Darum gehts
- Mychajlo Fedorow fordert Rückkehr als Verteidigungsminister der Ukraine
- Eine andere Funktion zu übernehmen lehnt der 35-Jährige ab
- Seine grosse Forderung aber setzt er bei Selenski durch – nach der Absetzung
Der ukrainische Polit-Star geht auf volles Risiko – und bringt sein Land damit in unnötige Gefahr.
Dass Mychajlo Fedorow (35) durch seinen Rausschmiss nach nur sechs Monaten als Verteidigungsminister düpiert ist, versteht jeder. Dass es für die Ukraine dank erfolgreicher Langstreckenangriffe und einer konsequenten Drohnen-Taktik auf dem Schlachtfeld gerade erstaunlich gut läuft, ist zu keinem geringen Teil dem Geschick und dem Effort des techaffinen Strategen Fedorow zu verdanken.
Dass Wolodimir Selenski (48) zuletzt sogar noch seiner Bitte gefolgt ist und Armeechef Olexander Sirski (60) geschasst hat, bedeutet einen weiteren Ritterschlag für den Ex-Minister. Der ukrainische Präsident hätte ihn zudem gerne in neuer Funktion wieder im Team – etwa als stellvertretenden Minister für militärische Innovation.
Fedorow aber blockt. Wenn er ins Kabinett zurückkehre, dann nur als Verteidigungsminister, lässt er verlauten. Alle anderen Positionen: wertlos. Für Selenski ist das eine harte Klatsche. Genau genommen schon die zweite, nachdem Fedorow bereits wenige Tage nach seiner Absetzung an einer Ego-Pressekonferenz schmutzige Wäsche gewaschen und nicht mit Kritik an seinen Kontrahenten gespart hat.
Schonungslos transparentes Diskutieren ist wichtig – nicht nur im Krieg. Aber gerade wenn sich ein Land militärisch verteidigen muss, bietet öffentlich ausgetragener Disput dem Kriegsgegner viel Material für dessen Spaltungsstrategie. Fedorow sagt, es gehe ihm um nichts als den Sieg seines Landes. Meint er das ernst, täte er gut daran, seine persönlichen Ambitionen zu zügeln, und das zu tun, was von ihm verlangt wird: dienen, nicht debattieren.