Europas Staatschefs hoffen auf einen Iran-Deal
Ruiniert Trump auch diesen G7-Gipfel?

Früher wollten die G7 die Welt lenken. Heute scheint ihr wichtigstes Ziel zu sein, den US-Präsidenten bei Laune zu halten. Der Gipfel in Frankreich zeigt, wie stark Donald Trump den Westen verändert hat.
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Die Hoffnung vieler G7-Staatschefs ruht auf einem Mann: US-Präsident Donald Trump (80).
Foto: IMAGO/Bonnie Cash - Pool via CNP

Darum gehts

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Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

Offiziell geht es am G7-Gipfel in Frankreich um Wirtschaft, künstliche Intelligenz und die Zukunft der Weltordnung. Inoffiziell geht es vor allem um einen Mann: Donald Trump (80). Wenn sich die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrienationen ab Montag in Évian treffen, erscheint der US-Präsident nicht nur als mächtigster Politiker der Welt. Er reist als grösstes Problem des Gipfels an.

Vor einem Jahr sorgte Trump am G7-Gipfel mit seinen Zolldrohungen für Nervosität. Diesmal überschattet sein Iran-Krieg das Treffen. Die Kämpfe im Nahen Osten haben die Ölpreise in die Höhe getrieben, Lieferketten unter Druck gesetzt und die Angst vor einer neuen Inflationswelle neu entfacht. Während die USA vergleichsweise wenig abhängig von der Strasse von Hormus sind, spüren Europa und Asien die Folgen deutlich stärker.

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Donald Trump reist als mächtigster Politiker der Welt – und als grösstes Problem des G7-Gipfels nach Évian.
Foto: Keystone

Entsprechend klar ist, was viele der Anwesenden erreichen wollen: Sie wollen Trump davon überzeugen, den Konflikt möglichst rasch zu entschärfen. «Sie sorgen sich um das Danach», sagte ein ehemaliger Trump-Berater gegenüber Politico. Gemeint sind die wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen eines Konflikts, dessen Ende derzeit niemand vorhersagen kann.

Die Hoffnung auf den grossen Deal

Damit reist Trump in einer ungewohnten Rolle an den Genfersee. Noch vor einem Jahr blickten viele Staatschefs mit einer Mischung aus Respekt und Unsicherheit auf den zurückgekehrten Präsidenten. Heute ist er nicht nur der mächtigste Mann am Tisch. Er ist zugleich jener Politiker, dessen Entscheidungen den anderen Teilnehmern die grössten Kopfschmerzen bereiten. Genau deshalb hoffen viele in Évian auf eines: einen Deal mit dem Iran.

Am Samstag kündigte Trump auf seiner Plattform Truth Social erneut ein Friedensabkommen mit Teheran an. Schon am Sonntag solle eine Vereinbarung unterzeichnet werden, die die Strasse von Hormus wieder öffnen und Irans Weg zur Atombombe dauerhaft blockieren werde, versprach der US-Präsident. Reuters berichtete unter Berufung auf Verhandlungskreise, eine Unterzeichnung durch US-Vizepräsident J. D. Vance (41) und den iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf (64) in Genf sei zumindest denkbar.

Macrons Mission: Trump bei Laune halten

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (48) hat mehrere Staats- und Regierungschefs aus dem Nahen Osten eingeladen, darunter die Führer Katars und Saudi-Arabiens. Die Gespräche sollen ausdrücklich dabei helfen, einen Ausweg aus der Krise zu finden. Gleichzeitig hat Macron die Agenda entschärft, auf kontroverse Themen verzichtet und setzt auf kurze gemeinsame Erklärungen statt lange Abschlusspapiere. Das Ziel ist offensichtlich: Trump soll eingebunden werden – nicht provoziert.

Das gilt selbst für die Schweiz. Bundespräsident Guy Parmelin (66) wird am Rande des Gipfels am Gala-Dinner teilnehmen und dürfte die Chance nutzen, um im Zollstreit mit den USA für Schweizer Interessen zu werben. Auch für Bern ist der Gipfel deshalb weniger ein Treffen der G7 als eine seltene Gelegenheit, direkt an Donald Trump heranzukommen.

Darin zeigt sich, wie stark sich die G7 verändert haben. Früher verstand sich die Runde als Steuerzentrale des Westens. Heute wirkt sie oft wie ein Krisengremium, dessen wichtigste Aufgabe darin besteht, die USA an Bord zu halten. Beobachter beschreiben die Einheit der Gruppe als oberste Priorität. Übersetzt bedeutet das: möglichst kein öffentlicher Streit mit Donald Trump.

Vom Machtzentrum zum Trump-Gipfel

Dabei ist die Liste der Konflikte lang. Die Europäer streiten mit Trump über die Ukraine, über Strafzölle, über die Nato und nun über die Folgen des Iran-Kriegs. Trotzdem wird kaum jemand in Évian die offene Konfrontation suchen. Denn die Realität ist ernüchternd: Ohne die USA lassen sich weder die Ukraine unterstützen noch die Sicherheitslage im Nahen Osten stabilisieren. Gleichzeitig hat Trump mehrfach gezeigt, dass er Gipfel verlassen, Abmachungen platzen lassen oder Verbündete öffentlich vorführen kann.

Die Strategie der Europäer lautet deshalb nicht mehr Widerstand: Sie wollen Trump überzeugen, nicht besiegen. Ob das gelingt, ist offen.

Fest steht aber schon jetzt: Der Erfolg dieses Gipfels wird kaum daran gemessen werden, welche Beschlüsse verabschiedet werden. Entscheidend wird sein, ob es den übrigen Staats- und Regierungschefs gelingt, Trump zu einem Iran-Deal zu bewegen – oder ihn zumindest davon abzuhalten, die nächste Krise auszulösen.

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