Einseitiges Dokument: USA und Iran stehen offenbar vor Deal
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Es geht um ein einziges Papier. Das Weisse Haus ist zuversichtlich, dass ein Deal mit dem Iran über ein Kriegsende kurz vor dem Abschluss steht. Dies berichtet das US-Magazin «Axios» unter Berufung auf hochrangige Beamte. Demnach soll das Dokument mehrere zentrale Punkte klären.
Diese sehen wie folgt aus: Der Iran soll sich zu einem Moratorium für die Urananreicherung verpflichten. Die USA sollen sich dafür bereit erklären, ihre Sanktionen aufzuheben und eingefrorene iranische Gelder in Milliardenhöhe freizugeben. Beide Seiten sollen zudem ihre Blockaden in der Strasse von Hormus aufheben.
Die USA erwarten laut «Axios» eine Antwort der Iraner innerhalb der nächsten 48 Stunden. Aus Teheran heisst es, das Dokument werde geprüft.
In der Nacht auf Mittwoch verkündete US-Präsident Donald Trump, sein «Projekt Freiheit», das Tankern die freie Durchfahrt durch die Strasse von Hormus ermöglichen sollte, zu stoppen. Laut dem Bericht stehe diese Entscheidung in direktem Zusammenhang mit dem geplanten Deal. Mein Kollege Gabriel Knupfer beleuchtete die genauen Ausführungen Trumps im Tickereintrag von 03.30 Uhr.
Gegenüber «Reuters» bestätigte zudem eine pakistanische Quelle diese Entwicklung.
Trump kündigt «Pause» bei Begleitung von Schiffen an
Von Gabriel Knupfer, Redaktor Nachtdienst
War das laute Kriegsgetöse vom Montag nur ein Sturm im Wasserglas? Am Dienstag kommen ruhigere Töne aus Washington. Nach seinem Aussenminister Marco Rubio meldete sich auch Donald Trump zu Wort.
Auf seiner Plattform Truth Social schrieb der US-Präsident, dass das «Project Freedom» auf Bitte Pakistans für kurze Zeit pausiert werde. Gemeint ist damit die militärische Begleitung von Schiffen durch die Strasse von Hormus.
Gleichzeitig bleibe die Blockade der iranischen Schifffahrt «in vollem Umfang in Kraft». Er wolle «abwarten, ob das Abkommen abgeschlossen und unterzeichnet werden kann», so Trump.
Der US-Präsident schrieb erneut von «grossen Fortschritten» bei den Verhandlungen. Bereits zuvor hatte Rubio betont, dass die Operation «Epic Fury» beendet sei (siehe Eintrag von 1:30).
Auch Trump selbst hatte den Krieg bereits vor einigen Tagen für beendet erklärt. Damals ging es dem US-Präsidenten aber eher darum, den Kongress (das amerikanische Parlament) zu umgehen, wie Kollegin Chiara Schlenz in ihrer Analyse ausführte.
Rubio: «Operation ‹Epic Fury› ist abgeschlossen»
Von Gabriel Knupfer, Redaktor Nachtdienst
Trotz gegenseitigem Beschuss in der Strasse von Hormus stehen die Zeichen im Iran-Krieg auf Deeskalation. Das machte US-Aussenminister Marco Rubio bei seiner Pressekonferenz klar.
Nun gelte es, die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus zu sichern. Die aktuelle Militäraktion während des Waffenstillstandes sei «defensiv». Dazu muss man wissen: Die USA haben am Montag mehrere iranische Schiffe beschossen. Die Seeblockade der USA sei nötig, um den globalen Handel und die zivile Schifffahrt zu schützen.
Das Problem: Der Iran hat bereits klargemacht, dass er die Kontrolle über die Seestrasse ausbauen will, wie mein Kollege Mattia Jutzeler im Eintrag um 20:45 Uhr ausgeführt hat. Weitere militärische Zusammenstösse sind deshalb vorprogrammiert. Auch US-Präsident Donald Trump kündigte bereits an, die Bombardierung des Irans «nötigenfalls» wieder aufzunehmen.
«Mindestens zehn zivile Seeleute sind bereits ums Leben gekommen»
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Aktuell läuft das «Projekt Freiheit» der US-Marine in der Strasse von Hormus. Laut Kriegsminister Pete Hegseth (45) erklärt nun auch Aussenminister Marco Rubio (54) die «grosse Notwendigkeit» dieser Mission.
Rubio erklärte bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus, dass die US-Marine den etwa 23'000 zivilen Matrosen zu Hilfe eile, die aktuell im Persischen Golf gestrandet und «dem Tode überlassen» seien. «Sie sind leichte Beute, sie sind isoliert, sie hungern, sie sind schutzlos», führt Rubio weiter aus. «Mindestens zehn zivile Seeleute sind bereits ums Leben gekommen.»
Genauso wie Hegseth am Dienstagmittag betont Rubio, dass es sich bei «Projekt Freiheit» um eine defensive Mission handle. «Es wird nicht geschossen, es sei denn, wir werden zuerst beschossen, okay? Wir greifen sie nicht an.»
Bislang sind laut AP-News nur zwei Handelsschiffe bekannt, die von den USA militärisch durch die Strasse von Hormus begleitet wurden. Hunderte weitere würden noch im Persischen Golf festsitzen. Die gestrandeten Matrosen stammen laut Rubio aus rund 87 Ländern.
Iran will Kontrolle in der Strasse von Hormus ausbauen
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Sowohl der Iran als auch die Vereinigten Staaten behaupten aktuell, die Strasse von Hormus zu kontrollieren. Die Islamische Republik hat nun ein neues System für Schiffe angekündigt, die die wichtige Handelsroute passieren wollen.
Demnach erhalten alle Schiffe, die durch die Strasse von Hormus fahren wollen, eine E-Mail einer staatlichen iranischen Behörde. In dieser E-Mail werden sie über die neuen Regeln und Vorschriften für die Durchfahrt informiert. Wenn sie sich an diese neuen Regeln und Vorschriften halten, können die Schiffe bei der Behörde eine Transitgenehmigung einholen.
Diese neue Initiative wird vom iranischen Staatsfernsehen als «souveränes Regierungssystem» bezeichnet und sei ab sofort in Betrieb, berichtet CNN. Die Islamische Republik wolle so ihre Kontrolle über einen der wichtigsten Engpässe für den Öltransport weltweit sichern.
Dem gegenüber steht das «Projekt Freiheit» der US‑Marine. Mit ihren Kriegsschiffen wollen die USA den Handelsschiffen, die aktuell im Persischen Golf festsitzen, militärischen Geleitschutz geben. «Wir wollen den freien Handel beschützen», erklärte Generalstabschef Dan Caine bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Die Marine konnte laut Angaben des Zentralkommandos der US-Streitkräfte bereits mehrere Schiffe durch die Meerenge geleiten.
Jüngste Angriffe verschärfen Machtkampf in Teheran
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Während sich die Lage in der Strasse von Hormus und dem Persischen Golf verschärft, scheint es innerhalb der iranischen Regierung in Teheran gerade mächtig zu kochen. Präsident Masoud Peseschkian (71) soll sich laut «Iran International» mit den Islamischen Revolutionsgarden IRGC angelegt haben.
Grund für den Zoff seien die jüngsten Angriffe des Irans auf die Vereinigten Arabischen Emirate VAE. Zum ersten Mal seit Beginn des Waffenstillstandes am 8. April feuerte die Islamische Republik am Montag wieder Geschosse auf den Golfstaat ab. Der Angriff sorgte unter anderem für einen Grossbrand im Industriegebiet der Hafenstadt Fudschaira. Laut dem Sender Al Jazeera wurden drei Arbeiter verletzt.
Präsident Peseschkian verurteilt diese Angriffe, durchgeführt von den Revolutionsgarden, wohl aufs Schärfste. Die Spannungen mit den Ländern der Region zu verschärfen, habe er als «Wahnsinn» bezeichnet und vor potenziell irreversiblen Folgen gewarnt. Peseschkian wolle nun den obersten iranischen Führer Modschtaba Chamenei (56) dazu überreden, die Angriffe einzustellen.
Peseschkians Reaktion auf die Angriffe der Revolutionsgarden offenbart einen giftigen Machtkampf in Teheran, schreibt «Focus» in einer Analyse. Die Radikalen im Mullah-Machtapparat, darunter auch die Revolutionsgarden, würden Verhandlungen über das Atomwaffenprogramm mit den USA ablehnen, während die Pragmatiker fürchteten, dass das Land wegen des Krieges zusammenbreche.
Sollte Peseschkian bereits das Gespräch mit Chamenei gesucht haben, waren seine Argumente bis jetzt wohl wenig überzeugend. Am Dienstagabend mussten die VAE wegen iranischer Raketen nämlich erneut ihre Luftabwehr aktivieren.
Waffenstillstand bleibt vorerst bestehen
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Am Montag gab es in der Strasse von Hormus viele Anzeichen dafür, dass der Krieg zwischen dem Iran und den USA schon bald wieder heiss wird. Kriegsschiffe der beiden Länder beschossen sich gegenseitig und giftige Drohungen wurden ausgetauscht. Sogar die Vereinigten Arabischen Emirate wurden zum ersten Mal seit Beginn des Waffenstillstandes wieder zum Ziel iranischer Angriffe.
Jetzt beschwichtigt US-Generalstabschef Dan Caine. Zwar habe der Iran die Waffenruhe «mehr als zehnmal» verletzt, dies reiche aber aktuell noch nicht aus, um «umfassende Kampfhandlungen» wiederaufzunehmen. Das erklärte er an einer Pressekonferenz am Dienstag zusammen mit US-Kriegsminister Pete Hegseth. Letzterer betonte erneut, dass die USA mit ihrer maritimen Präsenz in der Strasse von Hormus «den freien Handel schützen» wollen. Meine Kollegin Janine Enderli hat die Pressekonferenz in diesem Artikel live mitverfolgt.
Trotz der beschwichtigenden Worte der beiden Verantwortlichen scheinen die USA ihre Militärpräsenz in der Strasse von Hormus weiter auszubauen. Am Dienstagnachmittag gab das Zentralkommando der US-Streitkräfte bekannt, dass der Flugzeugträger USS George H. W. Bush mittlerweile die wichtige Meerenge passiert hat. Er werde die bereits vorhandenen Kriegsschiffe der Vereinigten Staaten unterstützen.
Handelsschiff erfolgreich durch Hormus eskortiert
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Ein mit der Reederei Maersk in Verbindung stehendes Schiff, die Alliance Fairfax, hat die Strasse von Hormus unter dem Schutz des US-Militärs passiert. Dies teilte der Mutterkonzern Maersk in einer Mitteilung mit.
Das Schiff war eines von zwei unter US-Flagge fahrenden Handelsschiffen, welche die Durchfahrt vollzogen.
«Der Transit verlief ohne Zwischenfälle und alle Besatzungsmitglieder sind gesund und munter», teilte Maersk weiter mit. Den Angaben zufolge gehört die Alliance Fairfax zur US-Reederei Farrell Lines, einer Maersk-Tochter. Das Schiff habe seit Beginn des Iran-Kriegs «wegen Sicherheitsbedenken» im Persischen Golf festgesessen.
Ein Schicksal, das viele Seeleute gemeinsam haben. Einige sitzen bereits seit 66 Tagen im Persischen Golf fest, wie wir im Tickereintrag von 07.55 Uhr beleuchtet haben.
«‹Projekt Freiheit› ist ‹Projekt Sackgasse›»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Es ist ein ständiges Tauziehen, das von gegenseitigen Drohungen geprägt ist: Der Iran warnte die USA in der Nacht auf Dienstag davor, die blockierte Strasse von Hormus wieder für den internationalen Schiffsverkehr freizumachen.
«‹Projekt Freiheit› ist ‹Projekt Sackgasse›», schrieb der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi auf X.
Trump hatte angekündigt, gestrandete Tanker durch die Strasse von Hormus eskortieren zu wollen. Die Iraner warnten vor Tätigkeiten der USA in der Wasserstrasse.
Anfang Woche verschärften sich die Spannungen im Persischen Golf wieder stark. Die Emirate meldeten erstmals seit Wochen wieder Drohnenangriffe auf ihr Land. Während des Iran-Kriegs kam es täglich zu Angriffen auf die Golfstaaten. In diesem Artikel erfährst du wie die Raketenabwehr in diesen Ländern funktioniert.
«Wir hatten noch nie so viel Angst»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Der indische Kapitän Raman Kapoor sitzt mit seiner 23-köpfigen Besatzung seit 66 Tagen in der Strasse von Hormus fest. Ursache sind der Krieg zwischen den USA und dem Iran und die gegenseitigen Blockaden, die Tausende von Seeleuten auf rund 2000 Schiffen blockieren. Kapoor beschreibt die Situation im Gespräch mit der italienischen Zeitung «Corriere della Sera» als von Angst und Unsicherheit geprägt: «Wir sind in grosser Unsicherheit, da wir seit 66 Tagen vor Anker liegen – wir sind Kollateralschäden», so Kapoor. Besonders belastend sei, «dass wir nicht wissen, wann wir hier wegkommen können».
Die Versorgung mit den wichtigsten Gütern erfolgt nur einmal im Monat, Kontakte zu Behörden gibt es kaum. Die Lage unterscheidet sich laut Kapoor deutlich von früheren Krisen: «Wir hatten noch nie so viel Angst. Wir haben Hunderte von Raketen über uns hinwegfliegen sehen.» Angriffe in der Nähe hätten die Bedrohung greifbar gemacht, auch wenn er versuche, «die Moral» seiner Männer hochzuhalten.
Die Lage in Hormus ist unübersichtlich. Am Montag passierten mehrere US-Kriegsschiffe die Wasserstrasse, um Tanker zu eskortieren. Dabei kam es zum Schusswechsel mit iranischen Booten. Sowohl Teheran als auch Washington drohten mit gegenseitigen, flächendeckenden Angriffen. Warum Trumps «humanitäre Mission» komplett eskalieren könnte, liest du im Text meiner Kollegin Chiara Schlenz.