Darum gehts
- Über 1500 Migranten erreichten Ceuta bis 31. Juli, viele schwimmend
- Aufnahmezentren überlastet, teils 2000 Prozent Überbelegung, 18 Tote geborgen
- 120 Soldaten entsandt, Premier Sánchez besucht Ceuta heute persönlich
Was ist passiert?
Mehr als 40'000 Migranten sind innert weniger Tage in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika gelangt. Das berichten mehrere spanische Medien am Freitag übereinstimmend. Die Guardia Civil spricht gemäss «El Periodico» von rund 49'000 Menschen. Das ist deutlich mehr als bislang angenommen. Am Donnerstag war von mehr als 1500 Migranten die Rede. Ceuta hat gerade einmal 83'600 Einwohner.
Viele von den Migranten schwimmen übers Meer, um den hohen Grenzzaun zu umgehen. Mit Ringen als einzige Ausrüstung. Die Bilder gehen um die Welt, Madrid schickt Soldaten, Italien droht mit dem Schengen-Ausschluss. Der Präsident der Exklave spricht von «reinstem Chaos».
Die Problematik
Die Aufnahmezentren sind komplett überlastet. Ceutas Regionalpräsident Juan Jesus Vivas spricht von einer Überbelegung von teils über 2000 Prozent. Hunderte Menschen übernachten auf der Strasse. Laut spanischen Medien wurden mindestens 19 Leichen von Migranten geborgen, die vermutlich beim Versuch, schwimmend nach Ceuta zu gelangen, ertrunken sind.
Warum genau Ceuta?
Ceuta ist eine von zwei spanischen Exklaven auf nordafrikanischem Boden. Marokko wurde 1956 unabhängig. Trotzdem bleibt Ceuta, wie auch die Exklave Melilla, spanisch. Beide werden von Marokko beansprucht. Genau dort warten oft Tausende Migranten aus Subsahara-Afrika auf ihre Chance, in die Europäische Union (EU) zu gelangen. Weil ein hoher Grenzzaun den direkten Ansturm erschwert, weichen viele aufs Wasser aus und schwimmen um den Zaun herum.
Auslöser des Ansturms ist eine Entscheidung von Spaniens oberstem Gerichtshof. Migranten, die schwimmend spanisches Gebiet erreichen, dürfen ab sofort nicht mehr ohne Einzelfallprüfung sofort nach Marokko zurückgeschickt werden.
Was macht die spanische Regierung?
Madrid will – Stand jetzt (Freitag, 31. Juli) – keinen nationalen Notstand ausrufen. Das Innenministerium schliesst das sogar explizit aus: Migrationsbewegungen fallen laut geltenden Zivilschutzvorschriften nicht unter jene Risiken, für die der Notstand vorgesehen wäre.
Reagiert wird trotzdem: Rund 120 Soldaten wurden zur Unterstützung der Grenzbeamten nach Ceuta beordert – dieselbe Massnahme wie schon während der Krise 2021. Ministerpräsident Pedro Sanchez (54) kündigte an, «alle Hebel in Bewegung» zu setzen, blieb aber vage. Am Freitag reist er persönlich nach Ceuta.
So reagiert die Welt
International zieht der Fall grosse Kreise. Kritik kommt vor allem aus Rom. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (49) nannte die Situation in Ceuta «eine konkrete Bedrohung für die Sicherheit der europäischen Grenzen». Italien erwäge deswegen die Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien, schreibt Meloni in einem Beitrag auf der Plattform X.
Gab es schon einmal etwas Vergleichbares?
Ja. Die Parallelen sind auffällig. Im Mai 2021 stürmten innerhalb von nur 36 Stunden über 8000 Menschen von Marokko aus nach Ceuta. Madrid warf Rabat damals offen «Erpressung» vor. Die Grenzkontrollen seien absichtlich gelockert worden, um im Streit um die Westsahara Druck auf Spanien auszuüben.
Wie geht es jetzt weiter?
Ministerpräsident Pedro Sanchez reist am Freitag in Begleitung von Innenminister Fernando Grande-Marlaska (64) nach Ceuta. Auf dem Programm stehen ein Besuch an der Grenze bei Tarajal sowie ein Koordinationstreffen mit Regionalpräsident Juan Jesus Vivas, der Regierungsdelegation vor Ort und den Verantwortlichen von Aufnahmezentrum und Rotem Kreuz. Ziel sei es, so schnell wie möglich wieder Ordnung an der Grenze herzustellen.