Darum gehts
- Drei Erdbeben erschütterten Venezuela, 920 Tote und 50'000 Vermisste gemeldet
- La Guaira stark zerstört, Militär sichert Ordnung, Milliarden-Schäden vermutet
- Schweiz schickt Rettungsteam, stellt 1,5 Mio. Franken Nothilfe bereit
Venezuela kommt nach dem schweren Doppelerdbeben nicht zur Ruhe. Ein neues Nachbeben hat in der vergangenen Nacht erneut die Nordküste erschüttert. Wie RTL berichtet, erreichten die Erdstösse eine Stärke von 4,9. Das Beben wurde nach Angaben des Europäischen Erdbebenzentrums EMSC unter anderem in der Hauptstadt Caracas und in der nahe gelegenen Stadt Maracay wahrgenommen.
Zwei Hauptbeben mit Stärken von 7,2 und 7,5 hatten am Mittwochabend weite Teile des Landes erschüttert. Die Zahl der Opfer steigt weiter. Der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez (60), erklärte nach Angaben des «Redaktionsnetzwerks Deutschland» (RND), die vorläufige Opferzahl liege bei rund 920 Toten. Mehr als 3300 Menschen seien verletzt worden. Zudem werden weiterhin mehr als 50'000 Menschen vermisst.
Schäden in Milliardenhöhe
Besonders dramatisch ist die Situation im Bundesstaat La Guaira nördlich von Caracas. Die Küstenregion wurde besonders stark zerstört. Wie das Nachrichtenportal weiter berichtet, übernahm das Militär dort die Kontrolle, um die öffentliche Ordnung zu sichern und Rettungskräfte bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Zufahrtsstrassen wurden geschlossen, damit sich die Bergungsarbeiten konzentrieren können und keine zusätzlichen Risiken für Helfer und Bevölkerung entstehen.
In den betroffenen Gebieten wächst gleichzeitig die Verzweiflung. Viele Familien suchen nach Angehörigen, teilweise mit blossen Händen. Vielerorts fehlt es an schwerem Gerät, um die Trümmer systematisch zu durchsuchen. Internationale Rettungsteams versuchen deshalb, möglichst schnell zu helfen. Die Vereinten Nationen schätzen die direkten Schäden laut RTL auf mehrere Milliarden Dollar.
Es fehlt an nahezu allem
Auch das Gesundheitssystem steht vor einer enormen Belastung. Wie CNN berichtet, kämpften Krankenhäuser bereits vor dem Erdbeben mit jahrelanger Vernachlässigung und fehlenden Ressourcen. Nun strömen verletzte Menschen in Kliniken, wo sie teilweise auf den Fluren behandelt werden müssen. Laut einem venezolanischen Mediziner fehlen unter anderem Medikamente, Schmerzmittel, Antibiotika und medizinische Ausrüstung. Viele Ärztinnen und Ärzte müssten improvisieren, weil grundlegende Versorgungsgüter nicht verfügbar seien.
Unterstützung kommt inzwischen aus dem Ausland. Das am Freitag in Venezuela eingetroffene Schweizer Rettungsteam musste wegen Schäden an der Landebahn des Flughafens in Caracas auf einen weiter entfernten Regionalflughafen ausweichen, berichtet «Schweiz Heute». Von dort aus machten sich die Einsatzkräfte auf den Weg ins Katastrophengebiet. Blick hatte das Team vor dem Abflug begleitet. Der Bund stellte für die erste Such- und Rettungsphase zudem 1,5 Millionen Franken Nothilfe bereit.
Neben der Schweiz beteiligen sich auch andere Länder an der Unterstützung. Wie das Schweizer Nachrichtenportal weiter berichtet, trafen unter anderem Teams aus Mexiko und Kolumbien frühzeitig ein. Die USA kündigten Hilfe in Höhe von 150 Millionen Dollar an und lockerten vorübergehend Sanktionen, damit die Unterstützung schneller ankommt. Zusätzlich soll der Satellitenanbieter Starlink laut «Schweiz Heute» die Kommunikationsversorgung vorübergehend verbessern.