Darum gehts
- Pastor Douglas Wilson fordert Frauen politische und gesellschaftliche Unterordnung
- Er unterstützt Abschaffung des Frauenwahlrechts und schockiert mit sexistischen Aussagen
- US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ist Mitglied seiner Glaubensgemeinschaft
Douglas Wilson (72) inszeniert sich gern als freundlicher, väterlicher Pastor. Hinter diesem Auftreten steht jedoch ein radikales Weltbild, in dem Frauen politisch, gesellschaftlich und religiös klar untergeordnet sind. Der Mitbegründer der Communion of Reformed Evangelical Churches in Moscow im Bundesstaat Idaho hat über Jahrzehnte ein konservativ-evangelikales Netzwerk aufgebaut, dessen Einfluss längst weit über die eigene Gemeinde hinausreicht. Seine Ideen gelten heute nicht mehr als Randphänomen provinzieller Fundamentalisten.
Besonders brisant ist Wilsons Nähe zur politischen Macht. Nach Angaben des Pentagons gehört auch der selbst ernannte Kriegsminister Pete Hegseth (45) seiner Glaubensgemeinschaft an. Ein Sprecher bezeichnete ihn sogar als «stolzes Mitglied» der Kirche und erklärte, Hegseth schätze «viele Schriften und Lehren von Herrn Wilson sehr». So sehr, dass er den radikal-konservativen Pastor schon im Pentagon predigen liess – was ihm direkten Anschluss ans Zentrum republikanischer Macht gab.
Frauenwahlrecht infrage gestellt
Wie weit Wilsons Vorstellungen reichen, zeigt sich besonders deutlich an seinem Frauenbild. Laut dem «Atlantic» sprach er sich dafür aus, den 19. Verfassungszusatz der USA abzuschaffen – und damit das Frauenwahlrecht. In seinem idealen System, sagte er, «würden wir es in der Politik genauso handhaben wie in der Kirche. Und das heisst, wir würden nach Haushalt wählen.» Was so viel bedeutet wie: Frauen sollen nicht als eigenständige Bürgerinnen auftreten, sondern als Teil eines männlich geführten Haushalts.
Wilson vertritt ausserdem die Ansicht, dass Frauen «normalerweise» keine politischen Ämter übernehmen sollten und sich auch nicht an Kampfeinsätzen beim Militär beteiligen sollten. Zudem soll es laut seiner Position Ehemännern erlaubt sein, im Fall von Regelverstössen über Aspekte wie Gewicht, Ausgaben oder Fernsehprogramm ihrer Ehefrauen zu entscheiden. Auch seine Sprache macht diese Haltung deutlich. Über Frauen äusserte sich Wilson wiederholt in offen herabwürdigender Weise, etwa mit Formulierungen wie «kleinbrüstige Weiber» oder «Holzfäller-Lesben».
«Gottesfürchtige Frauen sollen still sein»
Wilson begründet seine Positionen religiös. Sein Maskulinismus basiert auf der Vorstellung einer männlichen «Oberhauptrolle» innerhalb der Familie sowie auf der paulinischen Forderung, gottesfürchtige Frauen sollten «still sein». Damit ist meist die Forderung des Paulus gemeint, dass Frauen sich in der Gemeinde still verhalten und der männlichen Ordnung unterordnen sollen. Es leitet sich aus Stellen wie 1 Korinther 14 und 1 Timotheus 2 ab, die von vielen konservativen Christen als Beleg für weibliche Unterordnung gelesen werden.
Ehe, Kirche und Staat erscheinen in seinem Denken als Bestandteile derselben Ordnung: oben der Mann, darunter die Frau. In dieses Bild passt auch seine Aussage über die biblische Rolle der Frau: «Die Bibel sagt, eine gottesfürchtige Frau sei die Krone ihres Mannes.»
Was früher wie die schräge Position eines fundamentalistischen Predigers wirkte, liegt heute deutlich näher am politischen Mainstream konservativer Kreise. Nicht nur die Mitgliedschaft von Pete Hegseth verweist auf Wilsons Nähe zu Washington. Auch Teile von Donald Trumps (79) Maga-Bewegung vertreten ein ähnliches Frauenbild.