Darum gehts
- Ein Foto von Salat mit Tomate aus Japan geht viral
- Der Marketing-Trick bekommt auf X fast 4 Millionen Aufrufe
- Engagement-Farm-Accounts verdienen bis zu 200 Dollar pro viralem Post
Manchmal braucht es nicht viel, um im Internet Aufmerksamkeit zu bekommen. In diesem Fall reicht bloss ein Foto von verpacktem Salat. Der Post auf X wurde inzwischen fast 4 Millionen Mal angeschaut.
Es ist ein seltsamer Anblick. Zu sehen sind halbe, eingeschweisste Salatköpfe und vorne eine einzelne rote Tomate. Es wirkt fast, als ob der Salat eine Clownsnase verpasst bekommen hätte. Dazu schreibt die Userin auf Türkisch: «Ich bin zum Supermarkt gegangen und sie haben halbe Kopfsalate verkauft, in denen jeweils eine Kirschtomate drin war. Weiss jemand, was der Sinn dahinter ist?»
Das Bild stammt aus Japan
Und das grosse Rätselraten beginnt. Vielleicht soll es einfach nur schön aussehen, mutmassen einige. Oder aber es ist ein kleines Geschenk vom Supermarkt. Ganz nach dem Motto: Kaufe den Salat und du kriegst eine Tomate extra.
Gleichzeitig kommen schnell Zweifel auf, ob das Foto in der Türkei entstanden ist. Denn: Auf dem Bild ist eindeutig die japanische Währung Yen zu sehen. Tatsächlich stammt das Foto aus Japan. Es zirkuliert schon seit Jahren im Netz und sorgt immer wieder für Aufsehen.
Trick, um Geld zu verdienen
Hinter der Tomate steckt kein grosses Geheimnis. Es ist tatsächlich ein Marketing-Trick. Die einzelne Tomate macht den Salat zu einem Hingucker. Warum aber die erfundene Geschichte hinter dem Post aus der Türkei.
Unter den Kommentaren findet sich ein User, der dahinter eine gezielte Aktion vermutet, um Geld zu machen. Es geht dabei allein um viel Aufmerksamkeit und Interaktion in Form von Likes und Kommentaren. Er schreibt: «Engagement-Farm-Accounts generieren 20 bis 200 US-Dollar pro viralem Post über X Revenue Sharing.»
Tatsächlich lässt sich auf diese Weise mit X Geld verdienen. X beteiligt Creator an Werbeeinnahmen, wenn die Inhalte viele Impressions und Interactions sammeln. In Antworten auf Tweets mit viel Engagement werden Anzeigen eingeblendet, und der Account bekommt einen Anteil an den Einnahmen – je mehr Engagement, desto mehr Geld pro viralen Post.
Hantavirus und Trump-Anschlag
Doch der Klick-Betrug hat eine düstere Seite. Was beim Salat noch lustig ist, wird bei Krankheiten brandgefährlich. Genau so entstand das Rätsel um den Hantavirus-Propheten. Und das kann Verschwörungstheorien befeuern. Ein kleiner, unbedeutender Account namens Soothsayer (zu Deutsch «Wahrsager») soll exakt das Ende von Corona und den Anfang vom Hantavirus vorhergesagt haben – und zwar vor vier Jahren schon. Konkret: am 11. Juni 2022.
Das Prinzip dürfte schon beim Anschlag auf US-Präsident Donald Trump (79) zum Einsatz gekommen sein. Dafür werden unzählige Accounts erstellt. Solche Accounts posten Tausende Kombinationen von Daten und Krankheiten – und löschen später alles, was nicht eingetroffen ist. Was übrig bleibt, sieht aus wie ein Wunder. Ist aber nur Statistik.