Darum gehts
- Bei einem Unfall in New York starben am 22. März zwei Menschen
- Fehlerhafte Kommunikation führte zur Kollision von Flugzeug und Feuerwehrfahrzeug
- NTSB sicherte 25 Stunden Audio- und 80 Stunden Flugdatenaufzeichnungen
Zwei Menschenleben forderte der tragische Unfall beim Flughafen LaGuardia am Sonntagabend (Ortszeit) in New York. Nun konnten Audioaufzeichnungen aus dem Cockpitrecorder von Air Canada gewonnen werden, die auf sich überlagernde Fehler hinweisen, wie «Daily Mail» berichtet.
Wie am Dienstag bekanntgegeben wurde, hat ein Fluglotse dem Flug aus Montreal die Landung auf Piste 4 erlaubt und zugleich dem ebenfalls im Unfall verwickelten Feuerwehrfahrzeug die Fahrt auf der gleichen Piste freigegeben. Wie die «Washington Post» berichtet, soll eine Person für den Verkehr verantwortlich gewesen sein. Die Cockpitaufnahmen zeigen gemäss «Daily Mail», dass nach der ersten Fehlkommunikation gegen ungefähr 23.40 Uhr am Sonntag auch das Oberflächen-Sicherheitssystem des Fahrzeugs keine Warnungen für die Fluglotsen auslöste.
Der Unfallhergang rekonstruiert
«Stopp, LKW 1, Stopp!», funkt der Fluglotsen an das Fahrzeug. Kurz nach dem Unfall folgt ein weiterer Funkspruch: «Ich habe Mist gebaut.» Die Nationale Behörde für Transportsicherheit (NTSB) rekonstruiert den Fall. Doug Brazy, leitender Ermittler für Flugunfälle, erklärt, dass mehr als 25 Stunden Audiomaterial gesichert werden konnten. Der Flugdatenschreiber liefert 80 Stunden Material, das nun ausgewertet wird.
Zu Beginn verläuft die Air-Canada-Landung nach Plan. Doch dann meldet eine Maschine von United Airlines am Flughafen LaGuardia einen ungewöhnlichen Geruch an Bord. Ein Noteinsatz der Flughafen-Feuerwehr wird ausgelöst. Das später in den Unfall verwickelte Feuerwehrfahrzeug macht sich auf den Weg.
2 Minuten, 45 Sekunden vor Landung
Die Besatzung fährt das Fahrwerk aus.
2 Minuten, 22 Sekunden
Die Flugbesatzung meldet sich beim Tower von LaGuardia.
2 Minuten, 17 Sekunden
Der Tower von LaGuardia erteilt dem Flugzeug die Landefreigabe für Piste 4 und teilt mit, dass es als Nummer zwei zur Landung anstehe.
1 Minute, 26 Sekunden
Ein «Electronic-1000-Callout» wird vom sogenannten Enhanced Ground Proximity Warning System (EGPWS) ausgelöst – ein Sicherheitsradar in Flugzeugen, das Kollisionen mit dem Boden oder Hindernissen verhindert. Dieses zeigt an, dass sich das Flugzeug 1000 Fuss über dem Boden befindet.
1 Minute, 12 Sekunden
Die Flugzeugbesatzung bestätigt, dass die Checkliste für die Landung vervollständigt ist.
1 Minute, 3 Sekunden
Ein Flughafenfahrzeug funkt den Tower an, doch diese Übertragung wird von einer anderen Funkmeldung überdeckt. (Die Quelle dieser zweiten Übertragung wird bislang noch identifiziert.)
0 Minuten, 54 Sekunden
Die Flugbesatzung bestätigt, dass sich das Flugzeug noch 500 Fuss über den Boden befinde und im stabilen Anflug sei.
0 Minuten, 40 Sekunden
Der Tower von LaGuardia fragt, welches Fahrzeug eine Piste überqueren müsse.
0 Minuten, 28 Sekunden
Das Fahrzeug 1 funkt den Tower von LaGuardia an.
0 Minuten, 26 Sekunden
Der Tower bestätigt diese Funkmeldung.
0 Minuten, 25 Sekunden
Das Fahrzeug 1 fragt beim Tower an, ob es die Piste 4 beim Rollweg Delta überqueren dürfe.
0 Minuten, 20 Sekunden
Der Tower erteilt Fahrzeug 1 die Freigabe.
0 Minuten, 19 Sekunden
Ein «Electronic-100-Callout» des EGPWS wird ausgelöst. Das Flugzeug befindet sich also 100 Fuss über Grund.
0 Minuten, 17 Sekunden
Fahrzeug 1 bestätigt die Freigabe zum Überqueren der Piste.
0 Minuten, 12 Sekunden
Ein «Electronic-30-Callout» wird durchgegeben. Das Flugzeug befindet sich noch 30 Fuss über Grund. Gleichzeitig instruiert der Tower einen Flug von Frontier Airlines, an seiner Position zu bleiben.
0 Minuten, 9 Sekunden
Der Tower weist Fahrzeug 1 an, anzuhalten. Der Fluglotse bemerkt seinen Fehler.
0 Minuten, 8 Sekunden
Ein Geräusch deutet darauf hin, dass das Flugzeug gelandet ist.
0 Minuten, 6 Sekunden
Es kommt zu einer Übergabe der Steuerung von einem Piloten an den anderen.
0 Minuten, 4 Sekunden
Der Tower weist Fahrzeug 1 erneut an, anzuhalten. Wenig später kommt es zur Kollision.
2 Minuten, 45 Sekunden vor Landung
Die Besatzung fährt das Fahrwerk aus.
2 Minuten, 22 Sekunden
Die Flugbesatzung meldet sich beim Tower von LaGuardia.
2 Minuten, 17 Sekunden
Der Tower von LaGuardia erteilt dem Flugzeug die Landefreigabe für Piste 4 und teilt mit, dass es als Nummer zwei zur Landung anstehe.
1 Minute, 26 Sekunden
Ein «Electronic-1000-Callout» wird vom sogenannten Enhanced Ground Proximity Warning System (EGPWS) ausgelöst – ein Sicherheitsradar in Flugzeugen, das Kollisionen mit dem Boden oder Hindernissen verhindert. Dieses zeigt an, dass sich das Flugzeug 1000 Fuss über dem Boden befindet.
1 Minute, 12 Sekunden
Die Flugzeugbesatzung bestätigt, dass die Checkliste für die Landung vervollständigt ist.
1 Minute, 3 Sekunden
Ein Flughafenfahrzeug funkt den Tower an, doch diese Übertragung wird von einer anderen Funkmeldung überdeckt. (Die Quelle dieser zweiten Übertragung wird bislang noch identifiziert.)
0 Minuten, 54 Sekunden
Die Flugbesatzung bestätigt, dass sich das Flugzeug noch 500 Fuss über den Boden befinde und im stabilen Anflug sei.
0 Minuten, 40 Sekunden
Der Tower von LaGuardia fragt, welches Fahrzeug eine Piste überqueren müsse.
0 Minuten, 28 Sekunden
Das Fahrzeug 1 funkt den Tower von LaGuardia an.
0 Minuten, 26 Sekunden
Der Tower bestätigt diese Funkmeldung.
0 Minuten, 25 Sekunden
Das Fahrzeug 1 fragt beim Tower an, ob es die Piste 4 beim Rollweg Delta überqueren dürfe.
0 Minuten, 20 Sekunden
Der Tower erteilt Fahrzeug 1 die Freigabe.
0 Minuten, 19 Sekunden
Ein «Electronic-100-Callout» des EGPWS wird ausgelöst. Das Flugzeug befindet sich also 100 Fuss über Grund.
0 Minuten, 17 Sekunden
Fahrzeug 1 bestätigt die Freigabe zum Überqueren der Piste.
0 Minuten, 12 Sekunden
Ein «Electronic-30-Callout» wird durchgegeben. Das Flugzeug befindet sich noch 30 Fuss über Grund. Gleichzeitig instruiert der Tower einen Flug von Frontier Airlines, an seiner Position zu bleiben.
0 Minuten, 9 Sekunden
Der Tower weist Fahrzeug 1 an, anzuhalten. Der Fluglotse bemerkt seinen Fehler.
0 Minuten, 8 Sekunden
Ein Geräusch deutet darauf hin, dass das Flugzeug gelandet ist.
0 Minuten, 6 Sekunden
Es kommt zu einer Übergabe der Steuerung von einem Piloten an den anderen.
0 Minuten, 4 Sekunden
Der Tower weist Fahrzeug 1 erneut an, anzuhalten. Wenig später kommt es zur Kollision.
Ein Unfall mit vielen offenen Fragen
An der Medienkonferenz verkündete Jennifer Homendy, Vorsitzende des NTSB, dass aktuell abgeklärt werde, wie viele zertifizierte Fluglotsen im Gebäude waren. «Zum Zeitpunkt der Kollision befanden sich zwei Personen in der Towerkanzel.» Und weiter: «Der Platzlotse und der diensthabende Schichtleiter.»
«Der Platzlotse überwacht die aktiven Pisten und den unmittelbaren Luftraum rund um den Flughafen», so Homendy. «Dieser Platzlotse hatte seinen Dienst um 22.45 Uhr angetreten, und die Schicht hätte um 6.45 Uhr morgens geendet. Das bedeutet jedoch nicht, dass er um 22.45 Uhr bereits an seiner Position war.»
Der diensthabende Schichtleiter ist für sämtliche Sicherheitsabläufe verantwortlich. Er meldete sich den Angaben zufolge um 22.30 Uhr zum Dienst an. Der Schichtleiter übernahm gemäss Homendy zudem die Aufgaben zur Erteilung der Startfreigaben von Piloten. Unklar sei, wer die Aufgaben des Bodenlotsen wahrnahm.
Die beiden Mitarbeiter im Tower hätten in einer Nachtschicht gearbeitet, heisst es weiter. «Zur Erinnerung: Die Nachtschicht ist ein Bereich, über den wir beim NTSB schon oft Bedenken hinsichtlich der Ermüdung geäussert haben», so die Behördenchefin weiter. Noch immer sind viele Fragen nach dem Unglück offen.