Darum gehts
- In Frankreich protestieren Schüler, Studierende und Gewerkschaften gegen Bildungsmangel und Teuerung
- Bei Toulouse wurde ein Gymnasium angezündet, Feuerwehrleute beschossen, 15 Personen festgenommen
- Landesweit gab es Uni-Blockaden
Die Bilder aus Frankreich sind wieder einmal erschreckend. Neben Hunderttausenden Demonstrierenden, die in vielen Orten friedlich gegen den Ressourcenmangel im Bildungssystem oder die hohen Lebenshaltungskosten auf die Strassen gehen, kommt es auch im Verlauf des Donnerstags in zahlreichen Regionen hingegen immer wieder zu Gewaltausschreitungen. Brennende Autos, verletzte Demonstranten, die von Rettungskräften auf der Strasse versorgt werden müssen und Menschen, die sich hinter verbarrikadierten Schaufenstern vor der Gewalt der Randalierer verstecken.
15 Festnahmen in Toulouse
Bei Toulouse, in der Gemeine Tournefeuille, drangen am Donnerstagmorgen mehrere Personen in ein Gymnasium ein und zündeten im Inneren des Gebäudes Feuerwerkskörper. Grosse Teile des Gebäudes gerieten in Brand und wurden zum Teil schwer zerstört, berichtet «Le Parisien». Rund 60 Feuerwehrleute und 14 Einsatzfahrzeuge waren nötig, um den Brand zu löschen. Bei dem Einsatz wurden die Feuerwehrleute vor Ort mit Feuerwerkskörpern beschossen, und es gab Versuche, ihre Ausrüstung zu stehlen. Die Schule bleibt vorerst geschlossen.
15 Personen wurden in Toulouse festgenommen – zwölf Minderjährige und drei Erwachsene. Der Vizepräsident des Regionalrats, Kamel Chibli, verurteilte die Tat an dem Gymnasium bei Toulouse scharf: «Diese inakzeptablen Handlungen müssen mit aller Entschlossenheit verurteilt werden», forderte er und rief zu «aussergewöhnlichen Massnahmen und harten Sanktionen» auf.
Pyro-Chaoten an zahlreichen Gymnasien
Auch im Département Yvelines im Grossraum Paris kam es vor einem Gymnasium in Sartrouville zum Einsatz von Pyrotechnik. Nach dem Einsatz von Feuerwerkskörpern wurde auch ein Gymnasium in Villeurbanne bei Lyon evakuiert. Im Norden Frankreichs, etwa in Roubaix, kam es vor Schulen zu mehreren Bränden von Mülltonnen sowie zum Beschuss von Schulleitern und Lehrkräften mit Feuerwerkskörpern. Mehrere Personen wurden festgenommen.
Im Département Eure im Norden drangen nach Angaben des Präfekten am Donnerstagmorgen etwa zwanzig Personen gewaltsam in ein Gymnasium ein. Dabei wurden auch Feuerwerkskörper abgefeuert. Zwei Personen wurden festgenommen. In Rennes wurden Polizisten vor einem Gymnasium mit Boule-Kugeln beworfen.
Nach Angaben der Initiatoren der Bildungsproteste wurden 90 Prozent der rund 70 französischen Universitäten mobilisiert – entweder durch Blockaden oder Schliessungen. Auch 1000 der 3700 Gymnasien im ganzen Land sind geschlossen.
Messerangriff auf 16-jährigen Schüler
Ein 16-jähriger Gymnasiast wurde am Donnerstagmorgen während einer Schulblockade in La Courneuve, in der Nähe von Paris, von einem 20-Jährigen mit einem Messer angegriffen, wie «Le Parisien» berichtet. Die Verletzungen des Schülers sind nicht lebensbedrohlich, er wurde von der Feuerwehr ins Spital gebracht.
In Paris selbst kam es ebenfalls zu gewalttätigen Ausschreitungen. Gegen 15.30 Uhr kam es auf dem Boulevard Voltaire zu einem Polizeieinsatz mit mehreren Verletzten. Seit den verheerenden Ausschreitungen vom 17. Oktober findet am Donnerstag wieder die erste Gewerkschaftsdemonstration mitten im Zentrum von Paris statt. Bewilligt wurde nur eine Route vom Place de la République zum Place de la Nation, entlang des Boulevard Voltaire. Die Polizei musste dennoch mehrere unbewilligte Protestzüge auflösen.
Die Gewerkschaftsorganisation CGT zählte um 13 Uhr «mehr als 250'000 Demonstranten» in 73 Städten im Rahmen des von den Gewerkschaften ausgerufenen Mobilisierungstages für höhere Löhne. Mit den zusätzlich demonstrierenden Schülern und Studenten liegt die Zahl der insgesamt Protestierenden im Land jedoch deutlich höher.