GIUK-Lücke ist «Dreh- und Angelpunkt für alle drei Grossmächte im Atlantik»
Trump konzentriert sich auf Grönland, dabei ist kleine Inselgruppe viel entscheidender

Die GIUK-Lücke ist ein Meeresstreifen, der sich von Grönland bis zum nördlichen Zipfel Schottlands zieht. China, Russland und die USA nehmen die Region verstärkt ins Visier. Was steckt dahinter?
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Dieser Meeresstreifen, der von Grönland bis zum nördlichen Ende Schottlands reicht, ist für China, Russland und die USA von grossem Interesse.
Foto: Google Earth

Darum gehts

  • Die GIUK-Lücke ist ein strategisch wichtiger maritimer Engpass im Nordatlantik
  • Russland könnte zivile Schiffe militärisch nutzen, was Nato-Staaten alarmiert
  • Wladimir Putin und Xi Jinping halten Nato im Nordatlantik für angreifbar
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marian NadlerRedaktor News

Island, Grönland und Grossbritannien: Sie alle liegen an einem der wichtigsten maritimen Engpässe der Welt, der sogenannten GIUK-Lücke. Benannt ist die Seepassage nach den drei Anrainerstaaten.

Für Russland stellt die Seestrasse eine der wichtigsten russischen Routen zwischen dem arktischen und atlantischen Ozean dar. Nato-Seestreitkräfte, darunter U-Boote der USA, patrouillieren im Nordatlantik verstärkt, aber auch russische U-Boote befahren den Seeweg.

Eigentlich müsste man dem GIUK noch ein F hinzufügen. Denn auch die Färöer-Inseln liegen in der Meereszone.

Washington ist die Relevanz der Lücke klar

Trotz Moskaus Angriffskrieg in der Ukraine ankern weiterhin russische Fischkutter an den färöischen Küsten, wie die «New York Post» schreibt. Einige färöische Politiker befürchten, dass Russland die Trawler zur Aufklärung oder zur Planung von Sabotageakten einsetzt. In den vergangenen Jahren wurden mehrere wichtige Unterseekabel in der Ostsee gekappt. Westliche Staaten beschuldigen Russland als Hauptverdächtigen.

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Russland hat im Zuge des Krieges auch die Marine-Doktrin angepasst. Zivilschiffe dürfen nun auch militärisch eingesetzt werden. Als Teil Dänemarks stehen die Färöer-Inseln unter Nato-Schutz. Šurdur Skala, Vertreter der Färöer-Inseln im dänischen Parlament, sagt, ohne die Nato würden die Russen die Inselgruppe «noch vor dem morgigen Frühstück besetzen».

Das musst du über die Guik-Lücke wissen.
Foto: Blick-Grafik / Marcel Aerni

US-Präsident Donald Trump (79) konzentrierte sich zuletzt vor allem auf einen anderen Teil der Lücke. Seine Grönland-Ambitionen haben die Nato verunsichert. Und deutlich gemacht: Washington ist die Relevanz der Lücke klar. Dafür spricht auch, dass Trump bei seiner Rede am WEF in Davos neben Grönland auch immer wieder von Island sprach. Kein Versprecher?

Der Geopolitik-Experte Klemens Fischer (62) unterstreicht die Bedeutung der Passage. «Aus militärischer Sicht stellt die GIUK-Passage für alle drei Grossmächte den Dreh- und Angelpunkt sämtlicher strategischen Überlegungen im Zusammenhang mit der operativen Nutzung des Polarkreises und des Atlantik dar», sagt er zu Blick. «Sowohl Russland als auch China spekulieren darauf, diese Lücke zu nutzen.»

Diese Rolle spielen die Färöer-Inseln in der GIUK-Lücke

Über die GIUK-Lücke könnten Moskau und Peking sowohl die Ostküste der USA als auch den Norden und Westen der europäischen Nato-Staaten bedrohen, erläutert Fischer. Den kleinen Färöer-Inseln im Zentrum der GIUK-Lücke kommt eine Schlüsselrolle bei der Kontrolle des Zugangs vom Nordpolarmeer zum Atlantik zu.

Am strategischen Herzstück der GIUK-Lücke zwischen Island und Schottland führt von Norden her kein Weg vorbei. Es ist der perfekte Kontrollpunkt für Seebewegungen. Zudem sind die Inseln zentral für den Schutz sensibler Unterwasser-Infrastruktur wie Kommunikationskabel. «Ein Verlust der Passage würde eine massive Schwächung der Stellung sowohl der Nato als auch der EU bedeuten», betont Fischer.

«Gegenwärtige Verwundbarkeit der Nato im Atlantik ist zu hoch»

Kremlchef Wladimir Putin (73) und Chinas Staatspräsident Xi Jinping (72) halten die Nato westlich von Norwegen für angreifbar – insbesondere am Meeresboden. «Nachrichtendienstliche Erkenntnisse lassen den Schluss zu, dass Russland die Kartierung kritischer Meeresbodeninfrastrukturen in der Nordsee und vor der Küste Dänemarks in den vergangenen Jahren massiv vorangetrieben hat. Dieselben nachrichtendienstlichen Quellen bestätigen, dass Russland nicht nur den Willen hat, diese Infrastruktur zu attackieren, sondern auch die Fähigkeiten», weiss Fischer, der an der Universität zu Köln in Deutschland lehrt.

Er geht davon aus, dass Marine-, Luftwaffe- und Cybereinheiten an einem Angriff beteiligt wären. Für Fischer ist klar: «Entscheidend ist, dass ein Angriff abgewehrt werden muss, da die gegenwärtige Verwundbarkeit der Nato im Atlantik zu hoch ist und dementsprechend zu Folgeverlusten führen könnte, die die Abwehrfähigkeit des europäischen Nato-Flügels auch an der kontinentalen Ostflanke beeinträchtigen würde.» Heisst: Greifen Russland oder China im Nordatlantik an, hätte das auch Folgen für den Konflikt mit Russland im Osten Europas.

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