Darum gehts
- Nach Halloween-Krawallen an der Langstrasse bleiben zerbrochene Scheiben und Brandspuren zurück
- Blick-Reporter war hautnah dran und schildert die Ereignisse der Nacht
- Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, Anwohnende klagen am Morgen über brennende Augen
Halloween-Horror in Zürich. Eine Demonstration läuft völlig aus dem Ruder. Autos und Container brennen, Einsatzkräfte werden angegriffen und antworten mit Wasserwerfern und Tränengas. Ein Mann wird erheblich verletzt, doch die Ambulanz kommt nicht zu ihm durch. Anwohner sind sprachlos: «Es wird immer schlimmer!»
Am Morgen nach den Halloween-Ausschreitungen um den Zürcher Helvetiaplatz und die Langstrasse liegt noch Tränengas in der Luft, die Augen brennen. Zerborstene Scheiben an Kleingeschäften und Flecken von geschmolzenen Containern zeugen von der Brutalität der Halloween-Nacht.
Besonders hart getroffen wurde der Coop an der Ecke Molkenstrasse/Hohlstrasse. Alle Fenster sind beschädigt – aus dem Inneren klingt das Klirren der Glasscherben, die von Mitarbeitern weggewischt werden.
Beim Coop eskalierte die Gewalt
Hier soll auch die Gewalt zwischen den linksradikalen Demonstranten und der Polizei endgültig eskaliert sein, wie Blick-Reporter Mattia Coda (37) berichtet. Er war in der Nacht auf Sonntag vor Ort, als die Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas zu den Randalierenden gelangte. «Eigentlich fing alles harmlos an», berichtet Coda. «Die Stimmung war zunächst friedlich. Es fühlte sich an wie eine Mini-Street-Parade – doch dann eskalierte es.»
Im Lauf des Abends stiessen zur feiernden Menge immer mehr Vermummte hinzu. «Da merkte man schon, dass es kein klassisches Halloween-Publikum war», sagt Coda. Als sich der Tross in Bewegung setzte, wurden schon die ersten Container auf die Strasse verschoben: «Diese wurden dann auch bald angezündet.» Kurz darauf seien die Einsatzkräfte angerückt und hätten die ersten Feuer gelöscht.
In der Zwischenzeit begannen einige Chaoten, an der nahen Coop-Filiale zu randalieren: «Als ich wieder auf der Langstrasse unterwegs war, sah ich Vermummte, die versuchten, den Eingang einer Coop-Filiale aufzubrechen. Da habe ich gemerkt: Jetzt nimmt das Ganze eine andere Richtung an.»
Blick-Reporter von Wasserwerfer getroffen
Die Polizei setzte danach erstmals Wasserwerfer ein. Auch Coda hat es erwischt. «Die Polizei spritzte auf ein Gebäude in meiner Nähe. Dabei wurde auch ich vom Wasser getroffen», so der Blick-Reporter. Dieses sei möglicherweise mit Reizstoff versehen gewesen. «Es brannte mir in den Augen und auf der Haut. Ich musste mich zwischenzeitlich zurückziehen.» Schliesslich – gegen 1 Uhr – sei das Schlimmste überstanden gewesen: «Es kam nur noch vereinzelt zu Scharmützeln.»
Die Kantonspolizei Zürich nahm zwei Schweizer im Alter von 19 und 21 Jahren fest, die auf einer Baustelle mutmasslich Wurfgegenstände für Angriffe auf die Polizei sammelten. Zudem wurden 18 Wegweisungen ausgesprochen, wie sie am Sonntag mitteilte.
Anwohner fassungslos
Vor dem Coop beobachtet am Sonntag Expat John D.* die Überreste der Krawall-Nacht: «Ich lebe seit 15 Jahren in Zürich – es wird einfach immer schlimmer!», sagt der Anwohner, der lieber anonym bleiben will. Auch die Gewalt nähme zu, was wohl auch an den Protesten in den Nachbarländern liege. Aus seiner Sicht haben die Proteste in Frankreich und Deutschland einen negativen Einfluss auf die Demonstranten und die Jugend in der Stadt Zürich. «Zudem ist Halloween auch der ideale Zeitpunkt für solche Ausschreitungen – da viele ohnehin maskiert sind», so John D.
Tränengas liegt in der Luft
Blick trifft auf den Anwohner Rami Tevs (73). Auch am Morgen nach den Unruhen klagt er noch über brennende Augen.
Ein Bekannter betreibe in der Nähe ein Restaurant. «Sie haben seine Container geklaut und angezündet», sagt Tevs und zeigt sich noch immer schockiert. «Es ist eine Katastrophe!»
Seit 57 Jahren wohnt Tevs in Zürich – doch so etwas habe er noch nie erlebt: «Die Schweiz war früher sehr schön. Meine Eltern waren schon vor 50 Jahren hier. Damals war alles ganz anders.» Es werde immer schlimmer, fasst er konsterniert zusammen.
Doch die Proteste stossen auch auf Verständnis – wie etwa bei Anwohner Milorad B.* «Ich kann die Gewalt nicht unterstützen. Ich verstehe aber die Unzufriedenheit der jungen Menschen.» Die Jungen fänden keine Jobs mehr, und die Mieten seien kaum bezahlbar. «Vielen fehlt eine Zukunftsperspektive.»
* Namen geändert