Darum gehts
- Gina H. (30) will im Mordprozess gegen sie erstmals Fragen beantworten
- Fabian (†8) wurde 2025 ermordet, seine Leiche verbrannt bei Güstrow aufgefunden
- Befragung der Hauptverdächtigen am 10. September, 25. Verhandlungstag
Gina H.* (30) wird vorgeworfen, den kleinen Fabian (†8) umgebracht zu haben. Seit mehreren Wochen wird ihr in Rostock der Prozess gemacht. Am Dienstag wird im Rahmen des 25. Verhandlungstages bekannt: Die Angeklagte möchte vor Gericht Fragen zu ihrer Einlassung beantworten. Bisher hatte sie lediglich ein ausführliches Dokument vorgelesen. Der 10. September wurde nun für die Befragung der Hauptverdächtigen reserviert.
Fabian verschwand am 10. Oktober 2025 nahe der norddeutschen Stadt Güstrow und wurde Tage später tot an einem Tümpel aufgefunden. Die Leiche des Buben war verbrannt, tagelang suchten die Ermittler nach dem Täter. Nach einiger Zeit dann die Nachricht: Gina H. – die Ex-Freundin von Fabians Vater – steht unter Mordverdacht. Sie soll den Achtjährigen in einen Hinterhalt gelockt und getötet haben.
Am Dienstag tauchten einige neue Details zum Verhalten der Angeklagten kurz nach dem Leichenfund und während ihrer Inhaftierung auf. Diese werfen nun ein neues Licht auf die Rolle von Gina H., die sich nach wie vor selbst als grösstes Opfer präsentiert.
Gina H. war «sozial verunsichertes Kind»
Am Dienstag kam eine AWO-Mitarbeiterin (63), die Gina H. bereits als Kind betreut hatte, nochmals zu Wort. Die Angeklagte sei ein «sozial verunsichertes Kind» gewesen, beschrieb sie. Gina H. sei «sehr loyal gegenüber denen, die sie als Freunde gesehen hat». Dadurch hätte sich die Angeklagte «möglicherweise auch mal in Gefährdungssituationen gebracht, um diese zu schützen», führte die Zeugin aus.
Weiter erklärte sie, Gina H. sei als Kind gemobbt worden. So wäre ihr Thek in den Mülleimer gesteckt oder ihre Haare angezündet worden, wie die AWO-Mitarbeiterin von H.s Grossmutter erfahren habe.
Manipulative Tendenzen im Gefängnis
Am Dienstag sagte auch die Gefängnispsychologin aus, die Gina H.'s Verfassung analysierte. Gina H. habe in den Gesprächen mit der Psychologin «überfordert, aufgelöst, besorgt und sehr emotional» gewirkt. Im Gefängnis hätten sie die anderen Inhaftierten zudem wegen der Mordvorwürfe angefeindet. Später habe sich die Angeklagte jedoch immer öfter fröhlich und lachend gezeigt.
Gleichzeit beteuere sie immer wieder ihre Unschuld. «Sie sagt: Ich war das nicht, ich bin unschuldig! Man will ihr was anhängen.» Zu Beginn habe H. auch gesagt: «Man will ihr das in die Schuhe schieben».
Im Gefängnis sei die Hauptverdächtige ausserdem wegen «manipulativer Tendenzen» aufgefallen. «Sie versucht, Kollegen und Schichten gegeneinander auszuspielen. Wenn sie bei einer Kollegin nicht das gewünschte Ziel erreicht, fragt sie direkt bei der nächsten nach, mit dem gleichen Anliegen», so die Psychologin. Solches Verhalten sei laut der Psychologin unter den Häftlingen allerdings verbreitet.
Gina H. empfängt Wärter in Unterwäsche
Der Schöffe machte zudem auf einen Vermerk vom 25. Dezember 2025 aufmerksam. Darin heisst es, dass Gina H. «sehr freizügig» an die Zellentür trete, auch bei männlichen Bediensteten – nur in Unterwäsche gekleidet. «Na gut, das ist ihr privater Wohnraum, aber wie sie gekleidet ist, das kann ich nicht sagen», antwortete die Psychologin darauf.
Zwei Tage nach Leichenfund Sex mit Fabians Vater
Im Verlauf der Anhörung wurden auch mehrere Sprachnachrichten von Gina H. abgespielt. Darunter eine Nachricht, der zu entnehmen ist, dass H. nur zwei Tage, nachdem sie die Leiche von Fabian unter fragwürdigen Umständen gefunden hatte, Sex mit dessen Vater hatte. In einer anderen Sprachnachricht von Gina H. an Fabians Vater, drückte die Angeklagte aus, dass es ihr noch schlechter gehe als ihm: «Das, was du durchmachst, ist schon alles scheisse genug, aber das, was ich hier gerade durchmachen muss und das alles alleine … das geht alles an die Psyche.»
«Wen interessiert es, wenn andere Kinder sterben»
In einer Sprachnachricht an einen Nachbarn ärgerte sich Gina H. über die Aufmerksamkeit, die dem Tod von Fabian gewidmet wurde. «Ganz plötzlich trauert ganz Mecklenburg-Vorpommern, obwohl ihn keiner kennt. Find ich jetzt auch nicht schlimm, ist ja auch schön. Wen interessiert es, wenn andere Kinder sterben? Für andere Kinder, die missbraucht werden, so wie damals in Güstrow, da hat auch kein Hahn nach gekräht», sagte sie.
Brisante Aussage zu Neuanfang mit Fabians Vater
In einer Sprachnachricht vom 19. Oktober 2025 machte Gina H. gegenüber Fabians Vater zudem eine brisante Aussage: «Es wäre auch ein Neuanfang, den man irgendwie versuchen könnte, in jegliche Richtung gemeinsam irgendwo dazu sein füreinander.» Diese Aussage sticht besonders ins Auge, da die Staatsanwaltschaft Gina H. vorwirft, Fabian ermordet zu haben, um einen Streitpunkt in der Beziehung mit Fabians Vater zu beseitigen.
*Name bekannt