aus Samara seit März 2026 nämlich auch die neuen russischen Rasswet-Satelliten ins All. Die Satelliten sollen es Russland nach und nach ermöglichen, ein von westlichen Diensten komplett unabhängiges Satelliteninternet betreiben zu können. Eine Art russisches Starlink-System.

Moskau hat bereits 16 Rasswets im All

Das ist für die russischen Kriegspläne zentral. Keine Drohne trifft ihr Ziel ohne genaue und blitzschnell gelieferte Zieldaten. Und ohne Satelliten-Internet sind die russischen Sturmtruppen blind. Das zeigte sich, als Elon Musk (55) im vergangenen Winter alle von Russland gekaperten Starlink-Empfänger in den besetzten ukrainischen Gebieten abschalten liess und Putins Soldaten plötzlich im Dunkeln tappten. Es war, als hätte man den Nazis im Zweiten Weltkrieg plötzlich die Funkgeräte und die Feldtelefone weggenommen.

Putin weiss um die Wichtigkeit der stabilen Internetverbindungen an der Front. Bis 2035 will er insgesamt 924 Rasswet-Satelliten im All haben, hinauftransportiert von den Sojus-Raketen, deren Produktionsstätte die Ukraine jetzt arg in Mitleidenschaft gebombt hat. Wie gross der Schaden an der Fabrik in Samara genau ist, wird sich erst noch weisen. Dass überhaupt ein ukrainischer Angriff auf ein derart wichtiges Ziel Erfolg haben konnte, zeigt, wie arg es um Moskaus Flugabwehrfähigkeiten steht.

Ganz geplatzt sind Putins Weltall-Internet-Träume noch nicht. 16 seiner Rasswet-Satelliten kreisen bereits um die Erde (kein Vergleich zu den 10'876 Starlink-Satelliten, die durch den Äther schwirren). Sie liefern jeden Tag ein Zeitfenster von knapp 20 Minuten, in dem russische Truppen dank des Rasswet-Internets Ziele in der Ukraine anvisieren können. Bereits stehen in den russischen Kosmodromen, den Weltraumbahnhöfen, weitere Sojus-Raketen, die neue Satelliten hochbringen können.

Ukrainer töteten oder verwundeten im Juli 43'000 Russen

Putin hat also einen Mini-Puffer. Doch mit nur 16 Satelliten müssen seine Soldaten auf lange Zeit hinaus mühsam buffern. Das weiss auch Wolodimir Selenski (48), der ukrainische Präsident, der den Treffer in Samara ausgiebig kommentierte und als grossen Erfolg feierte.

Selenskis Einschätzung wird von Militärexperten weltweit geteilt. Der australische Ex-General Mick Ryan etwa bezeichnet den Flamingo-Angriff auf das Sojus-Werk als Start einer «faszinierenden neuen Phase» in diesem Krieg und sagt, die Ukraine habe damit das strategische Momentum zurückgewonnen. Sprich: Aus Kiew-Sicht läufts grad rund.

Das zeigen überdies auch die neuesten Zahlen des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Laut den dortigen Statistikern hat die ukrainische Armee im Juli 2026 fast 43'000 russische Angreifer getötet oder verwundet – Rekord. Zwar liegt die Zahl noch unter der von Selenski gesetzten Zielmarke von 50'000 ausgeschalteten Russen pro Monat.

Und niemand weiss, ob Putin die ganzen Verluste bereits diesen Herbst (kurz nach den russischen Parlamentswahlen im September) mit einer neuen Massenmobilisierung einfach ausgleichen wird. Bis zu 500'000 Männer könnte Putin bereits diesen Oktober neu aufbieten, glaubt der ukrainische Geheimdienst. Mit einer stabilen Internetverbindung dürfen sie in ihrem neuen Job nicht rechnen.

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